"Wall Street Journal": BlackBerry erörtert mit Facebook eine mögliche Übernahme

 

BlackBerry-Führungskräfte hätten in Kalifornien Facebook einen Besuch abgestattet, um ein mögliches Gebot des sozialen Netzwerks für den kanadischen Smartphone-Hersteller zu erörtern, wie das "Wall Street Journal" berichtet.

BlackBerry-Führungskräfte hätten in Kalifornien Facebook einen Besuch abgestattet, um ein mögliches Gebot des sozialen Netzwerks für den kanadischen Smartphone-Hersteller zu erörtern, wie das Wall Street Journal berichtet. Gegenüber der Zeitung hätten das weder Facebook noch BlackBerry kommentieren wollen.

Das Wall Street Journal spekuliert, dass Facebook vor allem an den Patenten BlackBerrys interessiert sei. Sie sind laut Analysten zwischen 1 und 3 Mrd US-Dollar wert und betreffen Techniken für sicheres Netzwerken und Smartphone-Komponenten.

Bisher liegt BlackBerry ein Kaufangebot vor: Großaktionär Fairfax Financial bietet 4,7 Mrd Dollar und will den Smartphone-Hersteller nach dem Abschluss der Transaktion von der Börse nehmen. Bereits jetzt gehören dem Finanzkonzern 10% der Aktien. Weiterer Interessenten sind laut Medienberichten der chinesische IT-Konzern Lenovo und der Fondsmanager Cerberus Capital Management. Auch die BlackBerry-Gründer Mike Lazaridis und Douglas Fregin erwägen ein Gebot für den kriselnden Smartphone-Hersteller, der im zweiten Quartal wegen Bergen unverkaufter Z10-Smartphones einen Verlust von 965 Mio Dollar schrieb und daraufhin den Abbau von 4.500 Stellen ankündigte.

Zuletzt verbuchte BlackBerry wieder einen kleinen Erfolg: Die Instant-Messaging-App BlackBerry Messenger (BBM) konnte in den ersten sieben Tagen nach dem Launch 20 Mio iOS- und Android-Nutzer gewinnen und die Zahl der monatlich aktiven Nutzer so auf 80 Mio steigern.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg (Foto) dementierte immer, selbst ein Smartphone anbieten zu wollen. "Es ist eindeutig die falsche Strategie für uns", sagte er auf einer Konferenz im September 2012. Vielleicht würden 10 bis 15 Mio Menschen das Telefon nutzen, so Zuckerberg. Doch Facebook habe eine andere Strategie als Hardware-Hersteller. "Wir gehen in die entgegengesetzte Richtung." Wie diese Strategie aussieht, hat Facebook dann im April 2013 mit Home und dem HTC First gezeigt. Home ist ein Launcher, der sich über das Android-Betriebssystem legt. Er zeigt Inhalte von Facebook (und seit Version 1.1 auch von Flickr, Instagram, Pinterest und Tumblr) auf dem Sperrbildschirm an und bietet schnellen Zugriff auf Funktionen wie Posten und Liken. Das First kam mit vorinstalliertem Home, war aber davon abgesehen ein normales Android-Smartphone von HTC. Ein weiteres Puzzleteil in Facebooks Mobile-Strategie ist die Instant-Messaging-App Messenger, die Facebook Anfang des Jahres mit Voice over IP (kurz VoIP) zum Skype-Konkurrenten aufbohrte. Einer der Konkurrenten des Facebook Messenger heißt BBM.

Möglichst viele Plattformen und damit Nutzer zu erreichen - das war bisher Facebooks Mobile-Strategie. Messenger, die Haupt-App von Facebook und das Fotonetzwerk Instagram gibt es für die beiden dominierenden Plattformen Android und iOS. Ein eigenes Smartphone auf der Basis von BlackBerry würde dagegen auf einer zuletzt immer erfolgloseren Plattform basieren, für die Entwickler und Kunden erst wieder begeistert werden müssten. Zudem richtet sich Facebook an Privatpersonen. Von diesen hat sich BlackBerry seit den letzten Quartalszahlen verabschiedet. Alle Hoffnung setzt der Smartphone-Hersteller in Firmenkunden und "Prosumer", die er mit umfassenden Lösungen aus Hardware, Software und Dienstleistungen bedienen will.

(Wall Street Journal)

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