Wahrnehmung des Leistungsschutzrechts: Springer setzt auf die VG Media

 

Die Axel Springer AG will Abgaben aus dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger von der Verwertungsgesellschaft VG Media eintreiben lassen. Das kündigte Vorstandschef Mathias Döpfner (Foto) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz aus Anlass der Veröffentlichung der Geschäftszahlen fürs dritte Quartal an.

Die Axel Springer AG will Abgaben aus dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger von der Verwertungsgesellschaft VG Media eintreiben lassen. Das kündigte Vorstandschef Mathias Döpfner am Mittwoch bei einer Pressekonferenz aus Anlass der Veröffentlichung der Geschäftszahlen fürs dritte Quartal an. Bislang hatte das Medienunternehmen lediglich eine Präferenz für eine kollektive Wahrnehmung des Leistungsschutzrechts durchblicken lassen, die VG seiner Wahl aber nicht genannt. Neben der VG Media hat auch die VG Wort den Finger gehoben: Sie will Ende November bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Voraussetzungen dafür schaffen, das neue Leistungsschutzrecht der Presseverleger wahrnehmen zu können.

Springer-Boss Döpfner verwahrte sich bei der Pressekonferenz auch gegen Kritik an der gerade bekanntgegebenen Kooperation mit Google bei der Online-Vermarktung (kress.de vom 4. November 2013). Springer arbeite bereits seit Jahren "extrem eng" mit dem US-Unternehmen zusammen: "Ein Großteil unseres Traffics kommt von Google", so Döpfner. Das ändere aber nichts daran, dass Springer in anderen Fragen einen "Dissens" mit dem Suchmaschinenriesen habe. Das Leistungsschutzrecht bleibe daher für Springer "absolut essentiell".

"Der Ball liegt in Essen"

Döpfner und Springer-Finanzvorstand Lothar Lanz gingen auch auf den geplanten Verkauf von Zeitungen, Anzeigenblättern und Zeitschriften an die Funke Mediengruppe ein (kress.de vom 25. Juli 2013). Tenor: Die Transaktion entwickele sich wie vorhergesehen. Nach dem Vorvertrag sollten in den nächsten Wochen die "finale Verträge" unterzeichnet werden, sagte Lanz. Die gerade vom Bundeskartellamt angekündigte vertiefte Prüfung des Deals habe man erwartet. Weil die Funke Mediengruppe das Kartellrisiko trägt, muss sie laut Lanz auch über eventuelle Zugeständnisse an die Kartellis nachdenken: "Der Ball liegt in Essen."

Operatives Ergebnis leicht gesunken

In den Zahlen der Axel Springer AG für den Zeitraum von Januar bis September macht sich der Konzernumbau bemerkbar: Der Umsatz ist in den ersten drei Quartalen gegenüber dem Vorjahr nur leicht um 1,5% auf 2,44 Mrd Euro gestiegen. Das um Sondereffekte und Kaufpreisallokationen bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank sogar um 7% auf 427 Mio Euro. Springer erklärt das mit "höheren Aufwendungen für den Umbau im Printgeschäft und die beschleunigte Digitalisierung". Die EBITDA-Rendite sank von 19,1 auf 17,5%. Fürs Gesamtjahr rechnet man bei Springer weiterhin mit einem Umsatz-Plus und einem EBITDA-Rückgang gegenüber 2012 im jeweils einstelligen Prozentbereich.

Ein Plus meldeten Döpfner & Co. für das Geschäftsfeld digitale Medien: Sein Umsatz stieg um 16,6% auf knapp 960 Mio Euro. Dazu trugen laut Springer Akquisitionen wie die von Onet.pl und organisches Wachstum bei. Das EBITDA des Segments legte um 18,5% auf rund 197 Euro zu. Die EBITDA-Rendite verbesserte sich leicht von 20,2  auf 20,5%. In ihrer Präsentation stellten Döpfner und Lanz denn auch dieses Segment stark in den Vordergrund. Zu beachten ist dabei, dass Medien im klassischen Sinne hier nicht die Hauptrolle spielen: Außer "journalistischen Portalen und anderen digitalen Medien" berücksichtigt Springer bei der Säule digitale Medien auch die Online-Rubrikenmärkte und das Performance Marketing.

"Allegra"-Comeback

Journalistische Angebote sollen laut Döpfner aber ein Investitionsschwerpunkt der kommenden Zeit sein, und für Zeitschriftennostalgiker hatte er ein schönes Schmankerl zur Hand: Springer plane eine "Revival-Ausgabe" der 2004 eingestellten Frauenzeitschrift "Allegra". Die einmalige Sonderausgabe soll im April 2014 erscheinen. Dahinter steckt das Axel Springer Mediahouse Berlin (u.a. "Rolling Stone"). Die Redaktionsleitung haben Ulrike Morant (u.a. "Me.Movies", "Cover", "Jolie") und Joachim Hentschel (u.a. "Rolling Stone", "GQ", "Süddeutsche Zeitung").

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