"Einfach Hausgemacht" im kress-Check: Herzhafte Hausmannskost mit kleinem Beigeschmack

 

Der Landwirtschaftsverlag Münster hat mit seiner 2005 gestarteten "LandLust" vielen anderen Verlagen den Boden bereitet: Die Zeitschrift hat ein ganzes Segment mit Titeln begründet, die mehr oder weniger deutlich von ihr inspiriert sind. Nun steuert der Verlag selbst zwei neue Titel zu diesem Segment bei: Im Februar startete er zunächst das Reisemagazin "Himmelblau", und seit dem 6. November liegt "Einfach Hausgemacht" am Kiosk, ein "Magazin für Haus und Küche".

Der Landwirtschaftsverlag Münster hat mit seiner 2005 gestarteten "LandLust" vielen anderen Verlagen den Boden bereitet: Die Zeitschrift hat ein ganzes Segment mit Titeln begründet, die mehr oder weniger deutlich von ihr inspiriert sind. Obwohl die "LandLust" mittlerweile regelmäßig eine Millionenauflage schafft, hegte und pflegte der Landwirtschaftsverlag sie bis vor Kurzem so, als wäre sie noch immer ein zartes Pflänzchen: Das Heft erscheint nur sechsmal pro Jahr, und auch mit Line Extensions hielt man sich in Münster lange zurück.

Ein bisschen hat der Landwirtschaftsverlag seine Zurückhaltung nun aber aufgegeben: Im Februar startete er zunächst das Reisemagazin "Himmelblau" (kress.de vom 13. Feburar 2013), und seit dem 6. November liegt "Einfach Hausgemacht" am Kiosk, ein "Magazin für Haus und Küche". Von ihrer großen Schwester "LandLust" sind beide Titel unabhängig, doch sie sollen ähnliche Leserwünsche erfüllen: die Orientierung am Althergebrachten und Traditionellen, die Lust am Selbermachen, das Bedürfnis nach Entschleunigung und den Wunsch nach einem Leben in der Natur - oder dem, was man dafür hält.

In "Einfach Hausgemacht" hat der Landwirtschaftsverlag Münster neue Zutaten fürs "LandLust"-Erfolgsrezept genommen: Das 130 starke Heft besteht zu etwa einem Drittel aus Rezepten, wobei eine Neigung zum Herzhaft-Rustikalen (z.B. Speckkartoffeln, saftiger Schweinebraten) überdeutlich ist. Hinzu kommen Anleitungen zum Kochen und Backen (u.a. Hefteteig für Brot und Brötchen, Hühnerbrühe), Dekotipps für die Küche und das übrige traute Heim sowie Hinweise zu allerlei nützlichen Haushaltshelfern.

Für fortgeschrittene Küchen-Afficionados und ausgebuffte Hauswirtschafts-Profis dürfte "Einfach Hausgemacht" dabei wenige neue Erkenntnisse bieten, das "einfach" im Titel ist durchaus Programm: Das Team um Chefredakteurin Gertrud Berning erklärt den Lesern z.B. ganz grundsätzlich, dass man Obst und Gemüse im Kühlschrank am besten unten lagert.

Dennoch gehört "Einfach Hausgemacht" in die Spitzengruppe der vielen an der "LandLust" orientierten Essens-Zeitschriften: Die Redaktion hat die Inhalte mit gutem Gespür für die Zielgruppe ausgesucht, sie sind ansprechend fotografiert und inszeniert worden, und die Ausstattung des Hefts ist hochwertig.

Im Hinblick auf die Texte kann freilich von Opulenz nicht die Rede sein: Sie sind technisch-schnörkellos, was bei den Rezepten nicht weiter stört, die Freude an der Lektüre der längeren Beiträge aber schmälert. Eine Geschichte über die Saline Luisenhall etwa liest sich streckenweise wie ein Auszug aus dem Chemielehrbuch. Kostprobe: "Speisesalz ist chemisch betrachtet Natriumchlorid (NaCl), ein anorganischer Mineralstoff aus einer Verbindung der Elemente Natrium (Na) und Chlor (Cl)." "Einfach Hausgemacht" fehlt an dieser Stelle, was das große Schwesterblatt zumindest im Titel trägt: Lust. Es soll ja Küchen geben, in denen gelacht werden darf.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.