Condé-Nast-Schaustück "Quintessence" im kress-Check: Von allem das Beste und davon fast zu viel

 

Den lässigen Beweis anzutreten, dass Print auch in Krisenzeiten quicklebendig sein kann, fällt den Edel-Publikationen und Luxus-Neustarts deutlich leichter. Für die vorweihnachtliche Condé-Nast-Gabentischbeschwerung "Quintessence" hat sich aus fünf Chefredakteuren eine Supergroup zusammengefunden. Gemeinsam schlenkerten sie ein hochwertiges Werkstattbericht-Sonderheft aus dem Ärmel. 

Den lässigen Beweis anzutreten, dass Print auch in Krisenzeiten quicklebendig sein kann, fällt den Edel-Publikationen und Luxus-Neustarts deutlich leichter. Für die vorweihnachtliche Condé-Nast-Gabentischbeschwerung "Quintessence" hat sich aus fünf Chefredakteuren eine Supergroup zusammengefunden. Gemeinsam schlenkerten sie ein hochwertiges Werkstattbericht-Sonderheft aus dem Ärmel. 

Starke Solisten finden sich zur Supergroup zusammen

Man wäre gerne ein wenig Mäuschen gewesen, wie die großen Raubtiere und Edelkatzen aus den Chefredaktionen von "Vogue", "Glamour", "Myself", "GQ" und "AD" mehr oder weniger friedlich um einen Redaktionstisch geschlichen wären. Mit wachsamen Blick auch für den Mit-Tiger planten und gestalteten sie das zunächst einmalige Heft, das sich selbst als "Experiment" bezeichnet - und natürlich als "Statement für gut gemachte Medien".

Darunter machen es Christiane Arp, Andrea Ketterer, Sabine Hoffmann, José Redondo-Vega und Oliver Jahn natürlich nicht. An einem wertvollen "Diamanten" wollten sie mit vereinten Stärken schleifen, wie sie im Fünfer-Editiorial schreiben. Wie gesagt, man wäre gerne dabei gewesen, wie so eine Kopfgeburt entsteht. 

Moritz von Laffert geht vor den Lesern in die Knie

Aber Halt: Diesen Wunsch erfüllt ja "Quintessence" selbst an wiederholter Stelle - mit Besuchen hinter den Kulissen, einem exklusiven Blick in die selbstverständlich gut durchlüftete und besenreine Werkstatt und einem Geschäftsführer Moritz von Laffert, der sich selbst für den neuesten Titelentwurf bückt und damit nicht nur vor seinen fünf Führungskräften, sondern - man darf sich geschmeichelt fühlen - auch vor dem Leser in die Knie geht (auf Seite 29). 

Wenn man den etwas abgeliebelten Begriff "postmodern" noch in den Mund nehmen möchte, dann passt er perfekt auf das "Quintessence"-Projekt, das sich lange hinter dem noch gewählteren Tarnbegriff "Shokunin" für erlesene japanische Meisterarbeit verbargt: Es ist ein Projekt, das seine Entstehung und handwerkliche Machart auf fast allen Seiten mit selbstreferentiell thematisiert - bis hin zu den farblich abgestimmten fünf Cover-Varianten. "Quintessence" liegt ab sofort in einer 800.000er Auflage den fünf Condé-Nast-Titeln als Beigabe sowie wahlweise als E-Paper bei. 

Was passiert hinter sonst verschlossenen Verlagstüren?

Wie im Verlag gearbeitet wird, thematisieren nicht nur die Behind-the-Scence-Strecken, sondern auch der Blick hinter Türen, die sonst wirklich oft verschlossen bleiben: Andrea Ketterer und als Gastautorin die Pressesprecherin Ines Thomas besuchten das berühmte Foto-Archiv am Hauptsitz in New York. Dort wacht Shawn Waldron über rund acht Millionen teilweise sehr kostbarer Aufnahmen - und zeigt, wie knifflig es ist, sie für die Nachwelt zu erhalten. 

Ruhepole im wilden Stil-Mix - die Anzeigen. Na bitte

Gleichzeitig ist natürlich der auf den ersten Blick latent befremdliche Stil-Mischmasch "postmodern". Es reihen sich die typografischen Markenzeichen der großen Stilbibeln übergangslos aneinander. Dazwischen finden sogar eine Graphic Novel Platz, viel opulente Fotografie und sehr lesenswerte Interviews - etwa mit Rammstein-Dichter Till Lindemann und Mode-Zar Karl Lagerfeld im Doppelpack, mit Lady Gaga und dem Literaturpreisträger Mario Vargas Llosa

Das Ergebnis wirkt zwangsläufig chaotisch bunt, aber doch nicht nur postmodern beliebig. Ruhepol zwischen den extrem abwechslungsreichen Mini-Strecken des verlagsinternen "Reader's Digest" sind dabei ironischerweise die Anzeigenseiten. Rund 50 davon finden sich im Blatt. Die beiden Publisher Susanne Förg-Randazzo und André Pollmann durften sich mitfreuen.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.