Burda-/Chip-Neuentwicklung "Nemo" im kress-Check: Ein "Yps" für nostalgische Technik-Nerds

 

Man muss kein Kanarienvogel sein, um heute noch die Einwahlgeräusche des ersten Modems nachträllern zu können. Wer sich innerlich noch nicht richtig vom C64, dem Walkman, dem Pelikan-Füller (oder der eigenen Vokuhila-"Frisur") getrennt hat, wird sich im Technikmagazin "Nemo" sicher festlesen. Die Burda-Tochter Chip Verlag setzt ab sofort vier Mal jährlich auf sentimentale Schrauber und Löter. 

Man muss kein Kanarienvogel sein, um heute noch die Einwahlgeräusche des ersten Modems nachträllern zu können. Wer sich innerlich noch nicht richtig vom C64, dem Walkman, dem Pelikan-Füller (oder der eigenen Vokuhila-"Frisur") getrennt hat, wird sich im Technikmagazin "Nemo" sicher festlesen. Die Burda-Tochter Chip Verlag setzt ab sofort vier Mal jährlich auf sentimentale Schrauber und Löter. 

Chefredakteur Josef Reitberger schwärmt im ersten "Nemo"-Editorial - künftig soll das Heft regelmäßig für 3,80 Euro an den Kiosk kommen - vom ganz speziellen Lebensgefühl, das er mit Erinnerungen an den familiären VW 1600 Variant, den ersten heimischen Farbfernseher, den Apple IIe in der Schule und natürlich den eigenen Commodore verbindet. "Nemo erzählt vom Übergang der analogen in die digitale Welt", schreibt er. Gleichzeitig möchte er aber auch den Blick auf Gegenwart und Zukunft schärfen und dazu anregen "Technik neu zu sehen". 

Zeitreise für Schmöker-Freunde und Technik-Messies

Tatsächlich weht ein eigenwillig ölig-vielversprechender Duft durch das Heft, den man nur aus Technikmuseen kennt, die in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hindämmern. Nichts sieht antiquierter aus als eigentlich doch gar nicht so historische Digitaluhren oder ein Tamagochi-Display. Muffig wie die alte Physiksammlung in der Schule wirkt die Ansammlung allerdings doch nicht. 

Tatsächlich liest man sich in den durchaus spritzig und erfrischend respektlos geschriebenen Texten über den ersten Sony Walkman oder Sepp Reitbergers Rallye-Report über Staubrennen im Audi Quattro schnell fest. Apple-Gestalter Hartmut Esslinger trägt auf einem Foto zwar eine üble Schal-Pullunder-Kombination in pink, verrät dann aber doch einiges über gutes Design. Und spätestens mit dem umfangreichen NSA-Dossier zur allgegenwärtigen Überachungswut und ihren Ursprüngen in der bundesdeutschen Rasterfahndung ist das Heft dann doch wieder in der Gegenwart angekommen.

War Nostalgie nicht früher noch viel schöner?

Wer schon beim "Yps"-Kauf ausrastete, weil es wieder eckige Eier und Urzeitkrebse geben wird, der verschlingt auch Hubert Zitts durchaus seriöse Analyse dessen, was sich an früheren "Star Trek"-Phantasiespielereien mittlerweile in der Gegenwart bewährt hat. Und anders als die erste neue "Yps"-Comeback-Ausgabe ist "Nemo" keine Mogelpackung, sondern wirklich ein Print-Tauchboot mit Tiefgang.

Ob man es wirklich braucht und mehr als einmal lesen möchte, ist dagegen eine Temperamentfrage. Auch die Retro-Welle dürfte mal so weit abflachen, dass es irgendwann mit Krokodilstränen heißt: Früher war Nostalgie doch noch etwas Besonders.

Ihre Kommentare
Kopf
Alice Scheerer

Alice Scheerer

Alice Scheerer Texterin und Content-Marketing-Dienstleister
Texterin und Content-Marketing-Dienstleister

21.11.2013
!

Es war nur eine Frage der Zeit bis sich die Retro-Welle von der Zeit vor der Industrialisierung zur Gründerzeit bzw. damit vergleichbaren Wirtschaftsentwicklungen bewegt.
Als Bloggerin über Historisches und seine Wiederverwendung hoffe ich natürlich, dass die Analysen in nemo nicht völlig ohne Wiederhall verpuffen. Wir können aus der Vergangenheit lernen, und wenn es nur das Vermeiden von Fehlern ist.


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