Leistungsschutzrecht der Verlage: Ippen tendiert zu VG Media, SV macht nicht mit

 

Die glühendsten Verfechter des Leistungsschutzrechts (LSR) der Presseverleger sitzen nicht nur in Berlin und München, sondern auch in Hannover, Essen, Münster und Leer: Neben Axel Springer und Hubert Burda Media wollen die Mediengruppe Madsack, die Funke Mediengruppe sowie die Unternehmensgruppe Aschendorff und die Zeitungsgruppe Ostfriesland das LSR in Zukunft über die VG Media wahrnehmen lassen und sich überdies an der Verwertungsgesellschaft beteiligen.

Die glühendsten Verfechter des neuen Leistungsschutzrechts (LSR) der Presseverleger sitzen nicht nur in Berlin und München, sondern auch in Hannover, Essen, Münster und Leer: Neben Axel Springer und Hubert Burda Media wollen die Mediengruppe Madsack, die Funke Mediengruppe sowie die Unternehmensgruppe Aschendorff und die Zeitungsgruppe Ostfriesland das LSR in Zukunft über die VG Media wahrnehmen lassen und sich überdies an der Verwertungsgesellschaft beteiligen.

Diese Gruppe plant, zusammen 50% der VG-Media-Anteile zu übernehmen (kress.de vom 13. November 2013). Insider rechnen damit, dass schließlich sechs bis zehn Verlage diesen Weg mitgehen werden. Ein weiterer Kandidat für die Teilnahme ist die Verlagsgruppe Ippen ("Münchner Merkur") aus München: Es gebe noch keine endgültige Entscheidung, die Tendenz gehe aber zur VG Media, so Verleger Dirk Ippen zu kress.

Einige namhafte Häuser wollen aber derzeit bei der Verwertungsgesellschaft nicht mitmachen (wenngleich sie sich zumeist ein Hintertürchen offen halten). Folgende Verlage haben auf kress-Anfrage den VG-Media-Fans - zumindest vorläufig - einen Korb gegeben: Gruner + Jahr, der Spiegel Verlag, der Süddeutsche Verlag (SV) und die Verlagsgruppe Handelsblatt. Stellvertretend für alle sei hier nur das Statement des SV zitiert: "Der Süddeutsche Verlag plant derzeit nicht, einen Anteil an der VG Media zu übernehmen bzw. seine Leistungsschutzrechte von ihr wahrnehmen zu lassen, sondern will sie weiterhin individuell wahrnehmen", sagt SV-Geschäftsführer Detlev Haaks zu kress. Es sei aber "nicht ausgeschlossen", dass der SV zu einem späteren Zeitpunkt die VG Media mit der Wahrnehmung beauftrage.

Zweifel an kaufmännischer Verwertung des LSR

Die Skepsis der Neinsager speist sich aus unterschiedlichen Quellen: Sie versprechen sich mehr davon, ihre Premium-Inhalte selbst zu verwerten, statt sie in den Topf der kollektiven Verwertung durch die VG Media zu packen. Und/oder sie halten den Weg der Konfrontation mit Google, den die Verwertungsgesellschaft über kurz oder lang gehen wird, für zu teuer und zu wenig aussichtsreich. Im LSR sehen sie aber dennoch ein nützliches Instrument, weil es ihre Rechtsposition gegenüber Aggregatoren stärkt: "Dieses Recht halten wir als Verbotsrecht für wertvoll", heißt es etwa im Statement des Spiegel Verlags. An eine "kaufmännische Verwertung" glaubt man dort hingegen nicht.

Neben Befürwortern und Gegnern einer kollektiven Verwertung über die VG Media gibt es eine ganze Reihe von Verlagshäusern, die noch prüfen, wie sie ihr Leistungsschutzrecht in Zukunft wahrnehmen wollen - ober aber sich öffentlich nicht äußern wollen. Dazu zählen die Bauer Media Group, der Verlag Condé Nast, der FAZ Verlag, die Heise Mediengruppe, IDG Communications Media, das Kölner Zeitungshaus M. DuMont Schauberg, die Mediengruppe Rheinische Post und der Zeit Verlag.

Langer Weg zu LSR-Abgaben

Sollten die Altgesellschafter der VG Media Springer, Burda & Co. erwartungsgemäß in ihren Kreis aufnehmen und die Verlage die Verwertungsgesellschaft mit der LSR-Wahrnehmung beauftragen, ist das Ziel noch nicht erreicht: Die Verwertungsgesellschaft wird dann ihre Gremien umbilden, Tarife festlegen (die vom Patent- und Markenamt genehmigt werden müssen) und einen Verteilungsplan aufstellen. Ist das geschehen, drohen langwierige juristische Auseinandersetzungen. Google, Adressat Nummer eins des Leistungsschutzrechts, wird sich wohl weigern, Abgaben für die Nutzung von Verlagsinhalten zu zahlen, wenn die VG Media eines Tages die Hand aufhält. Das US-Unternehmen argumentiert, die Darstellung von Verlagsinhalten bei Google Search und Google News sei LSR-kompatibel, denn "einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte" sind vom neuen Recht ausgenommen. Der Weg der LSR-Aktivisten unter den Verlagen ist kein leichter Weg.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.