Schleichwerbung und Eingriff in Privatsphäre: Presserat verteilt zwei Rügen an "Bild.de"

 

Der Deutsche Presserat hat in seiner jetzt abgelaufenen Sitzung zwei Rügen an "Bild.de" verteilt. Einmal ging es um einen Eingriff in die Privatsphäre einer Politikerin, die in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden war. Im anderen Fall gingen die Redakteure zu locker mit PR-Material um.

Der Deutsche Presserat hat in seiner jetzt abgelaufenen Sitzung zwei Rügen an "Bild.de" verteilt. Einmal ging es um einen Eingriff in die Privatsphäre einer Politikerin, die in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden war. Im anderen Fall gingen die Redakteure zu locker mit PR-Material um.

Im Artikel über die Politikerin hatte "Bild.de" den Namen der Betroffenen genannt und darüber hinaus die angeblichen Gründe der Einweisung beschrieben. Der Artikel verstoße daher gegen Ziffer 8, Richtlinie 8.6 des Pressekodex. Die besagt, dass bei "körperlichen und psychischen Erkrankungen" in der Regel nicht ohne Zustimmung des Betroffenen berichtet werden darf. 

Im zweiten Fall berichtete "Bild.de" in einem Artikel über die medikamentöse Therapie bei vorzeitigem Samenerguss. Dabei hatte die Redaktion laut dem Presserat "umfangreiches Material" der PR-Agentur eines Medikamentenherstellers wörtlich übernommen und nicht entsprechend gekennzeichnet. Außerdem seien Preis und Name des Medikaments genannt worden. Der Presserat sah darin ein Verstoß gegen das Schleichwerbungsverbot und die Sorgfaltspflichten im Umgang mit PR-Material.

"Den braunen und roten Abschaum"

Eine weitere Rüge verteilte der Presserat an die "Leipziger Volkszeitung", in der ein Journalist in einem Kommentar gegen "den braunen und roten Abschaum" gepoltert hatte. Gemeint waren Kundgebungen von NPD und Antifa. Der Begriff "Abschaum" verstößt laut Presserat gegen Ziffer 9 des Pressekodex, dem Schutz der Ehre. 

42 Beschwerden unbegründet

Weitere Rügen gingen an die "Junge Freiheit" (Verstoß gegen Diskriminierungsverbot), den "Dingolfinger Anzeiger" und die Modellbauzeitung "RC-Freizeit" (jeweils keine klare Trennung von Redaktion und Werbung). Neben den sechs Rügen verteilte der Presserat 18 Missbilligungen und 21 Hinweise. In 42 Fällen wurde die Beschwerde als unbegründet erachtet.

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