Magazin "Unique" im kress-Check: Keine Luxus-Neuerfindung, aber eine sehr schmucke

 

Einfach mal den drögen Alltag aus Mammut-Meetings über die Risiken von Pay-Schranken hinter sich lassen: Wer würde nicht gerne von einem 20-Gänge-Luxusmenü im Avantgarde-Restaurant von Paul Pairet in Shanghai kosten, den Sahara-Nachthimmel bestaunen und im Palazzo moderne Sofas arrangieren? Ohne Großverlag im Hintergrund träumt die Neuentwicklung "Unique" den Luxus-Traum mit.

Einfach mal den drögen Alltag aus Mammut-Meetings über die Risiken von Pay-Schranken hinter sich lassen: Wer würde nicht gerne von einem 20-Gänge-Luxusmenü im Avantgarde-Restaurant von Paul Pairet in Shanghai kosten, den Sahara-Nachthimmel bestaunen und im Palazzo moderne Sofas arrangieren? Ohne Großverlag im Hintergrund träumt die Neuentwicklung "Unique" den Luxus-Traum mit.

Von der Sonderkonjunktur für Hochwertiges, schier Unbezahlbares und die schönen Ablenkungen des Lebens in Flughafen-Lounges und Nobelboutiquen möchte auch Gerhard Langer, Chefredakteur von "Unique", ein wenig mitprofitieren. Er hat ein Heft mitentwickelt, das vieles ähnlich macht wie die großen, schweren Luxus-Bilderbücher für gelangweilte Erwachsene.

Nicht wirklich unique, aber angenehm originell

So gesehen ist der Magazin-Titel natürlich eine Behauptung, die etwas vermessen klingt, wenn man mal wieder die wunderschöne Weihnachtsgeschichte vom schottischen Whisky nacherzählt. Dennoch strahlt "Unique", das zumindest weit über die Hälfte der Geschichten zweisprachig auf Deutsch und Englisch erzählt, eine Lässigkeit aus, die vielen Titeln, die doch nur auf die Anzeigenmärkte schielen, etwas fehlt.

Was Langer und sein Team auf 114 Seiten zusammengetragen haben, sind teilweise tatsächlich Preziosen - darunter ein sehr schönes Portrait der sehr schönen deutschen Schauspielerin Marleen Lohse, das sich wirklich einmal Zeit und Platz lässt, die noch nicht wirklich A-Klasse-Bekannte vorzustellen. Auch die erwähnte Restaurant-Reportage über die Arbeit des Food-Magiers Pairet, der mit multisensorischen Erlebnissen und Räumen, die sich je nach Zwischengang effektvoll umgestalten, ist nicht nur optisch opulent, sondern tatsächlich ein Print-Genuss.

Ansprechende Optik ohne den beliebten Purismus-Trick

Ehrensache, dass so ein Magazin, das zudem auf teurem, schweren Hochglanz-Papier daherkommt und mit 5,90 Euro natürlich auch nicht billig sein kann, besonders aufwendig gestaltet ist. Doch auch hier hebt sich "Unique" mit großformatigen Bildstrecken in kräftigen Farben angenehm ab, weil das Design sich traut, einfach mal ruhig und eher unauffällig zu bleiben - anstatt zu tricksen. Auch demonstrativ ausgestellter Purismus kann heutzutage ja ein allzu kalkulierter Effekt sein. 

Unterm Strich verwirrt "Unique", das ausgerechnet in einem Kleinverlag, der vorher noch keiner war, erschien, auf ganzer Linie - das aber angenehm. Rolf Grabner und Bettina Melzer, die selbst Journalistenherzen in sich schlagen hören, aber eigentlich mit Nic eine Berliner PR-Agentur leiten, haben ein Magazin ermöglicht, das man eigentlich in der Sitztasche vorne in der Business Class vermutet hatte. Doch "Unique" fliegt ohne Fluglinie - und ohne Verlags-Controller.

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