Neue Programme für Pay-Sender History und Bio: Baby-Wrestler, Enten-Millionäre und Kroko-Würger

 

Andreas Weinek, Chef der Pay-Sender History und Bio aus dem Hause Universal Networks und A+E Networks, jagt nicht nur Zuschauer, sondern künftig auch wilde Hausschweine und aus dem Sumpf aufflatternde Enten. So soll ab 20. Januar die Südstaaten-Familienreihe "Duck Dynasty", die man sich als einer Art "Die Geissens mit Rauschbärten" vorstellen muss, an US-Quotenrekorde anknüpfen.

Andreas Weinek, Chef der Pay-Sender History und Bio aus dem Hause Universal Networks und A+E Networks, jagt nicht nur Zuschauer, sondern künftig auch wilde Hausschweine und aus dem Sumpf aufflatternde Enten. So soll ab 20. Januar die Südstaaten-Familienreihe "Duck Dynasty", die man sich als einer Art "Die Geissens mit Rauschbärten" vorstellen muss, an US-Quotenrekorde anknüpfen.

Die Auftaktfolge zur vierten Staffel der skurrilen Real-Life-Familiensaga der Redneck-Selfmade-Millionäre Robertson, ein verschrobener Clan, der sich auf die Herstellung von Enten-Tröten für die Jagd auf Federvieh spezialisiert hat, erreichte in den USA zuletzt 11,8 Mio Zuschauer. Damit stehen die "Duck Tales" derzeit für die erfolgreichste nicht-fiktionale Reihe im amerikanischen Kabelfernsehen.

History zählt seit August ganz offiziell Zuschauer

Von derlei Erfolgszahlen muss der unter anderem über Sky vertriebene Pay-Sender Bio hierzulande derzeit noch weiterträumen. Seit August werden beim Schwester-Kanal History GfK-Fernsehquoten gemessen. Highlights im Programm, etwa die US-Reihe "Storage Wars", sorgen dafür, dass wir in der Spitze 340.000 Zuschauer an einem Tag in Deutschland erreichen. An Sport1 hat History die "Storage Wars"-Wiederholungen bereits sublizensiert. Dort holen sich nachmittags in der Werbe-Zielgruppe bis zu 1,5% der Jüngeren ab.

Unterm Strich ist man mit dem abgelaufenen Fernsehjahr, das unter anderem im Zeichen von vielbeachteten Eigenproduktionen wie der von Produktionschef Emanuel Rotstein erstellten Dokumentation "Die Legion - Deutscher Krieg in Vietnam" stand, im Münchner Haus der Geschichte recht zufrieden. Die Tendenz geht in die richtige Richtung, und das im Vorjahr reformierte Programm-Muster, das History etwa eine stärkere Primetime-Ausrichtung und im Simulcast-Verfahren auch einen englischen neben dem deutschen Ton ermöglicht, wird von der Stammgemeinde gut angenommen, so Andreas Weinek in München.  

Eigenproduktion "Rost'n'Roll" bekommt eine zweite Staffel

Neue Zuschauerschichten, darunter viel jüngeres Publikum, lockt man mit Formaten an, die um kernige Charaktere kreisen - darunter auch die deutsche Eigenproduktion "Rost'n'Roll - Kasis Werkstattgeschichten", die ab 2. Mai 2014 in eine zweite Staffel gehen wird. Diesmal drehen sich die Ereignisse einer Berliner Autoschrauber-Werkstatt um einen französischen Sommertraum. Man möchte einen Oldtimer nach Cannes fahren, der schon mal im Film "Die Ferien des Monsieur Hulot" (1953) zu sehen war. "Die Staffel steht im Zeichen der Sehnsucht nach dem Meer", so Rotstein.

Geerdete bis ziemlich seltsame Typen stehen allerdings auch bei den Lizenz-Importen aus dem US-Mutterhaus im Vordergrund: Bio zeigt ab 20. Januar in neun halbstündigen Folgen die Real-Life-Reihe "American Hoggers - Die Campbells auf der Jagd", in der US-Hinterwäldler einer Schweineplage Herr werden wollen. Mit der Knarre im Anschlag, versteht sich. 

Wie sich der moderne US-Familienvater die Babyzeit vertreibt

In der ebenfalls erstausgestrahlten Bio-Reihe "Modern Dads - Väter im Einsatz" lernt man US-Väter kennen, die an ihren Aufgaben zwischen Windelwechseln und Kinder-Schaukeln wachsen - und sich ihre Zeit nebenbei mit groben Scherzen wie Baby-Wrestling-Wettkämpfen vertreiben. Die Ausstrahlung beginnt voraussichtlich Ende April. In der Reihe "Deadly Wives - Bis dass der Tod uns scheidet" kann das weibliche Publikum etwas lernen. Es geht um Frauen, die auf perfide Weise ihre Ehemänner aus dem Leben bugsiert haben. "Ein Programm, das sich um Schweine dreht", fasste Weinek die Bio-Neustarts zusammen.

In eine ähnliche Kerbe hauen die History-Neustarts "Shelby - Der Swamp Man" (ab April), in der ein Sumpfbewohner vorgestellt wird, der keine Angst vor Alligatoren hat, wohl aber vor Rolltreppen und anderen Annehmlichkeiten des zivilisierten Lebens. "American Daredevils - Hart am Limit" (ab 27. März) stellt einen Clan todesmutiger Stunt-Fahrer vor. 

Programmatischer Abschied von trockener Geschichtsschreibung

Doch es gibt tatsächlich noch Geschichtsträchtigeres, auch die Kooperationen mit dem ZDF gehen weiter. In der US-Erstausstrahlung "Big History - Das große Ganze" läuft ab 23. Februar das Wissenswerte vom Urknall bis zur Großstadt-Moderne noch einmal Revue. Und die Reihe "Alles Kopfsache" (ab 26. Januar) widmet sich den geheimnisvollen Prozessen im menschlichen Gehirn. 

"Wir habe uns verabschiedet vom reinen Abspielen klassischer Geschichtsdokus", bilanzierte Andreas Weinek schließlich. "Der Erzählwert hat sich hier erübrigt." Stattdessen möchte er die "Balance halten zwischen unterhaltenden Formaten vor allem für jüngere Menschen und Programmen für jene, die tiefer in Geschichtliches einsteigen wollen." 

Ob und in welcher Form es eine neue Emanuel-Rotstein-Vorzeigeproduktion im Stil von "Legion" oder "Der elfte Tag" auch 2014 geben wird, ist allerdings noch nicht spruchreif.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.