"View" feiert seine 100. Ausgabe: "stern"-Ableger profitiert vom "Yuno"-Aus

 

Das Baby von Hans-Peter Junker, 49, ist neun Jahre alt, 100 Ausgaben schwer und bildhübsch. Die Rede ist von der Foto-Illustrierten "View", die der Chefredakteur im Herbst 2005 zusammen mit dem damaligen "stern"-Art-Director Tom Jacobi aus der Taufe gehoben hat. Am 4. Januar erscheint die um einen 42 Seiten umfassenden Rückblicksteil erweiterte Jubiläumsausgabe.

Das Baby von Hans-Peter Junker, 49, ist neun Jahre alt, 100 Ausgaben schwer und bildhübsch. Die Foto-Illustrierte "View", einer der Ableger des "stern", feiert ihre Jubiläumsausgabe mit einem 42 Seiten umfassenden Rückblicksteil, der die besten Fotos der "View"-Geschichte ebenso zeigt wie die persönlichen Lieblingsbilder und Reportagen der Redaktion.

"Es ist eine riskante Entscheidung, die 100. Ausgabe zu feiern", sagt Chefredakteur Hans-Peter Junker, zugleich stellvertretender Chefredakteur des "stern", "weil sie in den für Zeitschriften schwierigen Monat Januar fällt." Doch Junker und seine Stellvertreterin, Art Directorin Kathrin Kosaca, 36, sind guten Mutes, dass sich die Jubiläumsausgabe so kurz nach der umsatzträchtigen Jahresrückblicksausgabe prächtig verkaufen wird. Immerhin sei das gesamte vergangene Jahr hervorragend gelaufen. Junker: "'View' wird 2013 mit dem besten wirtschaftlichen Ergebnis in seiner Geschichte abschließen."

Mit dazu beigetragen hat allerdings eine weniger glückliche Geschichte: die Einstellung des ebenfalls von Gruner + Jahr verlegten Jugendmagazins "Yuno". Als Alternative hat der Verlag den Abonnenten kurzerhand den Wechsel zu "View" angeboten. 3.000 der von der IVW für das dritte Quartal 2013 gezählten 26.807 "View"-Abonnenten stammen von "Yuno". Das half, die Zahl der "View"-Abos gegenüber III/2012 nahezu konstant zu halten. In den Vorjahren war sie noch im zweistelligen %-Bereich gewachsen.

Potenzial scheint erschöpft

Das Potenzial an Lesern, die sich für schöne Fotografien interessieren, scheint nach neun Jahren erschöpft zu sein. Im Einzelverkauf wurden zuletzt durchschnittlich 94.129 Hefte abgesetzt - rund 14% weniger als noch ein Jahr zuvor. Seit dem ersten Quartal 2013 hat die EV-Auflage die Marke von 100.000 Exemplaren nicht mehr überschritten. "Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen die Preiserhöhung um 20 Cent im Dezember 2012, zum anderen den rückläufigen Zeitschriftenmarkt insgesamt. Wir stellen uns aber der großen Herausforderung, diese gegenläufige Bewegung des Marktes auch künftig wieder zu überperformen", sagt Junker.

Während G+J seinen Foto-Titel bereits seit neun Jahren im Markt halten kann, ist es der Bauer Media Group nicht gelungen mit einem eigenen Fotomagazin zu reüssieren. Nach drei Testausgaben sind für 2014 keine weiteren "Picture"-Ausgaben geplant. Ein anderer Wettbewerber auf dem Feld der Hochglanzfotografie ist nicht in Sicht. Junker wundert das nicht: "'View' ist ein General-Interest-Magazin. Die derzeitige Bereitschaft der Verlage in diesem umkämpften Bereich neue Magazine zu gründen, ist verständlicherweise nicht hoch."

Deshalb könne sich Junker und Kosaca im kommenden Jahr ganz auf die Weiterentwicklung ihrer Marke konzentrieren. Dazu gehören außer dem Monatsmagazin eine eigene Fotocommunity und seit Oktober 2012 eine iPad-App. Letztere ist hauptsächlich Kathrin Kosacas Baby. Stolz berichtet sie: "Mittlerweile ist die 'View'-App 59.000 Mal heruntergeladen worden. Die Heft-Abonnenten können das eMag kostenlos nutzen. 11 % von ihnen haben sich registriert und laden das Heft regelmäßig herunter." Und ergänzt: "Das 'View'-eMag ist eines der wenigen in Deutschland, das bei Berücksichtigung aller Kosten schwarze Zahlen schreibt, sogar mit einer ordentlichen Umsatzrendite."

2014 wird an der Community geschraubt

Im Gegensatz dazu kommt die "View"-Fotocommunity nicht ganz so gut an. Wie viele aktive Nutzer das Portal aufsuchen, um eigene Bilder hochzuladen und andere zu bewerten, verrät Junker nicht. Der Verlag beziffert auf seiner Unternehmenswebsite die Reichweite der Fotocommunity mit, 0,27 Mio Usern pro Monat. Leicht wird es das Netzwerk, das es seit 2006 gibt, angesichts von Instagram, Pinterest und Facebook jedenfalls nicht haben. Deshalb wollen Junker und Kosaca besonders hier 2014 Hand anlegen. Was die beiden konkret planen, bleibt vorerst ihr Geheimnis. Doch sicherlich wird es wie im übrigen "View"-Kosmos darum gehen, Geschichten über Bilder zu erzählen.

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