"Ein Wunder wird nicht passieren": Ex-"Bild"-Mann Onken ermutigt Journalisten zum Ausstieg

31.12.2013
 

Matthias Onken, 41, ehemals Redaktionschef von "Hamburger Morgenpost" und "Bild Hamburg", wünscht Journalisten mehr Mut zum Neustart. In einem Beitrag für das "medium magazin" (Nr.1/2014) schreibt Onken, der Sprung vom leckgeschlagenen Schiff des Journalismus sei nicht in erster Linie mutig, sondern naheliegend.

Matthias Onken, 41, ehemals Redaktionschef von "Hamburger Morgenpost" und "Bild Hamburg", wünscht Journalisten mehr Mut zum Neustart. In einem Beitrag für das "medium magazin" (Nr.1/2014) schreibt Onken, der Sprung vom leckgeschlagenen Schiff des Journalismus sei nicht in erster Linie mutig, sondern naheliegend. "Im Wasser ums Schiff schwimmt soviel herum, das sich eignet, einen vor dem Ersaufen zu bewahren. Man muss es nur als solches erkennen und zugreifen."

Vor allem Print-Journalisten empfiehlt Onken, in der gegenwärtigen Medienkrise selbst den Plan B zu verwirklichen, bevor die Kündigung kommt. Je nach Perspektive müsse jeder selbst entscheiden, ob seine Stelle Zukunft habe. "Als Zeitungsredakteur wäre es aber falsch, abzuwarten, ob ein Wunder geschieht. Das wird nicht passieren", schreibt Onken im "medium magazin".

"Mit Ängstlichkeit erreichen Verleger gar nichts"

Für die anhaltende Misere macht er vor allem die Verleger verantwortlich, die sich nicht radikal genug an eine ganz neue Form der anti-klassischen Zeitung herantrauten. "Wer die unternehmerische Courage besitzt, sich auf eine solche Mission einzulassen, hebe die Hand. Die Hände der Verleger bleiben unter Garantie unten." Und weiter schreibt der Hamburger: "Was probiert wird, ist oft zaghaft, vorsichtig, verbunden mit der Sorge, noch mehr Leser zu verprellen. Wer Auflage stabilisieren, perspektivisch sogar wieder gewinnen will, wird mit Ängstlichkeit gar nichts erreichen."

2011 hatte Onken seinen Job als Redaktionsleiter von "Bild Hamburg" gekündigt (kress.de vom  3. Mai 2011). Heute ist er als selbstständiger Strategie- und Medienberater tätig. Sein Debüt als Autor gab er mit dem in der Branche viel beachteten Buch "Bis nichts mehr ging: Protokoll eines Ausstiegs" (kress-Check).

Seine Entscheidung zur kompletten Umkehr bereut er auch jetzt nicht: "Es war eine Kündigung aus der inneren Überzeugung, nach rasant gewonnener Flughöhe die Reißleine ziehen zu müssen. Mit damals Ende 30 wollte ich was anderes tun, als für den Job weiterhin alles Private hinten anzustellen und gar aufzugeben."

Ihre Kommentare
Kopf

Roland Becker

31.12.2013
!

Darf man fragen, welche Rolle Journalisten, Redaktionen und Verlage im sogenannten Land der Ideen, der Dichter und der Denker spielen oder gespielt haben ?


X

Kommentar als bedenklich melden

 
×

Bestätigung

Dieser Kommentar wurde erfolgreich gepetzt.

×

Oooooooooops

Beim Petzen trat ein Fehler auf. Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Inhalt konnte nicht geladen werden.