Nach Pofalla-Streich: "Postillon"-Macher Sichermann rüffelt die Medien

05.01.2014
 

Nach seiner vermeintlichen Pofalla-Satire hat "Der Postillon"-Betreiber Stefan Sichermann, 33, im "Spiegel" die Medien kritisiert: "Ich finde es bezeichnend, wenn die sogenannten seriösen Medien für weniger glaubwürdig gehalten werden als der 'Postillon'. Vielleicht ist der 'Postillon' im Lügen einfach besser als diese im Verbreiten von Wahrheiten."

Nach seiner vermeintlichen Pofalla-Satire hat "Der Postillon"-Betreiber Stefan Sichermann, 33, die Medien kritisiert: "Ich finde es bezeichnend, wenn die sogenannten seriösen Medien für weniger glaubwürdig gehalten werden als der 'Postillon'. Vielleicht ist der 'Postillon' im Lügen einfach besser als diese im Verbreiten von Wahrheiten. Viele Zeitungen und Online-Seiten schrieben ungeprüft voneinander ab, so Sichermann im Interview mit dem "Spiegel. Nachrichtenagenturen machten es nicht besser.

Auch die Berichterstattung vom Unfall von Michael Schumacher trage nicht zum guten Ruf der Medien bei: Sichermann wundert sich über den unglaublichen Auflauf von Journalisten vor dem Krankenhaus und besonders über einen, der sich angeblich als Priester verkleidet haben soll, um so in die Kilinik zu gelangen.

Idee von Sascha Lobo

Sichermann spricht im "Spiegel" zudem über die Hintergründe zu seinem Pofalla-Streich: Als die Personalie bekannt wurde, habe er nur etwas Gehässiges über Pofalla schreiben wollen." Aber binnen "Sekunden" seien auf Twitter bereits alle Pofalla-Scherze verbraten worden. Die Idee, die Pofalla-Meldung dann auf die "Postillon"-Seite zu stellen, habe nicht von ihm selbst gestammt, sondern von Sascha Lobo, der auch für "Spiegel Online" bloggt. "Lobo hatte mir so etwas vor einigen Monaten vorgeschlagen, als der frühere Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, dem ja auch nicht unbedingt ein Ruf als exzellenter Verwalter vorauseilt, zum Chef des Berliner Flughafens bestellt wurde. Auch so eine Meldung mit 'Postillon'-Qualität", verrät Sichermann. Weil er aber schon einen anderen Mehdorn-Gag auf der Seite hatte, habe er damals darauf verzichtet. "Das Stilmittel habe ich mir bewusst aufgespart."

Die Pofalla-Meldung - wie alle anderen Online-Medien - am 2. Januar zu verbreiten, sie aber auf den 1. Januar vorzudatieren, sei dann der Einfall eines Facebook-Nutzers gewesen, erzählt Sichermann. 

"Kein satirischer Coup"

Als seinen bislang größten satirischen Coup will Sichermann das Pofalla-Stück nicht verstanden wissen: "Es gibt andere Themen, an denen ich mich mit mehr Leidenschaft abarbeite als an Herrn Pofalla. Zum Beispiel die Spitzeleien der NSA. Als bekannt wurde, dass auch das Handy der Kanzlerin abgehört worden war, dichtete ich: 'Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte heute bei einer Pressekonferenz, die Kanzlerin sei empört und zutiefst verletzt, dass sie von den USA so behandelt werde, als sei sie ein gewöhnlicher, unbescholtener Bürger." "Nein, ein Coup wäre diese ganze Geschichte nur", so Sichermann weiter, "wenn Pofalla den Job nun doch nicht antreten würde, weil es der Kanzlerin zu peinlich wäre".

Klicks habe der "Postillon" durch die Aktion "gar nicht so sehr" dazugewonnen. "Diese Pofalla-Nummer ist ja im Wesentlichen ein Medienphänomen. Am Donnerstag, als der Hype losging, waren es 214.000 Besucher. Das ist zwar ganz ordentlich, aber der Durchschnittswert liegt bei 80.000", stapelt Sichermann tief. Mit einer Satire auf den Orkan "Xaver" hingegen sei die Seite im Dezember auf eine halbe Million gekommen.

Sichermann ist gelernter Werbetexter aus Fürth. Seit 2008 betreibt er den "Postillon". Im vergangenen Jahr räumte er bei den Grimme-Online-Awards zwei Preise ab.

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