Postillon-Pofalla-Debatte: Thomas Knüwer kritisiert "journalistische Feigheit"

08.01.2014
 

Digital Consultant Thomas Knüwer hat sich in die Journalismus-Debatte um die vermeintliche Pofalla-Satire des "Postillon" eingeschaltet. In einem Artikel auf seinem Blog "Indiskretion Ehrensache" antwortet Knüwer dem auch bei kress zitierten Beitrag von Michael Klein und kritisiert die "mangelnde Quelleneinordnung" im Fall Pofalla/Bahn.

Digital Consultant Thomas Knüwer hat sich in die Journalismus-Debatte um die vermeintliche Pofalla-Satire des "Postillon" eingeschaltet. In einem Artikel auf seinem Blog "Indiskretion Ehrensache" antwortet Knüwer dem auch auf kress zitierten Beitrag von Michael Klein, Nachrichtenchef der Zeitungsgruppe Lahn-Dill/Wetzlauer Neue Zeitung. "Viele Journalisten entwickeln unerfreuliche Reflexe: Wann immer auch nur der Hauch von Kritik an journalistischer Arbeit - sei sie auch noch so hinterfragenswert - auftaucht, handelt es sich aus ihrer Sicht um eine hinterhältige Attacke einer hirnlosen und nicht weiter zu definierenden Netzgemeinde", schreibt Knüwer. Quellen, Belege oder genaue Verweise müssten dabei nicht genannt werden, "alles ein Haufen, alle in den Sack und den Knüppel raus".

Knüwers Artikel "Die Frage der Quelle" dreht sich auch um die Frage, welche Quellen Journalisten nennen sollten, könnten, müssten. Er kritisiert die "mangelnden Quelleneinordnung" im Fall Pofalla/Deutsche Bahn bei der "Saarbrücker Zeitung". "Gut informierte Kreise" hätten das Blatt informiert. Das sage exakt überhaupt nichts. "Oder haben Sie schon mal eine Nachricht basierend auf 'schlecht informierten Kreisen' gelesen?" fragt Knüwer und empfiehlt die Formulierung zu streichen: "Sie stiehlt Platz, Zeit, Aufmerksamkeit. Vor allem aber: Die Formulierung 'gut informierte Kreise' ist journalistische Faulheit - oder wahlweise Feigheit."

"Lieber schön schwammig und risikobefreit"

Nicht alle, aber eben doch ein substanziell großer Wust der Redakteure bleibt laut Knüwer "aber lieber schön schwammig und risikobefreit". Durch die Nennung ominöser Kreise und Quadrate wollten Journalisten einerseits ihren eigenen Beruf mystifizieren und sich andererseits für Kritik unangreifbarer machen. Sie hofften, die alte Idee des Gott gegebenen Journalismus erhalten zu können, der vom Himmel regnet, um die Menschheit zu erleuchten , so Knüwer. Doch dieses In-die-Welt-Senden sei in einer immer komplexeren Welt nicht mehr zeitgemäß. Journalismus müsse zu einem offenen Prozess werden - stattdessen wolle er sich von Außeneinflüssen abschotten und immer weniger Rechenschaft ablegen. "Wundert es da noch jemand, wenn Satireseiten mehr Glaubwürdigkeit besitzen?", fragt der Kommunikationsberater.

Ihre Kommentare
Kopf

M. Ciupek

08.01.2014
!

Nicht nur der Journalismus sollte sich hinterfragen, sondern auch die Internet-Community. Bei der Geschwindigkeit und Quotenkontrolle des Internets kann klassischer Journalismus nicht mithalten.
Das Problem ist nur, dass sich die klassischen Medien vom Medium Internet mitreißen lassen, anstatt sich abzugrenzen und das eigene Profil zu schärfen.

Sehr präzise und kritisch hat das 1985 Neil Postman in seinem Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" beschrieben. Das ist schade für Leser von Printmedien.


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