Limbourgs Groß-Umbau bei der Deutschen Welle: "Wir betreiben keinen Kahlschlag"

20.01.2014
 

Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle, hat am Montag eine grundlegende Neuausrichtung beim Programm angekündigt. Vorgesehen sei die "Konzentration auf Englisch und auf erfolgreiche Regionalsprachen". Englisch soll zum journalistischen "Flaggschiff" ausgebaut werden.

Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle, hat am Montag eine grundlegende Neuausrichtung beim Programm angekündigt. Vorgesehen sei die "Konzentration auf Englisch und auf erfolgreiche Regionalsprachen". Englisch soll zum journalistischen "Flaggschiff" und somit zu einem international wettbewerbsfähigen Angebot ausgebaut werden. Die Zahl der eigenproduzierten Sendungen wird reduziert. Hier will Limbourg die Kooperation mit ARD-Landesrundfunkanstalten, ZDF und Deutschlandradio intensivieren, um mit dem deutschsprachigen Angebot eine "Grundversorgung" zu liefern - für alle, die im Ausland leben und die deutsche Sprache sprechen.

"Deutsch bleibt eine wichtige Sprache"

"Um unsere Ziele für die kommenden vier Jahre zu erreichen, müssen wir jetzt die programmlichen Voraussetzungen schaffen", so Limbourg vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Berlin und Bonn. Er stellte klar: "Deutsch bleibt eine wichtige Sprache für die DW." Zuvor hatte die "Berliner Zeitung" von einem "Kahlschlag bei der Deutschen Welle" berichtet, weil fast alle deutschsprachigen Magazine gestrichen werden würden. "Wir betreiben keinen Kahlschlag, sondern haben ein verantwortungsvolles, intelligentes Konzept entwickelt, das uns ermöglicht, unsere Ziele zu verwirklichen und die hervorragende Regional- und Sprachkompetenz der DW zu erhalten", entgegnete Limbourg.

Mehrere TV-Magazine werden eingestellt

Alle für den linearen Kanal eigenproduzierten TV-Sendungen habe die Geschäftsleitung der DW auf den Prüfstand gestellt. "Hauptkriterien waren, wie die Magazine zur Profilbildung der DW beitragen und welches Reichweiten-Potenzial sie besitzen." Im Ergebnis sei entschieden worden, künftig auf die Sendungen "PopXport", "Agenda", "World Stories", "Germany Today",  "Inside Germany", "People & Politics", "Kino", "Talking Germany" zu verzichten. Dies gelte jeweils für die Ausgaben dieser Sendungen in allen vier Sprachen des linearen Fernsehens der DW: also Englisch, Deutsch, Spanisch und Arabisch. Die dort behandelten Themen sollen zum Teil in anderen Programmflächen behandelt werden. Grundlegend überarbeitet beziehungsweise neu gestaltet werden das Wirtschaftsmagazin "Made in Germany" und das Talk-Format "Quadriga". Geplant ist, interaktive Formate und eine "profilbildende Talkshow" einzuführen.

Die Planungen sehen vor, dass die DW künftig weltweit mit einem starken englischen Angebot präsent ist. Regional konzentriert sie sich auf Asien mit Afghanistan, China und Iran als Schwerpunkte, Afrika, die arabische Welt, Russland, Lateinamerika, die Türkei sowie europäische Krisenländer. Auf der Grundlage dieser Entscheidungen werde das lineare Fernseh- und Online-Angebot auf Englisch deutlich ausgebaut. Im Fernsehen sollen die Informationsflächen erheblich erweitert und die Nachrichtenfrequenz erhöht werden.

Dialogisches Kommentar-/Blog-Format in Regionalsprachen

Im Online-Bereich will die DW eine deutschsprachige Community auf "www.dw.de " aufbauen und die Deutschkurse ausbauen. In mehreren Regionalsprachen stellt man das Online-Angebot auf ein personalisiertes, dialogisches Kommentar- beziehungsweise Blog-Format um, das für die mobile Nutzung optimiert wird.

"In vielen Ländern sind vielfältige Informationen über Deutschland verfügbar, allerdings fehlt es an Einordnung und Kommentierung. Das ist es, was die Menschen dort vom Auslandssender Deutschlands erwarten", so Limbourg. Über pointierte Kommentare zu relevanten globalen, regionalen oder bilateralen Ereignissen und Entwicklungen will er künftig den DW-Zielgruppen deutsche Positionen vermitteln und in einen Dialog treten.

Neue Europa-Redaktion

Eine neue Europa-Redaktion soll zum einen regionalisierte Inhalte für die Euro-Krisenländer erarbeiten, zum anderen am Standort Bonn ein "bildstarkes, emotional ansprechendes politisches TV-Europa-Magazin" produzieren.

"So viele Beschäftigte wie möglich halten"

Die Umsetzung der Neuausrichtung kann beginnen, wenn der Rundfunkrat die Aufgabenplanung formal verabschiedet hat. In den kommenden Wochen will die DW im Einzelnen die finanziellen und personellen Konsequenzen der geplanten Maßnahmen klären. In welcher Größenordnung möglicherweise ein Abbau von Personal zu erwarten sei, könne derzeit nicht gesagt werden, da noch unklar ist, wie hoch der Bundeszuschuss an die DW ausfallen werde. Die Geschäftsleitung werde alles unternehmen, so viele Beschäftigte wie möglich zu halten.

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