ZDF-Sendung-"logo!" macht im Web Alarm: Mehr Kinder-Redezeit im Netz

21.01.2014
 
 

Nach 25 Jahren erfolgreicher TV-Präsenz zieht es die Kindernachrichtensendung "logo!" künftig intensiver ins Web. Mit einem neuen "Redezeit"-Blog will die Online-Redaktion junge User bei ihren Protestaktionen unterstützen.

Nach 25 Jahren erfolgreicher TV-Präsenz zieht es die Kindernachrichtensendung "logo!" künftig intensiver ins Web. Mit einem neuen "Redezeit"-Blog will die Online-Redaktion junge User bei ihren Protestaktionen unterstützen. Ein wichtiger Schritt - auch für das jugendliche Antlitz des "ZDF".

Dass das "ZDF" gemeinhin als altbacken verschrien ist, dürfte aufgrund von "Rosamunde Pilcher"- und "Der Bergdoktor"-Folgen zur Prime Time jeder nachvollziehen können. Zugleich ist das Herumgekrittel an den Mainzern aber auch unfair. Immerhin bemüht sich die Sendeanstalt sowohl mit ZDFneo als auch einer 50-prozentigen Beteiligung beim KiKa sehr aktiv um junge Zuschauer. Und wenn es darum geht, die allerjüngsten TV-Nutzer über das aktuelle Weltgeschehen zu informieren, kann dem öffentlich-rechtlichen Sender niemand das Wasser reichen: Mit "logo!" hat das ZDF eine vielfach ausgezeichnete Wissenssendung hervorgebracht, die in Deutschland einzigartig ist. Am 9. Januar hat die Nachrichtensendung ihren 25. Geburtstag gefeiert - ein für TV-Formate nahezu Biblisches Alter und gleichzeitig ein prächtiges Aushängeschild für intelligentes Jugendfernsehen. Damit schmückt sich das ZDF gern: In einem Geburtstagsvideo sprechen zig TV-Promis ihre Lobhudeleien aus. Auch in "heute" wies man freudig auf den Erfolg der kleinen Nachrichtenschwester hin.

Dabei hatte man 1988 intern noch starke Vorbehalte gegenüber dem Format geäußert. "Es stand die kritische Frage im Raum, ob Kinder sich überhaupt für Nachrichten interessieren", erzählt Eva Radlicki. Die 50-Jährige war bereits zum "logo!"-Start beim "ZDF" angestellt, heute betreut sie als Redaktionsleiterin der Infoprogramme die Hauptredaktion Kinder und Jugend. "Inzwischen stellt diese Frage niemand mehr." Früher wochentags, heute täglich seziert die "logo!"-Redaktion all die Ereignisse, die auch im Erwachsenen-TV stattfinden. Ohne Scheu vor der Komplexität vieler Themen: Egal ob 11. September, Flutkatastrophen oder Amokläufe an Schulen - die "Redakteure beweisen regelmäßig ein Gespür dafür, Kindern ohne Panikmache selbst von schweren Unglücken zu erzählen. Und nicht nur denen, stellt Radlicki fest: "Es gelingt uns so gut, komplexe Sachverhalte wie die Bankenkrise verständlich zu machen, dass auch häufig die Eltern mitgucken."

Online-Aktivität wird ausgebaut

Das erklärte "logo!"-Ziel bleibt es jedoch auch für die kommenden Jahre, Kinder zwischen 8 und 14 ganz grundsätzlich für die Welt zu interessieren. Und sie mit verständlichen Nachrichten am gesellschaftlichen Diskurs teilhaben zu lassen. Eine immer wichtigere Rolle wird bei diesem Vorhaben auch dem Internet und der Online-Redaktion zukommen. Zwar sind die Kinderseiten im Zuge des "ZDF.de"-Relaunches nicht mitbedacht worden und wirken antiquiert. Die Ideenküche des "logo.de"-Teams brodelt trotzdem.

Im März soll das erste große "logo!"-Projekt nach dem Geburtstag starten: Das "Redezeit"-Blog wird die gleichnamige, aus der Sendung bekannte Beitragsreihe im Netz fortführen. Wenn Kinder und Jugendliche gegen den Abriss einer Skatehalle in Stuttgart protestieren oder sich dagegen auflehnen, dass ein Zebrastreifen entfernt wird, soll das auch online in Bild, Ton und Wort publik gemacht werden. Sogar ausführlicher als es in der Sendung bisher der Fall ist. "Wir wollen Kindern und Jugendliche zeigen, was andere auf die Beine stellen und sie in ihren eigenen Ideen bestärken und unterstützen", erklärt Eva Radlicki die Überführung der "Redezeit" ins Netz. Letztendlich gehe es darum, aus jungen Usern mündige Bürger zu machen. Demokratie zu fördern. Gleichzeitig ist das Blog aber auch eine weitere wichtige Gelegenheit für das "ZDF", mit der starken Marke "logo!" die Zuschauer von morgen für sich zu gewinnen.

Nachrichten? Meistgeklickt!

Um die Betreuung des "Redezeit"-Blogs wird sich die aktuelle "logo.de"-Redaktion zusätzlich kümmern. Derzeit ist das Team mit sieben freien MitarbeiterInnen besetzt. "Der jüngste ist 26 Jahre alt, die älteste 46", erklärt die Mitarbeiterin Anna Ulutas. Täglich würden jeweils zwei MitarbeiterInnen zwischen 30 und 50 E-Mails und circa drei Mal so viele Nachrichten im Gästebuch und in den Foren erreichen. Um das neue "Redezeit"-Blog für die jungen Nutzer sicher zu machen, lasse die Redaktion derzeit von Datenschützern sämtliche Funktionen prüfen. Aus gutem Grund: "Es ist schon ab und an vorgekommen, dass Erwachsene im Gästebuch versuchen, politische Statements zu platzieren", berichtet Ulutas. Allerdings geschehe das vereinzelt. "Wir prüfen jeden einzelnen Eintrag, bevor er freigegeben wird. Auf diese Weise können wir verhindern, dass Erwachsene unsere Seite als Plattform zur politischen Meinungsäußerung missbrauchen."

Dass das Blog angenommen wird und nicht gegenüber den zahlreichen Quizes untergeht, die es ebenfalls auf "logo.de" gibt - davon ist die Redaktion überzeugt. Immerhin seien bisher auch immer die großen Nachrichtenthemen am besten auf der Seite gelaufen. "Beispielsweise war im Dezember der Artikel über den Tod von Nelson Mandela der Artikel mit den meisten Page Impressions", sagt Ulutas. "Der in den vergangenen drei Jahren mit Abstand stärkster Monat für ,logo.de' war März 2011. Der Grund: die Atomkatastrophe in Fukushima." Auch der Wahlmonat September 2013 sei klicktechnisch stark gewesen. "Von daher kann man schon sagen, dass die User vor allem nach Informationen suchen, wenn sie ,logo.de' ansurfen."

AutorMark Heywinkel

 

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