Verleger Dirk Ippen über die Erfolgsaussichten von Print: "Jede Zeitung braucht eine Seele"

 

Mit seinem Verbund rund um Blätter wie "Münchner Merkur" und "HNA" hält Dirk Ippen Deutschlands fünftgrößtes Zeitungshaus. Von seinem Erfolgsrezept, die Redaktionen aufzuwerten und das Regionale ernst zu nehmen, kann man noch immer lernen. "Facebook ist nur ein Sozialsystem", sagte er bei einem Gespräch in München. "Idealerweise bildet eine Lokalzeitung genau so ein Sozialsystem ab." 

Mit seinem Verbund rund um Blätter wie "Münchner Merkur" und "HNA" hält Dirk Ippen Deutschlands fünftgrößtes Zeitungshaus. Von seinem Erfolgsrezept, die Redaktionen aufzuwerten und das Regionale ernst zu nehmen, kann man noch immer lernen. "Facebook ist nur ein Sozialsystem", sagte er bei einem Gespräch in München. "Idealerweise bildet eine Lokalzeitung genau so ein Sozialsystem ab." 

Auf Einladung von Martin Kunz, Direktor der Akademie der Bayerischen Presse, sprach der 73-jährige Verleger im Münchner Presseclub und nutzte die Chance, unter zunehmend besorgten Print-Kollegen mal wieder als Mutmacher aufzutreten. "Die Klage ist der Gruß des Kaufmanns", scherzte Ippen. "Zu vieles Klagen demotiviert auch die Mitarbeiter." Natürlich seien die Umwälzungen des digitalen Wandels und der weggebrochenen Anzeigenmärkte bedrohlich, dennoch lassen sich weiterhin mit klugem Wirtschaften gute Zeitungsgeschäfte machen.   

"Ich erwarte nicht viel von Paid Content"

"Wir müssen zwei Dinge tun", sagte Ippen über Zukunftsstrategien, "den ganzen konventionellen Betrieb erhalten und gleichzeitig heftig in digitale Plattformen investieren." Angesprochen auf die Frage, wann die "Merkur"-Ausgaben online hinter einer Paywall verschwinden könnten, hielt er sich bedeckt und sprach eher von den Vorzügen eines möglichen Freemium-Modells. "Ich erwarte nicht viel von Paid Content", so Ippen, "aber er wird sicher kommen."

Mit Blick auf die eigene Firmenentwicklung und den Aufstieg vom Eigner - und sogar zeitweiligen Chefredakteur - des Provinzblatts "Westfälischer Anzeiger" in Hamm zum Großverleger gilt für Ippen noch immer die zentrale Strategie: "Es gibt nur drei Dinge, die wichtig sind für eine Zeitung - die Redaktion, der Vertrieb und die Anzeigenabteilung", sagte er. "Alles andere muss man klein halten."

"Eine Zeitung muss für etwas stehen"

Auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten warnt er davor, durch falsche Ziele beliebig zu werden. "Jede Zeitung braucht eine Seele", so Dirk Ippen. "Sie muss für etwas stehen. Die Leser müssen das Gefühl haben: Das ist meine Zeitung." Deswegen seien auch zentralisierte Redaktionen ein Irrweg. "Das Prinzip einer Lokalzeiung ist, dass alles vor Ort aus einer Hand gemacht wird."

Mit der Rückbesinnung auf "Haltung" sehe er durchaus Hoffnung, dass Titel wie das zuletzt unter starken Auflagenverlusten leidende "Hamburger Abendblatt" unter der Funke-Führung erneut auf Kurs gebracht werden könnten. "Mit so einer Marke kann man das wieder hinbekommen", so Ippen. Er erinnert die neuen Eigner an den alten Gorch-Fock-Leitspruch: "Mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen." Den müsse man wieder mit Leben füllen. 

Auf Nachfrage sagte er, dass ihm das Blatt von Springer natürlich nicht zum Verkauf angeboten worden war, weil der Funke-Deal umfassend und sehr komplex angelegt war. Es klang fast ein wenig, als ob er das bedauerte. 

Ihre Kommentare
Kopf
Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

24.01.2014
!

wahre Worte von dem letzten großen Verlegerherrn der deutschen Zeitungslandschaft......


Ralf Nehmzow

Ralf Nehmzow

Asklepios Harzkliniken GmbH
Leiter Kommunikation &Marketing, Head of PR,Asklepios Harzkliniken GmbH, Region Harz

24.01.2014
!

Die Auflagenentwicklung des Hamburger Abendblatts ist übrigens genauso wie bei der HNA…. Und dass in Hamburg das Regionale vielleicht noch ernster genommen wird als anderswo, kann man unter anderem daran erkennen, dass das Abendblatt jüngst zu Deutschlands bester Lokalzeitung gewählt wurde. Ippen-Titel waren nicht dabei :-)


Harold Grönke

24.01.2014
!

@ Ralf Nehmzow: "Die Auflagenentwicklung des Hamburger Abendblatts ist übrigens genauso wie bei der HNA…."

Das simmt nicht, den Negativ-Trend des Hamburger Abbendblattes seit z. B. 4/2010 ist doppelt so hoch wie bei der HNA.

Und wer gewählt werden will, muss sich vorher bewerben ;-)


Andreas Tsilis

26.01.2014
!

Goldene Worte, hört man heutzutage ja eher selten.


Andreas Tsilis

26.01.2014
!

Herr Grönke: Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Manche Kommentatoren ziehen schon komische Zirkelschlüsse.


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