Alfred Neven DuMont im "Spiegel": "Döpfner betreibt Verrat an der Sache"

26.01.2014
 

Der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont, 86, kann nicht so recht nachvollziehen, dass Axel-Springer-Boss Mathias Döpfner Zeitungen und Zeitschriften an die Funke Mediengruppe veräußert hat. "Was Döpf­ner macht, ist mir un­ver­ständ­lich. Zum einen weil man so mit ei­nem Erbe nicht um­geht. Zum an­de­ren weil ich an die Zei­tung glau­be", wird Neven DuMont im "Spiegel" zitiert.

Der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont, 86, kann nicht so recht nachvollziehen, dass Axel-Springer-Boss Mathias Döpfner Zeitungen und Zeitschriften an die Funke Mediengruppe veräußert hat. "Was Döpf­ner macht, ist mir un­ver­ständ­lich. Zum einen weil man so mit ei­nem Erbe nicht um­geht. Zum an­de­ren weil ich an die Zei­tung glau­be", wird Neven DuMont im "Spiegel" zitiert. Döpf­ner be­treibe Verrat an der Sache.

Der "Spiegel"-Autor Matthias Geyer hat in der aktuellen Ausgabe ein Portrait über Döpfner gemacht. Es trägt den Titel: "Der Kassierer". Döpfner kommt darin in der Rolle des Verlegers nicht wirklich gut weg. Geyer volontierte beim Kölner "Express" (M. DuMont Schauberg), 2008 gewann er mit drei anderen "Spiegel"-Autoren den Henri-Nannen-Preis für die beste investigative Leistung. Vor einem Jahr erschien im "Spiegel" ein Geyer-Porträt über "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann ("Der Lehrling"). 

"Eine geistige, publizistische Tat?"

Ne­ven Du­Mont habe ein po­li­ti­sches In­ter­es­se an Zei­tun­gen, nicht nur ein öko­no­mi­sches, urteilt Geyer. Für Döpfner seien Regionalzeitungen Wachstumsbremsen. Döpfner habe ein ökonomisches Interesse an Zeitungen, kein politisches. "Ich bin der Spi­ri­tus Rec­tor der Re­dakteure", wirft Al­fred Ne­ven Du­Mont im "Spiegel"-Stück ein. "Man muss doch Lei­den­schaf­ten ha­ben. Das Schlimms­te für mich wäre, Ban­kier zu sein und nur noch an das Geld den­ken zu müs­sen." Geyer fragt Neven DuMont, ob man Ma­thi­as Döpf­ner als Ver­le­ger be­zeich­nen könne? Ne­ven Du­Mont antwortet: "Die­se Fra­ge hat er sel­ber be­ant­wor­tet. Hat er ir­gen­det­was da­von be­wie­sen? Eine geis­ti­ge, pu­bli­zis­ti­sche Tat?"  

"Döpfner könnte auch BASF-Vorstandvorsitzender sein"

Geyer kommt zu dem Schluss, dass sich Döpfner "für einen Su­per­markt ent­schie­den" haben. "Wenn er von Qua­li­täts­jour­na­lis­mus re­det, meint er da­mit wahr­schein­lich klei­ne Ru­he­zo­nen. Klein­o­de, in de­nen man sich bei dem gan­zen Ge­wim­mel nie­der­las­sen kann. Wenn er sei­nen Su­per­markt ver­klei­nern müss­te, wenn er sich ent­schei­den müss­te zwi­schen den Ru­he­zo­nen und den Schwei­ne­ko­te­letts, dann flö­gen die Ru­he­zo­nen raus. Er könn­te ver­mut­lich auch Vor­stands­vor­sit­zen­der von BASF sein."

Die Verpflichtung von Stefan Aust, der Ex-"Spiegel"-Chefredakteur wird Herausgeber der "Welt", habe zumindest "etwas mit Journalismus" zu tun, stichelt Geyer. Aust sei immerhin mehr als ein neu dazugekauftes Internetportal. 

Hintergründe: Alfred Neven DuMont volontierte mit 24 Jahren beim "Hamburger Abendblatt", das jetzt von Springer verkauft wird, konnte Verleger Axel Springer noch beim Zusammenbauen der Zeitungsseiten zusehen. Den Kauf der "Frankfurter Rundschau" durch M. DuMont Schauberg bewertet er heute so: "Im Nachhinein muss man sagen:  Es war wohl ein biss­chen zu lei­den­schaft­lich, voll von gu­tem Wil­len. Die 'Frank­fur­ter Rund­schau' war nicht zu ret­ten", erklärt Neven DuMont im "Spiegel".

"Absurde Unterstellungen" (Döpfner in der "FAZ")

Mathias Döpfner betonte vergangene Woche im Interview mit der "FAZ" (kress.de berichtete), dass das "Wort Verlag" Springer ausgesprochen wichtig sei. "Wir haben an diesem Begriff als Ausdruck der Identität dieses Hauses immer festgehalten. Journalismus war und bleibt immer Sinn und Seele unseres Hauses. Und es wird absurd, wenn uns einige Beobachter einen Strategieschwenk unterstellen." Das inhaltlich Geprägte sei immer der Kern des Hauses gewesen, "und wenn es diesen verlieren würde, würde es seine Seele und seinen Sinn verlieren". Die große Aufgabe sei, unabhängigen Qualitätsjournalismus in der digitalen Welt zu etablieren und - Wachstum zu generieren. "Dafür müssen wir den Journalismus vom Informationsträger Papier emanzipieren und die Idee der Zeitung auf digitalen Wegen zum Leser transportieren", so Döpfner.

Ihre Kommentare
Kopf
Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

26.01.2014
!

ich kann nicht anders....Herr Neven DuMont hat voll und ganz recht.......


Markus Schöberl

Markus Schöberl

pv digest
Herausgeber

27.01.2014
!

Herr Neven Du Mont hat sich an der FR die Finger verbrannt und damit gar nichts bewirkt. Herr Döpfner hält seit Jahren an der Welt fest und wird im Spiegel dafür als Möchtegern-Verleger belächelt. (Und dass Springer mit N24 und mit Bilanz in journalistische Projekte investiert, spielt für den SPIEGEL-Autor auch keine Rolle)


Leon Müller

27.01.2014
!

Ich kann an Döpfners Vorgehensweise nichts verwerfliches feststellen. Wer glauben möchte - wie Herr Neven DuMont - sollte sich in die Kirche begeben. Denn es war und ist nach wie vor das Geld, das Redakteure bezahlt, die Druckerei-Rechnungen begleicht und dafür sorgt, dass wir - ob gedruckt oder digital - Journalismus erfahren dürfen. Döpfner hat besser und konsequenter Antworten auf die Fragen der Vergangenheit gefunden. Beispiel Rubrikenmärkte: Früher waren sie die Cashcows der Velrage. Heute


Andreas Tsilis

27.01.2014
!

Die Frage ist, was man unter Journalismus versteht. Insoweit gibt es bei zwei Verlegern dazu drei Meinungen. Eine ganz andere Frage ist die der Moral.


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