Erfolgstipps von Katarzyna Mol-Wolf ("Emotion"): "Viel Potenzial für kleinere Verlage"

 

In angespannten Zeiten mit jähen Magazin-Einstellungen hört man gerne Mutmachern zu. Inspiring Network-Gründerin Katarzyna Mol-Wolf sprach beim Verlegerverband VZB in München von den Chancen, wenn man die Lücken im Markt sucht und nutzt. "In Zeiten, in denen sich die Großverlage stark mit sich selbst beschäftigen, gibt es viel Potenzial für die Kleineren", sagte sie. 

In angespannten Zeiten mit jähen Magazin-Einstellungen hört man gerne Mutmachern zu. Inspiring Network-Gründerin Katarzyna Mol-Wolf sprach beim Verlegerverband VZB in München von den Chancen, wenn man die Lücken im Markt sucht und nutzt. "In Zeiten, in denen sich die Großverlage stark mit sich selbst beschäftigen, gibt es viel Potenzial für die Kleineren", sagte sie. 

Immer schön ans "Wunsch-Ich" der Leser denken

Die langjährige G+J-Mitarbeiterin hatte 2009 damit begonnen, einen Management Buyout der Frauenzeitschrift "Emotion" zu planen und legte im Februar 2010 die erste eigenproduzierte Ausgabe vor - der Beginn einer verlegerischen Erfolgsgeschichte. "Wir sehen uns seit jeher als Coach zum Glück", beschreibt sie die Besonderheit von "Emotion", bei der sich im Idealfall die vielbeschworene Authentizität und Eleganz mischen. "Jede Zeitschrift muss ein Wunsch-Ich für ihre Leser sein", lautet Mol-Wolfs Formel.

"Zeitschriften werden in Zukunft keine Massenblätter mehr sein"

Ganz genau auf die Leserinnen einzugehen und diese so gut wie möglich zu kennen, ist der "Emotion"-Verlegerin wichtig - auch wenn die Zielgruppe so immer spitzer wird. "Ich bin überzeugt davon, dass Zeitschriften in Zukunft keine Massenblätter mehr sein werden", sagte sie beim VZB-Kamingespräch in München.

Dafür leistet sich "Emotion" den Mut, auch mal gegen den Storm zu schwimmen. "Wir verzichten weitgehend auf lange Modestrecken." Stattdessen bietet Katarzyna Mol-Wolf den Leserinnen sogar eine Prise Spiritualität im Blatt. Einen "spirituellen Lehrer" aus New York will sie als nächstes ins Blatt holen. "Wir brauchen ab und an einen Tipp, wie wir ein wenig ruhiger werden", sagte sie. "Wir Frauen müssen allen möglichen Rollen gerecht werden."

Derzeit verkauft "Emotion" eine Auflage von rund 70.000 Heften. Der Gesamt-Verlag, in dem auch das Philosophie-Magazin "Hohe Luft" erscheint, finanziert sich neben den Print-Produkten, darunter auch Auftragstitel wie "Expeditionen ins Tierreich", durch Vorträge, Workshops und die Vermittlung von "Mentoren". Am Umsatz haben die Nebengeschäfte derzeit einen Anteil von rund 10 Prozent, künftig sollen sie auf 20 Prozent ansteigen, so Wolf-Mol.

"Hohe Luft" soll 2014 schwarze Zahlen schreiben

Der Philosophie-Ableger, die erste Inspiring Network-Eigengründung, entwickelt sich dabei gut: "Wir haben uns schwarze Zahlen für 'Hohe Luft' in diesem Jahr vorgenommen", so die Verlegerin. Wie bei "Emotion" verkauft der Verlag die Anzeigen ausschließlich selbst. "Unser Erfolgsfaktor ist die persönliche Vermarktung", sagte die Verlegerin. Die Titel seinen erklärungsbedürftig, hätten aber gutes Potenzial für aufgeschlossene Kunden. "Wir vermarkten Titel, die sich nicht nur in Zahlen fassen lassen." 

Die Claps: "Wir kriegen Anzeigen - weil wir nicht nett sind"

Nicht ganz unähnlich argumentierten die umtriebigen "Clap"-Macher Peter Böhling und Daniel Häuser, die ihr "Magazin für Neugierige, Eitle und Schadenfrohe" mal wieder vorstellen durften. "Wir kriegen Anzeigen nicht deshalb, weil wir nett sind, sondern weil wir nicht nett sind" so Böhling. "Wir sind manchmal durchaus boshaft, aber nie bösartig - das ist für uns ein großer Unterschied", so die "Clap"-Chefredakteure. "Man kann uns mit Anzeigenstornierungen nicht drohen." 

Dritte "Mutmacherin" des VZB-Abends war "Interview"-Chefredakteurin Lisa Feldmann, die sich nach bewegter Medienkarriere, zuletzt bei "Annabelle" in der Schweiz noch einmal für Bernd Runges Herzensprojekt begeistern ließ. Begeistert wirkt sie, aber nicht sorgenfrei. "Wir sind kurz davor, dass Blatt zu machen, von dem es heißt - da ist es wieder", sagte sie. "An Konkurrenz mangelt es uns nicht", so Feldmann. "Wir kämpfen sehr." 

Lisa Feldmann: "Hoffen, dass der Verleger die Nerven behält"

Auf den "Interview"-Relaunch, den sie dem Magazin verordnet hat, blickt sie wie eine Musikerin zurück. Früher sei das Blatt dahergekommen wie ein DJ, der viele tolle Singles auflegt, aber die Tanzfläche nicht mitriss. Nun habe es seinen stimmigen "Sound" gefunden. Nun steht dem Erfolg inhaltlich nichts mehr im Wege. "Ich kann nur hoffen, dass unser Verleger die Nerven behält", scherzte Lisa Feldmann.

Trotz der dann doch etwas ernsten Note - natürlich kursierte auch die News von der "Cover"-Einstellung unter den Verlegern - konnte Waltraut von Mengden, Erste Vorsitzende des Verbands der Zeitschriftenverlage in Bayern, zuversichtlich zusammenfassen: "Es gibt sehr schöne Erfolgsstories zu erzählen", so die Kurzeit-Bauer-Managerin über die drei Gastredner und ihre Titel. "Das Schöne ist, dass sie nicht aus Großverlagen stammen."

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