Deutscher Produzententag 2014: "Bleiben Sie zäh"

06.02.2014
 
 

Bevor am Abend die Berlinale mit pompösem Staraufgebot in ihre 64. Auflage startet, traf sich am Morgen die Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen zu ernsten Gesprächen. Sinkende Budgets seitens der Sender zwingen Produzenten dazu, ihre Filme und Serien in kürzerer Zeit oder mit geringerem Personal zu drehen.

Bevor am Abend die Berlinale mit pompösem Staraufgebot in ihre 64. Auflage startet, traf sich am Morgen die Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen zu ernsten Gesprächen.

Der Verband vertritt die Interessen von über 200 Mitgliedern und hat es damit derzeit nicht leicht. Denn die Arbeitsbedingungen beim deutschen Film werden zusehends schwieriger: Sinkende Budgets seitens der Sender zwingen Produzenten dazu, ihre Filme und Serien in kürzerer Zeit oder mit geringerem Personal zu drehen.

Eine baldige Besserung sei gefühlt nicht in Sicht, konstatierte Alexander Thies, Vorsitzender der Allianz. "Die Erwartungen sind auf dem Tiefpunkt", sagte er vor circa 300 Gästen, die in einem Hotel nahe des Kurfürstendamms zusammengekommen waren. "Und das ist nicht das übliche Jammern."

Sei eine "Tatort"-Folge 2004 noch für im Durchschnitt 1,34 Millionen Euro produziert worden, stehe heute ein Budget von 1,27 Millionen Euro zur Verfügung. "Es handelt sich also um einen starken Wertverlust in den Budgets", sagte Thies. "Ein Produzent liefert einen 'Tatort' heute für 75 Prozent des Budgets, das er vor neun Jahren hatte." Deshalb habe die Allianz entschieden, einen Paradigmenwechsel herbeizuführen.

Ein neues Lizenzmodell soll der Branche Aufwind geben. "Das Modell des Ein-Mal-Zahlens ist nicht mehr zukunftsträchtig, wir werden uns dafür stark machen, dass auch Erlöse aus Zweitverwertungsrechten gezahlt werden." Die Durchsetzung werde schwierig, sei allerdings alternativlos.

Kultur-Staatsministerin Grütters bekundet Verbundenheit

Mit Parolen wie "Heiter weiter" und "Bleiben Sie zäh" schlug die neue Kultur-Staatsministerin Monika Grütters aufmunternde Töne bei dem Verbandstreffen an. Unter Beifall bekräftigte sie mehrfach ihre Verbundenheit zur Allianz. So unterstützte sie deutlich, dass das Bundesverfassungsgericht das Filmförderungsgesetz (FFG) kürzlich für verfassungsgemäß erklärt hatte. Zuvor hatte ein Multiplex-Betreiber gegen Abgaben an den deutschen Film geklagt, weil er keine ökonomische Rolle für die Kinos spiele. Und sie sagte zu, sich intensiv dafür einzusetzen, die Novelle zu verlängern.

Auch die laufende Auswertung des Kinojahres 2013 bewertete Grütters als durchaus positiv für deutsche Produzenten. "Mit 'Fack Ju Göhte' und 'Der Medicus' hat es auch wieder Besuchermillionäre gegeben", sagte die Nachfolgerin von Bernd Neumann. "Das ist wichtig für uns alle."

Produzenten sollen Botschafter werden

Im Vorjahr hatte der Schwerpunkt des Produzententages auf deutschen TV-Produktionen gelegen, Frank Elstner war zum Ehrenmitglied ernannt worden. Diesmal richtete die Allianz mit einer Podiumsdisskion einen Blick auf die internationale Filmindustrie.

Einen außenstehenden Blick warf Christopher J. Dodd in einer Keynote auf die Branche. Der CEO der Motions Pictures Association of America (MPAA) verdeutlichte an Beispielen wie "Life of Pi", Wes Andersons "Grand Budapest Hotel" und "Monuments Men" von George Clooney, wie stark die Filmindustrien einzelner Länder immer mehr zusammenrücken.

"Weil neue Technologien die Kommunikation über längere Distanzen hinweg immer leichter machen, werden wir immer mehr solcher internationalen Produktionen sehen", sagte Dodd. Um die Arbeitsbedingungen dabei zu verbessern, müsse es zur Aufgabe von Produzenten werden, Botschafter ihrer Branche zu werden."Ladet eure Geldgeber ans Set ein. Zeigt ihnen, wie die Branche aussieht, damit sie sie verstehen."

Autor: Mark Heywinkel

 

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