Konkurrenz durch Fußball-WM: Herres verspricht viele ARD-Sendeplätze für Dokus

13.02.2014
 
 

Trotz Olympia und Fußball-WM will Das Erste in diesem Jahr die Anzahl der Dokumentationen zur besten Sendezeit hoch halten. 113 Erstsendungen gab es im vergangenen Jahr montagabends - "2014 werden es nicht weniger werden", versprach Programmdirektor Volker Herres am Mittwochabend bei der Präsentation neuer Dokus am Rande der Berlinale.

Trotz Olympia und Fußball-WM will Das Erste in diesem Jahr die Anzahl der Dokumentationen zur besten Sendezeit hoch halten. 113 Erstsendungen gab es im vergangenen Jahr montagabends - "2014 werden es nicht weniger werden", versprach Programmdirektor Volker Herres am Mittwochabend bei der Präsentation neuer Dokus am Rande der Berlinale. 

Im Programm des Ersten sollen ausdrücklich auch viele 90-minütige Dokumentationen und Dokudramen ihren Platz finden. Sie seien Königsdisziplinen des Genres, sagte Herres. Als Beispiel hob er die einen Tag vor Heiligabend ausgestrahlte Produktion über Altkanzler Helmut Schmidt hervor. "Selbst in einem solchen Sportjahr wie diesem werden wir auf genau die gleiche Größenordnung kommen bei den 90-minütigen Dokumentarfilmen und Dokudramen", sagte Herres und erlaubte sich auch eine Spitze gegen das ZDF: "Es gibt keine Mitbewerber, die das Gleiche machen – ohne Namen zu nennen – auch nicht öffentlich-rechtliche."

Herres widersprach Kritikern, die eine zu späte Programmierung der Dokus mokieren. "Man muss für jedes Format die passende Sendezeit finden", sagte Herres. Wer die These "je früher desto besser" verfolge, riskiere, dass einige Programme schlichtweg verdampften. Er verwies auf die Konkurrenz etwa durch Spielfilme anderer Sender, die um 20.15 Uhr beginnen. Montagabend schauten 2,51 Millionen Zuschauer "Das System Tupperware", das nach den verlängerten "Tagesthemen" erst gegen 23 Uhr begann. Wie die Programmplaner trotz der Sport-Konkurrenz die guten Sendeplätze für Dokus bewahren wollen? Falls der Montag mal voll ist, soll "Plusminus" mittwochs hinter die "Tagesthemen" rutschen. Auf dessen Sendeplatz wird dann die Montagsdoku ausgestrahlt.

Die kommenden Doku-Highlights:

+ 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs: Zu diesem Anlass zeigt Das Erste im zweiten Quartal des Jahres die Reihe "14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs". In vier mal 45 Minuten (Arte sendet eine auf acht mal 52 Minuten verlängerte Fassung) werden Lebensgeschichten anhand originaler Aufzeichnungen rekonstruiert. Historische Filmaufnahmen und frisch gedrehte Spielszenen wechseln sich ab. Die Produktion von Gunnar Dedio und der Looks TV & Film Produktionen könnte internationaler kaum sein: 26 Sender aus aller Welt wirken mit. Auch die BBC, SBS aus Australien und die italienische RAI wollen "14" ausstrahlen. Realisiert wird die Reihe von den deutschen Autoren Jan Peter und Yury Winterberg sowie dem Niederländer Maarten van der Duin. Sie kostet laut dem Produzenten Dedio rund sechs Millionen Euro.

+ Mit reichlich Starbesetzung kommt "Junges Deutschland" daher. Auch dieser Doku-Spielfilm-Hybrid der C-Films Deutschland mischt historische Aufnahmen mit Spielzenen. Die Hauptrollen darin haben Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann. Sie sprechen in einzelnen Szenen auch in die Kamera – und so direkt zum Zuschauer. In zwei mal 45 Minuten reist die vom NDR und WDR verantwortete Doku von Regisseur Jan Hinrik Drevs durch die verschiedenen Jugendkulturen des 20. Jahrhunderts.

+ Einen enthüllenden Blick in die Welt der Finanzindustrie wirft "Der Banker – Master of the Universe". Die HR/SWR-Produktion in Zusammenarbeit mit Arte läuft als 90-Minüter im dritten Quartal. Autor und Produzent Marc Bauder ließ sich von dem früheren Investmentbanker Rainer Voss in die Welt der Banken und des enthemmten Finanzmarktkapitalismus führen.

Nordend Film gewinnt Doku-Pitch

Große Freude herrschte bei der Hamburger Produktionsfirma Nordend Film von Thorsten Eppert und Adrian Stangl. Die beiden Produzenten und Autorin Carolin Genreith wurden zum Sieger des diesjährigen Doku-Wettbewerbs der ARD gekürt. Für die "Heimat"-Themenwoche 2015 erhielten sie den Zuschlag, ein großes Filmprojekt zu realisieren. Sie soll in einem Dorf im Chiemgau spielen und eine Heimatgeschichte erzählen, die so zuvor noch nicht im Fernsehen zu sehen war. 40 Einsendungen konkurrierten um die Gunst der Juroren. Die Entscheidung fällten ARD-Chefredakteur Thomas Baumann und die Sender-Kulturchefs Stephan Abarbanell vom RBB, Matthias Kremin vom WDR, Sabine Scharnagl vom Bayerischen Rundfunk, Patricia Schlesinger vom NDR und Kai Henkel vom SWR.

Autor: Jens Twiehaus.

 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.