ProQuote-Gespräch mit "Spiegel"-Chef Büchner: "Ich würde bei gleicher Qualifikation die Frau vorziehen"

 

"Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner konnte in der vergangenen Woche einige Pluspunkte bei der Journalistinnen-Initiative ProQuote sammeln. Und zwar mit Aussagen wie: "Ich halte jede Verteilung von Führungspositionen in der Gesellschaft und damit auch in Redaktionen, die anders ist als 50 zu 50, für unnatürlich", so Büchner im Gespräch mit ProQuote.

"Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner konnte in der vergangenen Woche einige Pluspunkte bei der Journalistinnen-Initiative ProQuote sammeln. Und zwar mit Aussagen wie: "Ich halte jede Verteilung von Führungspositionen in der Gesellschaft und damit auch in Redaktionen, die anders ist als 50 zu 50, für unnatürlich", so Büchner im Gespräch mit den Vorstandsvertreterinnen, TV-Moderatorin Lisa Ortgies und Wirtschaftsjournalistin Birte Siedenburg. Und weiter sagte er: "Um dieses Gleichgewicht zu erreichen, würde ich bei absolut gleicher Qualifikation jederzeit die Frau vorziehen."

Keine feste Quote beim "Spiegel"

Mehr Frauen verbesserten die Themenfindung sowie das Diskussionsklima, so Büchner. "Konferenzen dürfen keine Testosteron-Clubs sein, man muss auch mal auf unfertigen Gedanken herumkauen können." Der "Spiegel" fördere ausgewählte Kollegen derzeit in einem Talentpool. Rund 80% dieser Führungsnachwuchskräfte sind weiblich. Büchner wies darauf hin, dass Frauen ihrem Aufstieg manchmal selbst im Weg stünden: "Das Zugreifen und Hier schreien ist bei Frauen seltener."

Die Vertreterinnen von ProQuote Medien e.V. stimmte der Besuch optimistisch. "Wir konnten Wolfgang Büchner nicht von einer festen Quote überzeugen", erklärte Lisa Ortgies, "aber unsere Zielvorstellungen decken sich." Büchners Vision: "Ich kann mir gut vorstellen, dass der nächste Chefredakteur des 'Spiegel' eine Frau ist."

Beim Print-"Spiegel" liegt der Anteil der Redakteurinnen laut ProQuote bei 26,2 % – ohne Beiboote wie "Dein Spiegel" oder "Spiegel Geschichte"; bei "Spiegel Online" sind 33,1% der Journalisten weiblich.  In der Führung tue sich allerdings einiges: Während 2002 die "Spiegel"-Redaktion keine einzige Chefin hatte, besetzen Frauen heute 31,4% der journalistischen Leitungsposten – die meisten allerdings noch als Stellvertreterinnen von Ressortleitern. Bei "Spiegel Online" liegt der Chefinnenanteil bei 25%, inklusive einer stellvertretenden Chefredakteurin.

Das nächste ProQuote-Gespräch mit einem "Medienlenker" findet am 31. März in Köln statt. Dann treffen zwei ProQuote-Vorstände den WDR-Intendanten Tom Buhrow.

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2019/#10

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