Eignerfamilie Friedmann zieht die Reißleine: "Abendzeitung München" ist insolvent

 

Das traditionsreiche Boulevardblatt "Abendzeitung München" steht vor dem Aus. Am Mittwochmorgen hat ihr Geschäftsführer Dieter Schmitt am Amtsgericht München die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Angesichts von Verlusten in Höhe von 70 Mio Euro sieht sich die Eignerfamilie Friedmann nicht mehr in der Lage, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen.

Das traditionsreiche Boulevardblatt "Abendzeitung München" steht vor dem Aus. Am Mittwochmorgen hat ihr Geschäftsführer Dieter Schmitt am Amtsgericht München die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Angesichts von Verlusten in Höhe von 70 Mio Euro sieht sich die Eignerfamilie Friedmann nicht mehr in der Lage, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen.

Suche nach einem Investor bislang erfolglos

"Die Gesellschafter und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abendzeitung hoffen, dass im Insolvenzverfahren ein Investor gefunden werden kann, damit der traditionsreiche Titel weiter erscheinen kann", heißt es in einer am Mittwoch verschickten Pressemitteilung. Die bisherige Suche nach einem Geldgeber war offenbar erfolglos. "Einen starken Partner zu finden, war in dieser Zeit bisher nicht möglich, nicht zuletzt wegen der nach wie vor restriktiven kartellrechtlichen Situation", heißt es in dem Statement. 

Zuletzt hätten sich die Verlust der "Abendzeitung" seit 2001 auf rund 70 Mio Euro summiert. Im vergangenen Jahr 2013 ergab sich ein Verlust von 10 Mio Euro. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres gab es keine Besserung, sondern eine weitere rückläufige Entwicklung. Daher hat sich nun die Eigentümerfamilie zu dem harten Schnitt entschlossen. 

Das "Tafelsilber" ist bereits verkauft

Bislang konnten die Verluste nur durch Verkauf des "Tafelsilbers" aufgefangen werden, wie es in München heißt. Einzeln aufgezählt werden die Verkäufe des ehemaligen Verlagsgebäudes in der Sendlinger Straße, des Schwesterblatts "Abendzeitung Nürnberg", des "Frankenreport" sowie der Runfunkbeteiligungen am Funkhaus Nürnberg, bei Radio Gong und der mbt. Zudem hätten die Gesellschafter "Bareinlagen in Höhe von mehreren Millionen Euro" getätigt.

Nun ist offenbar das Ende der Fahnenstange erreicht - und das Insolvenzverfahren der einzige Ausweg. "Die Geschäftsführung bedauert diesen Schritt – auch deswegen, weil sich zum Beispiel bei der notwendigen Verzahnung von Print und Online durchaus Erfolge verzeichnen ließen, die sich auch an massiv gestiegenen User-Zahlen ablesen ließen", sagen die Münchner.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Axel W. Bierbach von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach und Kollegen bestimmt.

"Das weitere Erscheinen der Zeitung ist gesichert", heißt es zum Schluss der Meldung. Weiteres ist allerdings offen.

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