"Sichere Alternative zu 'WhatsApp'": Dirk Ströer investiert 50 Mio Euro in "Hoccer"

24.03.2014
 

Dirk Ströers Media Ventures GmbH hat sich als Hauptinvestor bei der Hoccer Betriebs GmbH eingekauft. Das Kölner Beteiligungsunternehmen sicherte sich für 50 Mio Euro 51 % der Anteile an der Berliner App-Schmiede. Hoccer hat die Messenger-Programme "Hoccer XO" und "Hoccer Classic" entwickelt. Sie sollen eine "sichere Alternative" zu "WhatsApp" sein.

Dirk Ströers Media Ventures GmbH hat sich als Hauptinvestor bei der Hoccer Betriebs GmbH (http://hoccer.com/de/) eingekauft. Das Kölner Beteiligungsunternehmen sicherte sich für 50 Mio Euro 51 % der Anteile an der Berliner App-Schmiede.

Bei Hoccer handelt es sich um ein junges deutsches Unternehmen unter der Führung von Jérôme Glozbach de Cabarrus, das die Messenger-Applikationen "Hoccer XO" und "Hoccer Classic" entwickelt hat. Die beiden Chat-Programme setzen auf Sicherheit und sollen dem Nutzer Anonymität und uneingeschränkte Privatsphäre ohne Registrierungsprozess garantieren. Damit wollen sie die Macher als sichere Alternativen zu "WhatsApp" etablieren. Im Februar sei die Marke von 2,5 Mio Downloads geknackt worden. 

Dirk Ströer ist überzeugt, dass "die Nachfrage nach sicheren Messenger-Apps auch in Zukunft exponentiell steigen wird." "Der Markt sucht derzeit sichere Alternativen zu 'WhatsApp'". Die Messaging-App ist nach der angekündigten Übernahme durch Facebook auf inzwischen mehr als 31 Millionen Nutzer in Deutschland gewachsen, wie Vorstandschef Jan Koum gerade dem "Focus" anvertraute. "Es ist viel geschrieben worden. WhatsApp wachse nun schneller, WhatsApp wachse nun langsamer oder die Nutzer liefen davon. Nichts davon ist wahr. WhatsApp wächst genau so schnell weiter wie zuvor. In Deutschland haben wir inzwischen mehr als 31 Millionen aktive Nutzer. Weltweit hat WhatsApp nun 480 Millionen", wird Koum zitiert.

"Hoccer" will mit Features wie der "Ende-zu-Ende-Verschlüsselung" dagegenhalten und der Möglichkeit einer anonymen Nutzung punkten, die verhindert, dass automatisch auf Dateien und Adresslisten zugegriffen wird.

Bewertung von 100 Mio Euro

Bei der Übernahme durch Media Ventures ist "Hoccer" mit 100 Mio Euro taxiert worden. Für Klemens Skibicki, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Kommunikation und Recht im Internet (DIKRI), ist die hohe Bewertung durchaus begründet. Schließlich gehe es darum "sich im weltweiten Strukturwandel hin zur völlig mobilen Kommunikation vor einfachem Mitlesen durch NSA oder Hackern bestmöglich zu schützen und eine sichere Übertragung größerer Datenmengen zu gewährleisten". Als deutsches Unternehmen, "mit führender Verschlüsselung und deutschen Servern", habe "Hoccer" hier gegenüber den "zu amerikanischen Überwachungsvorstellungen verpflichteten US-Unternehmen" einen Vorteil. "Das deutsche Sicherheits- und Datenschutzdenken könnte sich hier", so Skibicki weiter, "zum Exportschlager entwickeln - umso mehr, wenn man neben privaten Rückzugsbereichen die Übertragung unternehmensinterner Informationen berücksichtigt."

Dirk Ströer wird nun die Zukunft von Hoccer mitbestimmen. Seine Media Ventures hat schon Internetportale wie "neu.de", "weg.de"oder "spox.com" unterstützt.

"Unternehmen haben großen Bedarf nach sicherer Kommunikation"

Die "Hocker"-App ist für Privatnutzer kostenlos, das Unternehmen will sich über Lizenzeinnahmen von Geschäftskunden finanzieren. "Wir sind in Verhandlungen mit mehreren großen Konzernen", sagte Ströer am Montag gegenüber "Handelsblatt Online". Mögliche Kunden seien Banken, Unternehmensberater oder Telekommunikationsanbieter. Gerade Unternehmen hätten einen großen Bedarf nach sicherer Kommunikation.

Ströer plant "massive Werbekampagne"

Zunächst will Hoccer sein Chat-Programm mit der Anwendung "Hoccer Classic" zusammenführen, die Smartphone-Nutzern den Austausch von Dateien erleichtern soll. "Sobald die beiden Apps zusammengeführt sind, werden wir eine massive Werbekampagne fahren", kündigte Ströer im Gespräch mit "Handelsblatt Online" an. Neben Außenwerbung und Anzeigen im Internet sei auch eine Einbindung in TV-Sendungen geplant, mittelfristig auch eine internationale Expansion.

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