Hoodiejournalisten als Manager von morgen oder: Welche Führungskräfte braucht die Medienbranche?

27.03.2014
 
 

Die Sollbruchstelle zwischen alten und neuen Medien ist mal wieder belastet worden und ... gebrochen. Die Diskussion um die Aufnahme eines "Onliners" in die Print-Chefredaktion der "SZ" fördert alte und neue Vorbehalte zu Tage, hier festgemacht an der Frage, was einen Journalisten eigentlich ausmacht und ob er Hoodies tragen darf. Im Kern geht es um nichts Geringeres als die Zukunft von Medienunternehmen.

Die Sollbruchstelle zwischen alten und neuen Medien ist mal wieder belastet worden und ... gebrochen. Die Diskussion um die Aufnahme eines "Onliners" in die Print-Chefredaktion der "SZ" fördert alte und neue Vorbehalte zu Tage, hier festgemacht an der Frage, was einen Journalisten eigentlich ausmacht und ob er Hoodies tragen darf.

Die Diskussion ist aber mitnichten neu. Schon seit Mitte der Neunziger Jahre, dem Beginn der Digitalisierung, der Produktion von Inhalten für digitale Medien und der Globalisierung des Wettbewerbs auf den Medienmärkten wird sie in immer ähnlicher Form geführt. Die weit fortgeschrittene Konvergenz der Medien aber, die enorme Dynamik in der Veränderung der Märkte und der starke Wettbewerb mit potenten Technologieunternehmen hat den Veränderungsdruck in den Unternehmen, und dabei auch bei den Journalisten, sukzessive steigen lassen. In dem Zuge, wie digitale Kanäle erfolgreicher werden, die traditionellen Medien mit Umsatzrückgängen kämpfen und die Diskussion über die Refinanzierbarkeit von "Qualitätsjournalismus" ohne Lösung bleibt, müssen sich Journalisten der traditionellen Kanäle zunehmend rechtfertigen.

Technologie bereits heute ein weiterer, strategischer Erfolgsfaktor

Im Kern geht es um etwas ganz anderes, und zwar um nichts Geringeres als die Zukunft von Medienunternehmen. Und damit auch um die Frage, welche Führungskräfte Medienunternehmen eigentlich brauchen, um die weiter steigenden Herausforderungen zu bewältigen.

Es geht darum, die Chancen aus den zukünftigen Entwicklungen mit Kalkül und Herzblut zu nutzen und eventuelle Versäumnisse schnell nachzubessern. Und es geht um eine höhere Veränderungsbereitschaft sowie um ein aktives, bewusstes Management der Veränderungen. Zugleich aber, und dies wird zu wenig gesehen, geht es auch um die Beherrschung der Technologie, die neben den Inhalten bereits zum zweiten, strategischen Erfolgsfaktor von Medienunternehmen geworden ist.

Chefredakteure der erfolgreichen Online-Portale waren und sind quasi gezwungen, sich diesen Herausforderungen jeden Tag neu zu stellen. Zumeist mit eher knappen Budgets ausgestattet und manchmal mit gütiger Unterstützung, manchmal im harten Wettbewerb mit den eigenen Kollegen aus den Printredaktionen. Sie stehen in direktem, weltweiten Wettbewerb, sind in ihrem Erfolg täglich messbar, müssen neue Distributionskanäle und Geschäftsmodelle erschließen und für Investitionen intern vielleicht noch etwas überzeugender kämpfen.

So gesehen sind die erfolgreichen Hoodiejournalisten von heute vielleicht keine Journalisten im ursprünglichen Sinne, aber vielleicht Medienmanager von morgen? Weil die Anforderungen, denen sich Medienschaffende in Zukunft stellen müssen, nicht nur journalistische Herausforderungen sind. Es geht eben nicht mehr nur um die Qualität oder Relevanz der Inhalte alleine.

One size does not fit all: Spezifische Anforderungsprofile an Führungskräfte erfordern sorgfältige Personalauswahl

Die kontinuierliche Analyse der Medienmärkte zeigt, wie zunehmende Dynamik, globaler Wettbewerb und technologische Innovationen die Anforderungsprofile an Führungskräfte nachhaltig verändert haben und weiter verändern werden. Diesem Trend haben sich nicht nur die betroffenen Unternehmen zu stellen, sondern auch diejenigen, die bei der Besetzung der Positionen beraten. In Deutschland gibt es Tausende Personalberater bzw. Personalberatungen. Die wenigsten davon aber besitzen eine umfassende Branchenexpertise oder kennen die  spezifischen Anforderungsprofile der Medienunternehmen. 

Gute Journalisten sind nicht automatisch auch gute Führungskräfte, genau so wenig wie Spezialisten aus anderen Unternehmensbereichen. Die Anforderungen an erfolgreiche Medienmanager der Zukunft sind sehr spezifisch und eng mit den jeweiligen Märkten und dem Wettbewerbsumfeld verbunden. Ohne die Berücksichtigung dieser individuellen Ansprüche und der grundlegenden Trends und Einflussfaktoren des Wettbewerbs bleibt eine Auswahl von zukünftigen Medienmanagern unvollständig: One size does not fit all.

Hoodiejournalisten als High-Potentials?

Sind also talentierte Hoodiejournalisten die High Potentials der Medienlandschaft? Vielleicht. Zumindest bringen sie einige wichtige Voraussetzungen mit. Sie sind (zumeist aus budgetärer Not) sehr ziel- und ergebnisorientiert, verstehen Medien als Ecosystem, das sich schnell verändert und in dem man selber flexibel bleiben und sich strategisch positionieren muss. Sie wissen, sich gegen interne und externe Widerstände durchzusetzen, beachten aber auch, dass die Wettbewerber von heute die Partner von morgen sein können. Sie haben zufriedene Kunden und motivieren ihre Mitarbeiter, meist ohne Aussicht auf tarifliche Gehälter oder sonstige Privilegien.

So gesehen kann jeder Online-Chef in einer Chefredaktion ein Gewinn für das Unternehmen sein. Wenn gegenseitiger Respekt und Lernbereitschaft besteht, können Synergien geschaffen, Marktpositionen gestärkt und Unternehmen wirtschaftlich erfolgreicher werden. Wenn nicht, drohen Konsequenzen, wie wir sie 2013 beim Spiegel-Verlag, bei der Frankfurter Rundschau oder der Financial Times aus der Ferne betrachten konnten.

Autor: Dr. Marcus Hochhaus, Geschäftsführer Goldmedia Personalberatung

 

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