Reportagen-Autor ausgezeichnet: Claas Relotius gewinnt den CNN Journalist Award

 

Es ist eine bewegende, auch etwas sperrige Hinter-Gittern-Geschichte, mit der Claas Relotius in der Schweizer Zeitschrift "Reportagen" überzeugte: Der selbstständige Autor und Auslandsreporter darf sich "CNN Journalist of the Year" nennen. Seine Story "Der Mörder als Pfleger" über demenzkranke Häftlinge in US-Gefängnissen machte ihm zum bislang erst zweiten Print-Gesamtsieger des Nachwuchspreises.

Es ist eine bewegende, auch etwas sperrige Hinter-Gittern-Geschichte, mit der Claas Relotius in der Schweizer Zeitschrift "Reportagen" überzeugte: Der selbstständige Autor und Auslandsreporter darf sich "CNN Journalist of the Year" nennen. Seine Story "Der Mörder als Pfleger" über demenzkranke Häftlinge in US-Gefängnissen (hier zu lesen) machte ihm zum bislang erst zweiten Print-Gesamtsieger des Nachwuchspreises.

Demenz-Krankheit macht vor Gefängnismauern nicht Halt

Erst nach langem bürokratischem Hin und Her bekam Relotius die Möglichkeit, zehn Tage hinter den Mauern eines US-Hochsicherheitshaftanstalt zu recherchieren. Er begleitete dabei ein eigenwilliges Paar: Ein lebenslang einsitzender Mörder kümmert sich aufopferungsvoll um einen alten Mit-Häftling, der schwer an Demenz erkrankt ist und sich im Gefängnisalltag kaum mehr zurechtfindet.

Die packende Reportage siegte zuvor bereits in der Print-Kategorie und setzte sich damit gegen die "Spiegel"-Reporterin Nicola Abé ("Träume in Infrarot") sowie gegen den "Reportagen"-Kollegen Christof Gertsch ("Im Kanal. Chips und Bier waren sein Leben: Bruno schwimmt im Ärmelkanal") durch.

ZDF-Reporter schauen den Steuer-Tricks auf die Finger

Besonders stark war allerdings auch die TV-Kategorie besetzt, in der das Reporter-Duo Michael Strompen und Jo Schück mit einer sehr aufwendigen Recherche und einer eindrucksvoll allgemeinverständlichen Dokumentation über die Steuervermeidung von Großunternehmen punktete. "Flucht in die Karibik - Die Steuertricks der Konzerne" lief in der "ZDFzoom"-Reihe.

In der Disziplin Online siegte Christian Werner für eine "Spiegel"-iPad-Inszenierung, der Radio-Preis ging an Jenny Marrenbach für eine Haiti-Reportage, die im DLF zu hören war. Den Foto-Preis bekam Birte Kaufmann zuerkannt.

Vor-Ort-Schnüffeln statt Google-Recherche

"Eine Suchanfrage bei Google ersetzt nicht Reporter vor Ort", lobte Bayerns Medienministerin Ilse Aigner den Einsatz der Jungjournalisten und nahm damit auch Verleger und Senderchefs in die Pflicht. "Guter Journalismus hat Zukunft", sagte sie. 

T-Shirt statt Hoodie: Löst Plöchinger einen neuen Hype aus? 

Besondere Aufmerksamkeit zog eine Kurz-Laudation von Süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger auf sich, der neben Kollegen wie "Stern"-Chef Dominik Wichmann oder n-tv-Geschäftsführer Hans Demel in der Jury saß. Bei der laufenden hausinternen Diskussion um seinen möglichen Aufstieg in die "SZ"-Chefredaktion und die angemessene Würdigung von Online-Journalismus wollte er kein Öl ins Feuer gießen.

Deswegen erschien er auf der Abendveranstaltung auch nicht im Kapuzen-Sweater ("Hoodie"), sondern angemessen leger - im T-Shirt. "Man muss nicht jeden Hype mitmachen", sagte Plöchinger.

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