Unterhaltung auf zwei Kanälen: ZDF erprobt mit Thriller "App" ein Second-Screen-Programm

01.04.2014
 
 

Das ZDF beschäftigt sich am 26. Mai in einer zweiteiligen Doku intensiv mit den Folgen der Digitalisierung. Gleichzeitig erprobt sich der Sender um 22:15 Uhr mit dem thematisch passenden niederländischen Thriller "App" auf dem Gebiet der Second-Screen-Angebote. Während des Films können Zuschauer zusätzliche Infos und Geschehnisse auf ihrem Smartphone mitverfolgen.

Dass sich intelligente Computer-Technologien verselbständigen und gegen ihre Schöpfer richten, ist kein neues Thema. Doch verleihen ihm Smart-Wear-Produkte sowie der zunehmende Einsatz von Algorithmen im Alltag eine mulmige Aktualität. Daher will sich das ZDF am 26. Mai in einer zweiteiligen Doku intensiv mit den Folgen der Digitalisierung beschäftigen. Gleichzeitig erprobt sich der Sender um 22:15 Uhr mit dem thematisch passenden niederländischen Thriller „App“ auf dem Gebiet der Second-Screen-Angebote.

In dem 90-Minüter erwacht die Studentin Anna (Hannah Hoekstra) nach einer durchzechten Nacht nicht in den Armen eines Fremden, dafür  neben „Iris“, einer unbekannten App auf ihrem Smartphone. Zu Beginn mimt das Programm noch den nützlichen Begleiter und beantwortet per Sprachsteuerung hilfsbereit Annas Fragen. Mit der Zeit entpuppt sich die App jedoch als brutaler Henker: Sie setzt Schwimmbecken unter Strom, bringt einen Fahrstuhl zum Absturz und treibt einen Dozenten in den Suizid, indem sie seine Affäre mit einem Studenten aufzeichnet und das Video in den Äther sendet.

Trailer zum Film

Während des Thrillers können Zuschauer zusätzliche Infos und Geschehnisse auf ihrem Smartphone mitverfolgen. Hierfür muss die „App – Der Film“-App auf einem iOS- oder Android-Gerät installiert werden. Anschließend verkündet sie durch zweimalige Vibration, wenn der Zuschauer sein Augenmerk auf sie richten soll. Häufig sind Chat-Verläufe zwischen Charakteren zu sehen, oder das Affären-Video spielt nicht nur auf den Handys sämtlicher Studenten, sondern auch bei den Zuschauern ab. Nähe zu den Filmereignissen soll das aufbauen und die Bedrohung durch die „Iris“-App verstärken. Allerdings gelingt das nur mäßig. Zu unbedeutend sind die Info-Häppchen auf dem Smartphone, die zum Verständnis des Films nicht zwingend benötigt werden. Und zu vorhersehbar sind Schockmomente wie der letzte: Die „Iris“-App kündigt auf dem Smartphone an, man werde ihr nächstes Opfer sein.

Obwohl der Einsatz des Second Screens noch sehr angestrengt und wenig sinnvoll daherkommt, ist damit ein erheblicher Aufwand beim ZDF verbunden. Zwar habe man sich nicht an der Produktion des Thrillers beteiligt, der in den Niederlanden im Kino zu sehen war. „Aber auch die Übersetzung der App war sehr aufwendig und arbeitsintensiv“, sagte Doris Schrenner, Verantwortliche Redakteurin der Hauptredaktion Spielfilm, bei einem Pressegespräch in Berlin. Die Übersetzung aus dem Niederländischen habe sich als schwierig erwiesen. Zahlreiche Bugs hätten ausgebessert werden müssen. Zudem werde es eine noch eine spezielle Schulung der Zuschauerredaktion geben, damit sie im Fall von App-Problemen aushelfen könne. „Das bedeutet, dass wir das jetzt nicht häufig machen werden.“

Ob sich der Aufwand lohnt, wird das ZDF nicht detailliert messen können: Über den App-Hersteller Service2Media werde man lediglich die Download-Zahlen über den iTunes- und Play-Store in Erfahrung bringen können. Wie die App anschließend genutzt wird, könne nicht erhoben werden. Denn damit der Zuschauer die Zusatzinfos nicht nur live während der Sendung, sondern auch beim nachträglichen Anschauen des Thrillers bekommen kann, läuft die App vollständig offline und sendet keine Daten an einen Server. Damit hält sich das ZDF sachgerecht an ihre Datenschutzrichtlinien. Ob die Investition in weitere solcher Projekte aber sinnvoll sein könnte, müsse man irgendwie anhand der Interaktionen von Zuschauern auf den Social-Media-Kanälen ablesen.

Autor: Mark Heywinkel

 

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