"Der Knastarzt" im kress-Check: Mit einem deutschen Dr. House hinter RTL-Gittern

 

Er kann einen Luftröhrenschnitt mit dem Küchenmesser und einer ungekochten Penne-Nudel durchführen. Und so langsam lernt er auch, dass man im Zweier-Zimmer hinter schwedischen Gardinen nicht immer gleich Fragen stellt. Dr. Tobias Falk (Bernhard Piesk) ist eigentlich ein dufter Typ - nur eben wegen Mordes verurteilt. Zu Unrecht, natürlich. Mit der sechsteiligen Serie "Der Knastarzt" versucht es RTL am Donnerstag noch einmal.

Er kann einen Luftröhrenschnitt mit dem Küchenmesser und einer ungekochten Penne-Nudel durchführen. Und so langsam lernt er auch, dass man im Zweier-Zimmer hinter schwedischen Gardinen nicht immer gleich Fragen stellt. Dr. Tobias Falk (Bernhard Piesk) ist eigentlich ein dufter Typ - nur eben wegen Mordes verurteilt. Zu Unrecht, natürlich. Mit der sechsteiligen Serie "Der Knastarzt" versucht es RTL am Donnerstag noch einmal.

Verkraftet der Serien-Donnerstag einen weiteren Flop?

RTL hegt weiterhin Hoffnungen, dass sich die deutsche Serie - von "Alarm für Cobra 11" einmal abgesehen - auf dem schwierigen Donnerstagabend-Sendeplatz resozialisieren lässt. Zuletzt waren dort "Doc Meets Dorf" sowie der Flop "Schmidt - Chaos auf Rezept" nicht wirklich erfreulich gelaufen.

Jetzt darf sich die Koproduktion von ITV Studios Germany und Twenty Four 9 Films bewähren. Los geht's mit einer Pilotfolge, danach sind fünf reguläre Ausgaben zu sehen. Produzent ist Philipp Steffens, der zum 1. März die Nachfolge der geschassten Barbara Thielen antrat.

Um was geht's? Im zackigen Holterdipolter-Stil erfährt man kurz, dass der durchaus liebenswürdige, wenn auch arg Yuppie-eske Nobel-Arzt wegen einer Intrige vor Gericht kommt. Er hatte einer sterbenskranken Reichen Sterbehilfe geleistet, die rachsüchtigen Erben zeigten ihn an und schoben ihm niedere Motive unter.

Fast alle Knast-Wiedererkennungsmomente sind versammelt

Einmal angekommen in der JVA - real gedreht in der Düsseldorfer "Ulmer Höh" - plappert Falk ständig davon, dass er umgehend frei kommen werde, weil sein Anwalt auf Bewährung plädiere. Wie jeder Knast-Kenner - vor allem die durch TV-Serien geschulten - weiß, ist dies ein peinlich naiver Versuch, sich in die eigne Arzttasche zu lügen. 

Natürlich wird es für den Mediziner erst einmal haarig. Er muss - Uli-Hoeneß-Fans bitte kurz weghören - mit einem glatzköpfigen Brutalinski die Zelle teilen, gerät mit latent sadistischen Schließern in Konflikt. Und irgendwann geht's natürlich auch zum Duschen. 

Und doch verschafft sich Falk schnell Respekt. Er ist eben doch ein Mann vom Fach - und von entsprechender Standes-Moral. So macht er sich schnell in der Anstalts-Krankenabteilung nützlich. Dort wird er von der Anstaltsleiterin Katja Herwald (Clelia Sarto) einer - zum Glück ziemlich attraktiven - Krankenschwester (Laura Osswald) vor die Nase gesetzt und soll im juristischen Halbdunkel hinter Gittern medizinisch aushelfen. 

"Hinter Gittern" trifft auf "Dr. House"

Unterm Strich ergibt sich so eine etwas kuriose Mischung aus durchaus ruppigem Knast-Drama und einer Arztserie vom bemühten "Dr. House"-Schlag. Immerhin muss Falk unter ziemlich schwierigen Bedingungen praktizieren. Die Patienten lügen noch mehr als in der US-Serie. Und gefährliche Rauschgifte sind allgegenwärtig. 

Nach dem glücklosen Piloten für eine mögliche "Medcrimes - Nebenwirkung Mord"-Serie, die damals Krimi- und Krankenhaus-Serienmuster mischte, kommen beim ehemaligen "Hinter Gittern"-Sender zwei weitere beliebte Muster zusammen. Ob sie vom Publikum, auch demjenigen Teil, der keine allzu hohen Erwartungen an Plausibilität stellt, so angenommen werden, darf allerdings bezweifelt werden.

Das Konstrukt, das auch gelegentlichen Flirts und einer sparsam dosierten Portion Humor, aber ziemlich wenig echter Action Halt geben muss, wirkt ziemlich konstruiert. Und nicht endlos belastbar. 

"Der Knastarzt", ab Donnerstag, 3. April, 21:15 Uhr bei RTL.

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