Lob und Kritik füt Tom Buhrow: ProQuote bemängelt "Herren-Talks mit Alibi-Dame"

 

Ganz ohne Kritik geht's eben nicht: Beim Antrittsbesuch von ProQuote beim WDR lobte die Journalistinnen-Initiative Tom Buhrow zunächst, weil dieser "entscheidende Posten im Sender mit Frauen nachbesetzt" hat – die Hörfunkdirektion, die Chefredaktion Fernsehen.

Ganz ohne Kritik geht's eben nicht: Beim Antrittsbesuch von ProQuote beim WDR lobte die Journalistinnen-Initiative Tom Buhrow zunächst, weil dieser "entscheidende Posten im Sender mit Frauen nachbesetzt" hat – die Hörfunkdirektion, die Chefredaktion Fernsehen. Der Frauenanteil auf den obersten journalistischen Führungsebenen liege ab Mai bei 35,3% – deutlich höher als bei den meisten ARD-Anstalten. Manche untere Ebenen sind da männerdominierter.

Einen Tadel gab's dann, aber weil von den sieben Hauptabteilungsleitern Fernsehen nur zwei weiblich seien, bei den Abteilungsleitern Hörfunk stehe es elf zu vier, kritisierte die Vorsitzende der Journalisteninitiative, Annette Bruhns.

Die Forderung von ProQuote, jede Hierarchieebene mit mindestens 30% Frauen zu besetzen, könne der Sender bis 2017 wohl noch nicht ganz erreichen, so der WDR-Chef. Das kürzlich von NDR-Intendant Lutz Marmor verkündete Fernziel, dass Männer und Frauen je zur Hälfte führen, teile er aber. "50% ist ein anzustrebendes Ideal", sagte Buhrow. "Der WDR hat sich immer als fortschrittlicher Sender verstanden. Hier gab es schon Chefinnen, als ich 1985 als Volontär anfing, und viele Mitarbeiter mit Migrantenhintergrund." Das sei auch gut so, bekräftigte Buhrow: "Vielfalt dient der Qualität."

"Überall erklären Männer die Welt"

Ein weiterer Kritikpunkt von ProQuote war es, dass sich WDR und ARD für die Zuschauer "häufig noch reichlich männlich" präsentieren. "'Monitor', 'Bericht aus Berlin' oder Brüssel, 'Brennpunkte' – überall erklären Männer die Welt", sagte Bruhns und fragte: "Fällt das den Machern des Ersten nicht auf?" Buhrow: "Monitor wurde viele Jahre von Sonia Mikich moderiert, die als neue WDR-Chefredakteurin auch künftig auf dem Bildschirm präsent sein wird. Und ich habe gerade die NDR-Kollegin Susanne Stichler in einem Brennpunkt zu dem verschwundenen Flugzeug gesehen."

Als nachahmenswert empfahl ProQuote die Quotierung von Talkshow-Teilnehmern wie beim WDR-"Presseclub". In der Regel sitzen zwei Frauen und zwei Männer in der Journalistenrunde. Bruhns: "Daran sollten sich Herren-Talks mit Alibi-Dame wie etwa 'Hart aber fair' oder 'Günter Jauch' ein Beispiel nehmen." Buhrows Antwort: "Wir gucken dank der zwei Intendantinnen innerhalb der ARD genauer auf dieses Problem. Das hilft uns Männern in der Runde, noch sensibler zu werden."

Auf "frauTV" als einzige Frauensendung innerhalb der ARD ist Buhrow stolz. "'FrauTV' wird inzwischen zu 37% auch von Männern gesehen." Vielleicht liege dies an einer geschlechtersensiblen Berichterstattung, mit der etwa auch die "Zeit" in Zeiten der Printkrise großen Erfolg habe. "Männer reduzieren Sachthemen eher mal darauf, wessen Stuhl wackelt und wer davon profitiert. Ich bekomme mit, dass Frauen in meinem Umfeld das stinklangweilig finden – sie interessiert mehr die Sache an sich und deren Folgen für die Gesellschaft", so Buhrow.

Warum Buhrow in der Intendanz nur männliche Journalisten beschäftige – seinen Leiter und vier Referenten, fragte Bruhns zum Schluss. "Gegenfrage: Wäre Ihnen lieber, ich hätte eine Direktorin weniger und eine Referentin mehr?"

Ihre Kommentare
Kopf
Wolf-Dieter Roth

Wolf-Dieter Roth

- Freiberuflich tätig -
freier Journalist

08.04.2014
!

Hm, die letzte Intendantin war eine solche, ist dann aber den Härten der Anstalt nicht gewachsen gewesen, und die stellvertretende Intendantin ist leider auch eine solche - leider, weil sie machthungriger ist als mancher Mann und es "unverschämt" fand, dass meine Lebenspartnerin ihr nicht eine für mich geschickte E-Mail aushändigen wollte.

Von daher verstehe ich die Kritik der Quotenfrauen nicht, auch wenn es sicher für das Programm besser ist, es wird beim Fernsehen auf Frauen- als Zuschauerqu


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