Mehr Selbstbewusstsein, weniger feine Zurückhaltung: Petra Winter hübscht "Madame" im Relaunch auf

 

Seit knapp 100 Tagen zieht die Ex-"Cosmopolitan"-Chefredakteurin und ehemalige stellvertretende "Bild"-Chefin Petra Winter beim Medweth-Magazin "Madame" die selbstverständlich edel gearbeiteten Strippen. Nun legt die Katrin-Riebartsch-Nachfolgerin mit dem Alles-neu-Mai-Heft ihre erste Relaunch-Ausgabe vor. Eine beherzte, selbstsichere Botschaft an "Harper's Bazaar" & Co.

Seit knapp 100 Tagen zieht die Ex-"Cosmopolitan"-Chefredakteurin und ehemalige stellvertretende "Bild"-Chefin Petra Winter beim Medweth-Magazin "Madame" die selbstverständlich edel gearbeiteten Strippen. Nun legt die Katrin-Riebartsch-Nachfolgerin mit dem Alles-neu-Mai-Heft ihre erste Relaunch-Ausgabe vor. Eine beherzte, selbstsichere Botschaft an "Harper's Bazaar" & Co.  

Erster großer Relaunch seit zehn Jahren

Fast ein Jahrzehnt nach dem letzten großen "Madame"-Relaunch, damals unter der heute noch amtierenden Art Directorin Kathrin Wirtz, der dem Magazin 2006 sogar einen Lead Award als bestes monatliches Frauenmagazin Deutschland einbrachte, hat die neue Chefredaktion nun Hand angelegt. Und das parallel zum laufenden Betrieb und den vielen Fashion Weeks der vergangenen Wochen. "Wir hatten nur vier Wochen Zeit", sagt Petra Winter im Rückblick. Die März- und April-Ausgaben verantwortete sie zwar, konnte ihren eigenen Stil aber noch nicht umsetzen.

"Ich bin froh, dass uns so ein aufwändiger Relauch im eigenen Haus gelungen ist", sagt sie nun. Engstens involviert in die Arbeiten für den durchaus beeindruckenden frischen Look des Mai-Magazins (EVT: 16. April) war erneut Kathrin Wirtz. Gemeinsam kleideten sie die "Madame", die nun den neuen, selbstbewussten Namenszusatz "Madame - Das Luxusmagazin. Sophisticated Fashion & Luxury since 1952" trägt, zeitgemäß edel ein. Sie sortierten die Strecken neu, gewichteten die Optik spannungsreicher, führten Serifen-, aber auch Hand-Schriften ein - und etablierten neue Rubriken.

"Dynamik, Emotionalität und Sinnlichkeit" 

Oberster Gesichtspunkt war dabei, etwas weg zu kommen von einer vermeintlichen Distanziertheit und Kühle, die der Traditionstitel zuvor ausgestrahlt hatte. "Dynamik, Emotionalität und Sinnlichkeit" - das sind die Leitprinzipien, die Petra Winter für den Relaunch wichtig waren. "Und die gelten nicht nur für das Cover, sondern für das ganze Heft." Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass die Dramaturgie der Strecken - darunter in unterschiedlichen Aufmachungen fotografierte Mode-, sowie opulente Reise-, Kunst- und Schmuck-Strecken als den klassischen "Madame"-Stärken - deutlich abwechslungsreicher gestaltet ist. 

Neu eingeführt hat Petra Winter unter anderem die Rubrik "Lunch mit...", für die sie sich selbst zu einem warmherzigen, weitgehend phrasenfreien Gespräch mit der Schauspielerin Iris Berben zusammensetzte - "ohne PR-Aufpasser", wie die Chefredakteurin betonte. Nicht die einzige Stelle im Magazin, an der Petra Winter selbst in die Tasten griff - einmal abgesehen von dem Obligatorischen, wie einem deutlich ruhiger, aber auch prominenter gestaltetem Editorial.

Gute Beziehungen zu Claudia Schiffer spielen lassen

Für das tatsächlich "dynamische" Cover konnte sie mit Claudia Schiffer ein Supermodel für die "Madame"-Leserinnen, die im Durchschnitt rund 45 Jahre alt sind, gewinnen. Ehrensache, dass die Showbiz-erfahrene Chefredakteurin "La Schiffer" auch selbst noch mehrseitig portraitiert. "Ich kenne sie ja ganz gut von 'Fashion Hero'", sagt Petra Winter und spielt damit auf die ehemalige gemeinsame ProSieben-Sendung an.

Künftig sollen sich immer wieder auch für Nicht-Fachleute gut wiedererkennbare Models auf dem Titel wiederfinden. Darunter auch gerne jüngere Mädchen - auch mit Blick auf ein erweitertes Publikum. "Natürlich hoffe ich auch, jüngere Leserinnen zu gewinnen", sagt Petra Winter.

Etwas "jünger" wirkt auch die neue Idee, abwechselnd drei Food-Blogger die entsprechenden Genussstrecken hinten im Heft bestreiten zu lassen. Sie entwerfen Rezepte, die ansprechend, aber ein wenig anders als der klassisch-luxuriöse Haubenkoch-Stil präsentiert werden. Von einer Instagram-Optik spricht Petra Winter, die auch ein wenig "die digitale Welt ins Blatt holen" möchte. Sie selbst twittert übrigens regelmäßig - als "Madame Petra" selbstverständlich.

Reflexives und ein Business Talk mit Bettina Wündrich

Vielleicht als Gegengewicht fürs Junge-Gemüsige gibt es ab sofort auch jeweils ein längeres, anspruchsvolles Lese-Stück in der Rubrik "Reflexion". Zum Auftakt widmet sich Wolf Reiser der Liebe zur deutschen Sprache. Auf die Strecke, die sich "nicht einfach so weglesen soll", ist Winter erkennbar stolz. Ebenfalls ein Neuzugang von Gewicht ist die Rubrik "Business Talk". Sie soll künftig von Gast-Autorin Bettina Wündrich bestritten werden. "Es soll ein Heft sein, das zum Lesen anregt und nicht nur Daumenkino ist", meint die Chefredakteurin.

Alles in allem wirkt das Relaunch-Projekt überzeugend - und sicher nicht zu rabiat. "Man versucht die Grundstruktur eines Gebäudes zu erhalten", sagt Winter und wählt das Architektinnen-Bild. "Jeder, der es betritt, soll sich sofort wieder zurecht und gleich das Wohnzimmer finden. Was wir ändern, ist die Dekoration." 

Sich selbstbewusst wieder in attraktives Licht zu rücken, kann nicht nur Winter perfekt. Es steht auch der "Madame" gut zu Gesicht. Von einer feinen Dame, die zuletzt vielleicht etwas zu zurückhaltend war und ihre Reize nicht so gern besonders erwähnte, spricht Petra Winter im Rückblick. Nun gilt die Devise: "Wir haben versucht, die Qualitäten, die wir schon haben, durch eine verschönerte Optik, bestens zur Geltung zu bringen." 

Online-Relaunch folgt im Herbst

Spätestens im Herbst soll auch "Madame.de" nach einem eigenen Relaunch strahlen - und weniger tief stapeln. Dafür holte Petra Winter das bislang externe Online-Team in die Redaktion.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.