Wie es der Presserat einmal nicht so genau wissen wollte: Vom Umgang mit einer Beschwerde gegen den "Playboy"

 

Geht der Presserat Hinweisen auf Verstöße gegen den Pressekodex immer mit der gebotenen Konsequenz nach? Der Umgang mit einer Beschwerde gegen den "Playboy" weckt Zweifel daran.

Geht der Presserat Hinweisen auf Verstöße gegen den Pressekodex immer mit der gebotenen Konsequenz nach? Der Umgang mit einer Beschwerde gegen den "Playboy" weckt Zweifel daran.

Das Männermagazin hat im vergangenen Jahr in Ausgabe 8/2013 auf seiner Stil-Seite ein Interview mit dem Hautarzt Marcus Maurer von der Berliner Charité über die Vorzüge der "kühlenden Trockenrasur" veröffentlicht. Der Mediziner empfahl darin explizit einen Rasierer, den neuen "Cool Tec" der Firma Braun. Ein Foto des Apparates war groß mit Preisangabe (ca. 180 Euro) neben dem Interview abgebildet.

Die W+D Beratungs- und Entwicklungs GmbH aus Berlin legte daraufhin beim Presserat Beschwerde wegen eines möglichen Verstoßes gegen Ziffer 7 des Pressekodex ein, der die Trennung zwischen Werbung und Redaktion vorschreibt. Doch die Vorsitzende des zuständigen Beschwerdeausschusses wies die Beschwerde zunächst als unbegründet zurück.

Ausschlaggebend dafür war eine Stellungnahme von Florian Boitin, dem Chefredakteur des "Playboy". Er habe darin überzeugend dargelegt, "dass im vorliegenden Fall ein öffentliches Interesse an der Berichterstattung einen möglicherweise entstehenden Werbeeffekt für den Hersteller des Rasierers überlagert", so die Vorsitzende des Beschwerdeausschusses. Grund dafür sei "in erster Linie die Tatsache, dass es sich bei dem Rasierer offensichtlich um das erste Produkt auf dem Markt handelt, das die Haut vor dem Rasieren kühlt". Insofern bestehe "ein Alleinstellungsmerkmal, das eine redaktionelle Vorstellung des Rasierers rechtfertigt".  Außerdem erläutere ein "Experte" auf "sachliche Art und Weise", wo die Vorteile einer Kühlung der Haut vor der Rasur liegen.

In die Vermarktung eingespannt

Mit dem "Experten" hat es allerdings eine Bewandtnis: Boitins Behauptung, Hautarzt Maurer stehe in keiner Beziehung zur Firma Braun ist leicht widerlegbar. Hans-Joachim Maes, Geschäftsführer der W+D Beratungs- und Entwicklungs GmbH, legte daher Einspruch gegen die Abweisung seiner Beschwerde ein. Er machte den Presserat darauf aufmerksam, dass der Dermatologe in die Vermarktung des Rasierers "eingespannt" sei. Durch Googeln sei das leicht feststellbar: Maurer taucht nämlich auch auf Websites des Herstellers Braun als Experte auf, z.B. hier.

Der Beschwerdeausschuss hatte ein Einsehen und gab Maes' Einspruch statt. Das Gremium wird nun in einer Sitzung am 3. Juni über den Fall entscheiden. Ein Internetanschluss ist dann hoffentlich vorhanden.

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Kopf
Dorin Popa

Dorin Popa

Redaktionsbüro Dolce Rita
Freier Journalist

16.04.2014
!

In einem anderen Fall, bei dem die Abendzeitung mit dem Hofbräuhaus redaktionell zusammenarbeitete, lehnte der Presserat eine Beschwerde kit folgender aparten Begründung ab:
„Die Benennung von Biermarken stelle im Übrigen gegenüber den Münchnern und anderen bayerischen Lesern keine Werbung dar, da die Marken diesen Lesern bereits seit Kindesbeinen geläufig seien.“


Ulf J. Froitzheim

16.04.2014
!

Das hat Tradtion. Vor etlichen Jahren hatte ich mich über eine "jetzt"-Ausgabe beschwert, die auf die CI eines Elektromarkts getrimmt war, und über Lifestyle-/Modestrecken im SZ Magazin, die wie Produktkataloge daherkamen, samt Preis und Bezugsquelle. Der Presserat wand sich und rang sich eine pseudojournalistische Rechtfertigung ab, dünn wie Pergament. Seitdem nehme ich dieses Gremium nicht mehr ernst, was Ziffer 7 betrifft. Es muss ja immer mindestens ein Verleger für eine Rüge stimmen.


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