Ganz junge Zielgruppe im Fokus: UFA investiert Millionensumme in Youtube-Stars

16.04.2014
 
 

Schminktipps, Streiche, Parodien: Das Universum deutscher Youtube-Formate ist bunt. Semiprofessionelle Clips verbuchen Hunderttausende Abrufe in einer sehr jungen Zielgruppe. Während die Zuschauer langsam erwachsen werden, wird es auch zunehmend das Medium: Mit der UFA steckt jetzt ein deutscher Fernseh- und Filmproduzent Millionen in diesen Markt.

Schminktipps, Streiche, Parodien: Das Universum deutscher Youtube-Formate ist bunt. Semiprofessionelle Clips verbuchen Hunderttausende Abrufe in einer sehr jungen Zielgruppe. Während die Zuschauer langsam erwachsen werden, wird es auch zunehmend das Medium: Mit der UFA steckt jetzt ein deutscher Fernseh- und Filmproduzent Millionen in diesen Markt.

Von einer siebenstelligen Summe pro Jahr sprach Jens-Uwe Bornemann, der Chef der Digitalabteilung UFA Lab, bei der Präsentation des "shootrs" getauften Programms in Berlin am Mittwoch. Es ist zunächst auf fünf Jahren angelegt. Zusammen mit den Online-Video-Spezialisten von Divimove sollen bekannte Youtuber professioneller vermarktet und frische Talente aufgebaut werden. An der inhabergeführten Firma Divimove ist die FremantleMedia/UFA seit September mit 26 Prozent beteiligt. Die von ihr betreuten Kanäle kommen nach eigenen Angaben auf 300 Millionen Views im Monat. Der UFA-Mutterkonzern FremantleMedia hat mit international 140 Kanälen sieben Milliarden Views im vergangenen Jahr erzielt.

Für die einzelnen Kanäle im "shootrs"-Programm will Bornemann besonders am Audience Development arbeiten, also mehr Fans binden und Reichweite aufbauen: "Wir haben gelernt, dass Youtube eigene Regeln hat. Youtube ist ein soziales Netzwerk und nicht eine Online-Video-Plattform." Die Videos sind deshalb persönlicher, im Mittelpunkt steht stets der Präsentator, erst dann kommt der Inhalt. Um die Form der Präsentation zu professionalisieren öffnet die UFA ihre Studios in Berlin und Köln. Sie stehen den Stars künftig für Clip-Produktionen zur Verfügung.

Vermarktungsprofis arbeiten eng mit Content-Produzenten

Philip Werner, Manager Online Business & Strategy bei der UFA Fiction, erläutert: "Wir sehen uns selbst als Coaches, die den Talenten zeigen: wie produziert man in einem Studio, wie produziert man nicht nur mit der Webcam am Computer, sondern mit professioneller Technik." UFA und Divimove haben dazu ein Team zusammengestellt, das zwar in getrennten Büros, aber dennoch Hand in Hand arbeiten soll. Auch die Vermarktung läuft überwiegend über hausinterne Experten. Bornemann sagt: "Wenn man mit Talenten arbeitet, muss die Vermarktung nah an den Talenten sitzen."

Geld verdienen werden UFA und Divimove über klassische Werbespots, also Pre-Roll Ads vor dem Film, aber eher wenig, wie Bornemann schätzt. "Wir müssen da die passende Form für Online-Video noch finden", sagt er. Die Vermarkter werden deshalb auch Formen von Product Placement und Sponsoring ausprobieren - wohlwissend, dass sie sich auf einem schmalen Grat bewegen. Erst jüngst erhob das ARD-Politmagazin "Report Mainz" Schleichwerbevorwürfe gegen Mediakraft Networks, ein direkter Konkurrent von Divimove. Die Trennung zwischen Inhalten und der Werbung sei wichtig, sagte Divimove-Geschäftsführer Philipp Bernecker und verwies zugleich auf praktisch nicht vorhandene Regeln für die Welt der Online-Videos.

Nicht "die Seele verkaufen" für Schleichwerbung

Beschränkungen ergäben sich aber auch von selbst, ergänzte Steffen Mössner, der als Docm77 schon zu den etablierten Youtube-Filmern gehört. Sein Kanal zählt 72 Millionen Videoabrufe. Würde er zu offensiv Werbung platzieren, leide seine Glaubwürdigkeit unter den Fans, sagte Mössner. "Wenn man ein Video macht, musst du ein Verantwortungsgefühl haben und keinen Scheiß machen." Kinder und Jugendliche wendeten sich täglich mit persönlichen Problemen an ihn und schauten zu ihm als eine Art großer Bruder auf. "Bei uns auf der Youtube-Plattform würde keiner seine Seele verkaufen für ein Produkt."

Neben Docm77 sind auch diese Youtuber mit ihren oft sehr schrillen Clips ein Teil des "shootrs"-Programms:

- Kim Gloss: Die einstige Kandidatin bei "Deutschland sucht den Superstar" und der RTL-Dschungelshow machte Probeaufnahmen im UFA-Studio. Sie will künftig auch über Video mit ihren Fans kommunizieren, ihre Facebook-Seite gefällt 870.000 Nutzern.

- Kollegah: Der Kanal Bosshaft TV des Rappers ist unter den 1300 von Divimove betreuten der zurzeit am schnellsten wachsende. Seine Zuschauer unterhält Kollegah unter anderem durch Straßenvideos mit der versteckten Kamera.

- Celo & Abdi: Das Frankfurter Rapper-Duo unterhält vor allem mit flotten Sprüchen für eine ganz bestimmte Zielgruppe. Sätze wie "Die Jugend von heute ist doch gefickt, Alter", treffen nicht jedermanns Geschmack - die Nutzer interagieren aber fleißig mit den beiden und stellen Dr.-Sommer-Fragen wie: "Mein Typ ist fremdgegangen, soll ich jetzt ihr eine klatschen oder ihm?" 

- "MrHelferSyndrom": Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Berliner Student, der im anspruchsvolleren Segment unterwegs ist und seinen Zuschauern Technik-Tipps und Produkttests präsentiert.

Der durchaus unterschiedlichen Reaktionen ist sich auch der UFA-Verantwortliche Bornemann bewusst: "Manche lachen bei dem einen Video, andere finden es grausam. Aber genau das ist das Ziel. Wir wollen ganz unterschiedliche Sachen machen." Die ersten Pilotfolgen seien bereits eine Million Mal geklickt worden.

Autor: Jens Twiehaus

 

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