DJV sorgt sich um Renommee der Auszeichnung: "Der Henri-Nannen-Preis ist keine NS-Devotionalie"

26.05.2014
 

Der Deutsche Journalisten-Verband zeigt sich besorgt um das Renommee des Henri-Nannen-Preises. Anlass ist die Ankündigung des Preisträgers Jacob Appelbaum, die Preisbüste wegen Henri Nannens Vergangenheit einschmelzen zu lassen. "Der Henri-Nannen-Preis ist eine der höchsten Auszeichnungen für herausragende journalistische Leistungen und keine NS-Devotionalie", erklärte DJV- Bundesvorsitzender Michael Konken.

Der Deutsche Journalisten-Verband zeigt sich besorgt um das Renommee des angesehenen Henri-Nannen-Preises für investigativen Journalismus. Anlass ist die Ankündigung des Preisträgers Jacob Appelbaum, die Preisbüste wegen Henri Nannens Vergangenheit einschmelzen zu lassen (kress.de berichtete). "Der Henri- Nannen-Preis ist eine der höchsten Auszeichnungen für herausragende journalistische Leistungen und keine NS-Devotionalie", erklärte DJV- Bundesvorsitzender Michael Konken.

Die Rolle des "stern"-Gründers im Dritten Reich sei seit langem bekannt und erforscht. "Nannen hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er in das NS-Regime verstrickt war. In der Bundesrepublik hatte er wegweisenden Anteil am Aufbau des kritischen und der Demokratie verpflichteten Journalismus."

Der DJV-Vorsitzende Konken appellierte an Jacob Appelbaum, Nannens Verdienste für den Journalismus nicht außer Acht zu lassen. Es sei darüber hinaus schwer nachvollziehbar, dass Appelbaum öffentlich über das Einschmelzen der Preisbüste nachdenke, die er gemeinsam mit neun weiteren Journalisten erhalten habe. "Für die Würdigung besonderer journalistischer Leistungen muss es auch künftig einen angesehenen Preis geben."

"Henri Nannen war kein Nazi"

Stephanie Nannen, Enkelin und Biografin des "stern"-Gründers, schreibt in einem Statement, das im "Tagesspiegel" erschienen ist: "Henri Nannen war kein Nazi. Er war ein unvoreingenommener Denker und er wurde zum Teil eines mörderischen Systems, kein Mitgestalter. Und er setzte sein ganzes weiteres Leben gegen diese Feigheit. Sein Leben als Journalist. Als Journalist war Henri Nannen jemand, der jeden Buchstaben darauf verwandte, dass Freiheit, Pressefreiheit vor allem nicht nur leere Worte waren. Er kämpfte mit seinem Freund Rudolf Augstein dafür, dass die Freiheit des Wortes und der Gedanken in Deutschland – und darüber hinaus – lebendig wurden. Also ganz im Sinne Jacob Appelbaums." Dass der Nannen-Preis heute noch so polarisiere wie ihr Großvater zu Lebzeiten, sei für sie Zeichen, dass Nannens Kraft und Mut zur Diskussion und zum Widerspruch weiterwirkten, so Stephanie Nannen. Die Journalistin und Autorin hat 2013 das Buch "Henri Nannen: Ein Stern und sein Kosmos" veröffentlicht.

Ihre Kommentare
Kopf

Tek Berhe

27.05.2014
!

Ich habe sowieso nie verstanden warum es nicht mehr Egon-Erwin-Kisch-Preis geheissen hat.


Dittsche

29.05.2014
!

Ein Preisträger beleidigt dessen Stifter und dem DJV fällt nichts Besseres ein, als dem Unflätigen hinterherzulaufen? Gruner + Jahr sollte Appelbaum den Preis wieder aberkennen, weil er sich dessen als nicht würdig erwiesen hat. Die Enkelin ihrerseits sollte sich nicht für ihren Großvater rechtfertigen. Dessen Position und Verdienste sind bekannt und sprechen für sich. Erst diese devoten Reaktionen entwerten und beschädigen den Preis. Appelbaums Schmierentheater verdient tiefste Missachtung.


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