Di Lorenzo zur Berichterstattung der Medien: "Wir neigen dazu, jedes Maß zu verlieren"

29.05.2014
 

In der St.-Michaelis-Kirche in Hildesheim hat Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit", am Mittwochabend einen Vortrag gehalten. Thema: "Die Macht der Medien in Deutschland". Anlass war der Jahresempfang des evangelischen Kirchensprengels Hildesheim-Göttingen. Wie epd berichtet, rief di Lorenzo seine Berufskollegen zu mehr Verhältnismäßigkeit in der Berichterstattung auf.

In der St.-Michaelis-Kirche in Hildesheim hat Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit", am Mittwochabend einen Vortrag gehalten. Thema: "Vierte Gewalt oder fiese Gewalt? Die Macht der Medien in Deutschland". Anlass war des Jahresempfang des evangelischen Kirchensprengels Hildesheim-Göttingen. Wie der Evangelische Pressedienst (epd) berichtet, rief di Lorenzo seine Berufskollegen zu mehr Verhältnismäßigkeit in der Berichterstattung auf. Zugleich entschuldigte sich di Lorenzo erneut für seine zweifache Stimmabgabe bei der Wahl zum Europaparlament.

"Wir neigen dazu, jedes Maß zu verlieren", sagte der Journalist in der Hildesheimer Welterbekirche St. Michaelis vor rund 850 Gästen. Der Aufruf zu mehr Verhältnismäßigkeit sei allerdings "kein Plädoyer für Samthandschuhe", wird di Lorenzo von epd zitiert. "Jeder Journalist sollte selbst entscheiden, wann das Maß voll ist." Dabei dürfe kritisches Denken nicht zur Marotte verkommen. Das schnelle Urteilen über Gut und Böse sei oft viel zu einfach. Eine Aufgabe für die Medien könnte in Zukunft sein, "empathischer und verständnisvoller auf die Menschen zu blicken".

Di Lorenzo selbst ist in dieser Woche stark in die Kritik geraten. Er hatte bei Jauch beiläufig ausgeplaudert, dass er als Doppel-Staatsbürger (deutscher und italienischer Pass) zwei Mal bei der Europa-Wahl abgestimmt habe. Ergebnis: Der Staatsanwalt ermittelt gegen ihn wegen möglicher Wahlfälschung (kress.de berichtete). Manche forderten nach Bekanntwerdens des "Fall di Lorenzo" seinen sofortigen Rücktritt als Chefredakteur, andere verglichen ihn mit prominenten Steuerhinterziehern oder plädierten gar dafür, dass er umgehend ins Gefängnis gehöre. Günther Jauch verteidigte seinen Talkgast: Die Vorwürfe gegen di Lorenzo seien "absurd und gemein", schrieb Jauch in einem Gastbeitrag auf "Bild.de" (kress.de berichtete).

Di Lorenzo sagte dazu - wie epd berichtet - am Rande des Kirchenempfangs in Hildesheim-Göttingen nur so viel: Es sage viel über Medien aus, wenn seine Geschichte öfter im Internet aufgerufen werde als Berichte über manches hochspannende Ergebnis der Europawahl.

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Tobias Loitsch

Tobias Loitsch

HarmonyMinds Media
Herausgeber

31.05.2014
!

Genauso ist es Herr Di Lorenzo.

"Es sagt viel über Medien aus, wenn diese Geschichte öfter im Internet aufgerufen wird als Berichte über manches hochspannende Ergebnis der Europawahl."


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