"Peaky Blinders" im kress-Check: Mittelenglands Böseste aus dem Manufactum-Katalog

 

Wenn er hoch zu Ross durch die Fabrikgassen von Birmingham reitet, weichen die Arbeiter zurück und die Streifenpolizisten salutieren schüchtern. In den Pubs, in denen er seine krummen Dinge plant, gehen die Drinks natürlich aufs Haus. Gangsterboss Thomas Shelby (Cilian Murphy), Anführer der "Peaky Blinders", verschafft sich Respekt. Seine neue Sky-Miniserie erzählt vom Durcheinander der Zwischenkriegszeit.

Wenn er hoch zu Ross durch die Fabrikgassen von Birmingham reitet, weichen die Arbeiter zurück und die Streifenpolizisten salutieren schüchtern. In den Pubs, in denen er seine krummen Dinge plant, gehen die Drinks natürlich aufs Haus. Gangsterboss Thomas Shelby (Cilian Murphy), Anführer der "Peaky Blinders", verschafft sich Respekt. Seine neue Sky-Miniserie erzählt vom Durcheinander der Zwischenkriegszeit.

Tatsächlich terrorisierten ab Ende des 19. Jahrhunderts gewalttätige Banden die düstere mittelenglische Industrieregion. Die titelgebenden Peaky Blinders, benannt nach den Rasierklingen, die sie als letzte Waffe in ihre Kappen eingenäht hatten, sind historisch verbürgt. Serienentwickler und Drehbuchautor Steven Knight will sogar Augenzeugenberichte seines Vaters eingearbeitet haben, der die harten Jungs als kleines Kind noch erlebte. 

Zeitreise in die Unruhen nach dem ersten Weltkrieg

Hinzu kam die Unruhe der Zwischenkriegszeit - mit vielen verletzt, frustriert und gebrochen aus dem Weltkrieg Heimgekehrten, aber auch mit starken gesellschaftlichen Spannungen, Gewerkschaftsprotesten und Versuchen der IRA, auch auf englischem Boden Fuß zu fassen. 

Eine Gemengelage also, die den sechs knapp einstündigen "Peaky Blinders"-Folgen Futter gibt. Shelby und seine Gang organisieren Glücksspiele, pressen mehr oder weniger anständigen Geschäftsleuten Schutzgelder ab, schrecken aber auch vor den großen Dingen - wie einem Einbruch in einer Waffenfabrik der Armee - nicht zurück. 

Kein Wunder, dass schon bald ein mächtiger Gegenspieler auftaucht: Polizeiinspektor Campbell (Sam Neill, "Jurrasic Park") von der No-Nonsense-Truppe RUC in Belfast wird von Winston Churchill als Sonderbeauftragter in die Region gerufen, um im schmutzig-sündigen Black Country durchzufegen. 

Schauwerte wie bei "Downtown Abbey" und "Boardwalk Empire"

"Peaky Blinders" wäre gerne eine UK-Antwort auf "Boardwalk Empire" und eine harte Variante von "Downtown Abbey". Optisch sieht - trotz aller Schmierigkeit - vieles nostalgisch toll aus - wie aus dem Manufactum-Katalog für böse Buben. Allerdings bleibt das Setting für deutsche Zuschauer doch teilweise exotisch fremd - und die Konflikte dadurch blass, dass es kaum Identifikationsmuster gibt.

Streckenweise wird auch noch so behäbig erzählt, dass zu befürchten ist, das warme englische Bier könnte vielleicht sogar noch kalt werden. Originell, allerdings eher stilbrechend irritierend der Soundtrack: "Peaky Blinders" lässt zum historischen Look Songs von The White Stripes, Tom Waits und Nick Cave laufen.

Sky zeigt die BBC-Produktion im HBO-Look ohne inhärenten Seriensuchtfaktor ab Montag, 2. Juni, auf Sky Atlantic HD und über Sky Go.

Wer sich ganz hartes, sicher nicht verhandlungstaugliches Kneipenenglisch antrainieren möchte, der greift auf die Originalfassung zurück. Sechs Folgen gibt es zu sehen, in Großbritannien wird eine zweite Staffel gedreht.

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