"Zieht es durch!": Jakob Augstein macht Krautreportern Mut

11.06.2014
 
 

Der Countdown läuft: Mehr als 9000 von 15.000 benötigten Unterstützern konnte das geplante Online-Magazin "Krautreporter" bislang begeistern. Freitag endet die größte Crowdfunding-Aktion im deutschen Journalismus. Am Dienstagabend läutete die Redaktion in Berlin den Endspurt ein. Ein klares Plädoyer für die 28 Reporter hielt dabei "Spiegel"-Erbe Jakob Augstein. "Ich finde es irre, was erreicht worden ist", sagte der Verleger und Chefredakteur der Wochenzeitung "Freitag".

Der Countdown läuft: Mehr als 9000 von 15.000 benötigten Unterstützern konnte das geplante Online-Magazin "Krautreporter" bislang begeistern. Freitag endet die größte Crowdfunding-Aktion im deutschen Journalismus. Am Dienstagabend läutete die Redaktion in Berlin den Endspurt ein. Ein klares Plädoyer für die 28 Reporter hielt dabei "Spiegel"-Erbe Jakob Augstein. "Ich finde es irre, was erreicht worden ist", sagte der Verleger und Chefredakteur der Wochenzeitung "Freitag".

Augstein stellte die Idee der Krautreporter auf eine Stufe mit der einstigen "die tageszeitung"-Gründung. "Es ist spannend, dass es noch einmal ein Projekt wie die taz gibt, das sich komplett über seine Leser finanziert", sagte er und hob hervor, dass auch 9000 zahlende Unterstützer schon grandios seien. Seine Zeitung "Freitag" habe fünf Jahre gebraucht, um von einer Auflage von 6000 Exemplaren auf 16.000 zu kommen. Die Krautreporter hätten dieses Wachstum innerhalb weniger Tage geschafft. Deshalb ermutigte Augstein die Initiatoren, das Magazin auch zu starten, wenn die 15.000er-Marke verfehlt wird: "Ich würde dafür plädieren – auch wenn es mir nicht zusteht: Zieht es durch!"

Reporter hofft auf das Foto-Finish

Dies jedoch wies Krautreporter-Vordenker Sebastian Esser auf kress-Nachfrage erneut zurück. Das Ziel bleiben 15.000 Unterstützer. Es gebe keinen alternativen Plan, sollte das Projekt scheitern, sagte er und verbreitete weiter Optimismus: "Wir haben in den vergangenen zwei Tagen noch einmal viele Anmeldungen gehabt und am letzten Tag geht sowieso immer das meiste." Doch die Uhr tickt eben nur noch bis zum späten Freitagabend. Fehler seien mit Krautreporter viele gemacht worden, räumte Esser ein. "Um alle aufzuzählen, bräuchte ich zwei Stunden." Doch er plädierte auch dafür, die Grundhaltung beizubehalten, eine Idee einfach einmal auszuprobieren.

Esser sagte aber auch: "Die Leute haben uns teilweise mit Erwartungen überhäuft, die wir nicht alle erfüllen können." Am Ende gehe es eben doch nur um ein Projekt mit dem Volumen von 900.000 Euro. Hier knüpfte auch Augstein an. Er sagte, es sei bemerkenswert, dass die Autoren für künftig jeweils 2.500 Euro Monatspauschale mitmachen wollten. Eigentlich sei es ein Unding, für diese Summe Journalismus zu verlangen. In "Hamburger Verlagshäusern" bewegten sich manche dafür nicht einmal nach draußen, deutete er mit einem Seitenhieb auf "Spiegel" und Co. an.

Esser ärgern die frühen Abgesänge

Rückblickend bedauerte Esser, dass es sehr früh sehr viel negative Kritik gegeben habe. Auch Tage vor Ablauf schon von einem Scheitern der Kampagne zu sprechen sei "natürlich tödlich" für die Idee. Eine breite Front der Kritiker hat den Krautreportern seit jeher das Leben schwer gemacht.

Dass sie mit genau sechs Frauen zu wenig weibliche Reporter im 28-köpfigen Team haben, wie vielfach mokiert wurde, ist tatsächlich eine Nachlässigkeit in Zeiten der Quotendiskussion. Dass sie zu Beginn keinerlei konkrete Beispiele für künftige Recherchen nannten, war ein dummer Anfängerfehler, der einem Projekt von diesem Ausmaß nicht passieren darf. Ebenso verhält es sich mit der Bezahlung für die Mitgliedschaft: Erst auf halber Strecke des Crowdfundings ermöglichten die Krautreporter auch eine Überweisung des 60 Euro Mitgliedsbeitrages über den Ebay-Bezahldienst PayPal.

Dass ihrer Kampagne zu früh die Luft ausging und sie deshalb schnell ausgelutscht daherkam, ist eine weitere Wahrheit, wie Thomas Knüwer festhielt. Doch dass schon Tage vorher Autoren wie Christian Jakubetz eine Analyse des Scheiterns schreiben, ist dem Vorhaben an sich tatsächlich nicht würdig. Am Ende konnten sie doch Tausende potenzielle Leser für sich gewinnen, die offenbar Lust auf guten Online-Journalismus haben.

Autor: Jens Twiehaus

 

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