"Journalisten mussten Ungereimtheiten nachgehen": DJV findet Wulffs Medienschelte überzogen

11.06.2014
 

Christian Wulff hat mit Justiz und Medien wie der "Bild" noch ein Hühnchen zu rupfen. Der Ex-Bundespräsident sagte am Dienstag in Berlin bei der Vorstellungen seines Buches "Ganz oben Ganz unten", dass sich vor seinem Rücktritt 2012 Justiz und Medien die Bälle zugespielt und gegen das Prinzip der Gewaltenteilung verstoßen hätten. Darin liege eine ernste Gefahr für die Demokratie in Deutschland.

Christian Wulff, 54, hat mit Justiz und Medien wie der "Bild" noch ein Hühnchen zu rupfen. Der Ex-Bundespräsident sagte am Dienstag in Berlin bei der Vorstellungen seines autobiografischen Buches "Ganz oben Ganz unten", dass sich vor seinem Rücktritt 2012 Justiz und Medien die Bälle zugespielt und gegen das Prinzip der Gewaltenteilung verstoßen hätten. Darin liege eine ernste Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Sein Beispiel sei "ein Lehrstück" dafür, dass sich in Deutschland Gewichte zu sehr in Richtung Medien verschoben haben.

Wulff sprach laut einem dpa-Bericht von den schlimmsten zwei Jahren seines Lebens und rief zu einer neuen Umgangskultur mit Personen des öffentlichen Lebens auf. Er betonte zugleich, dass er sich stets rechtlich korrekt verhalten habe. Sein Freispruch sei auch ohne Wenn und Aber erfolgt. Das Buch habe er geschrieben, weil ein juristischer Freispruch die mediale Vorverurteilung leider nicht aufwiege.

"Springer kannte kein Pardon"

Zur "Bild"-Zeitung notierte Wulff im zweiten Teil seines Buches unter der Überschrift "Die Jagd": "Das Verhältnis zur 'Bild'-Zeitung wurde durch meine Weigerung, mehr von meinem Privatleben preiszugeben, nicht einfacher." Und weiter: "In der Wahl der Mittel zu meiner Bekämpfung kannte Springer kein Pardon."

Sein wesentlicher Fehler sei gewesen, zu wenig Distanz gewahrt und etwa Urlaube bei Unternehmerfreunden gemacht zu haben, räumte Wulff in Berlin vor rund 200 Journalisten ein. Als Beispiel nennt er den Anruf auf der Mailbox des Handys von "Bild"-Chef Kai Diekmann. Damals hatte Wulff mit Konsequenzen gedroht, falls die Story über seine Hausfinanzierung erscheine - mit dem Kredit war die Affäre ins Rollen geraten. Im Buch veröffentlicht Wulff nun erstmals selbst den Wortlaut des Anrufs bei Diekmann.

Hintergrund: Wulff war am 17. Februar 2012 nach 598 Tagen infolge der Affäre um die angebliche Annahme von Vorteilen als bislang jüngster Bundespräsident zurückgetreten. Das Landgericht Hannover hatte den ihn Ende Februar vom Vorwurf der Vorteilsnahme in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident freigesprochen.

DJV: "Journalisten haben ihre Wächterfunktion ernst genommen"

Wulffs Vorwürfe gegen die Medien will der Deutsche Journalisten-Verband indes nicht auf sich sitzen lassen: "Von Ausnahmen abgesehen, haben die Journalistinnen und Journalisten in der sogenannten Affäre Wulff 2011/12 ihre Wächterfunktion ernst genommen", erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Wulffs Freispruch vor dem Landgericht Hannover im Februar wie auch die Präsentation seines Buchsam änderten nichts daran, dass es im Zusammenhang mit seiner Amtsführung als Bundespräsident Ungereimtheiten gegeben habe, denen die Medien nachgehen mussten.

"Auch aus heutiger Sicht ist Wulffs Anruf auf der Mailbox des "Bild"-Chefredakteurs als versuchte Einflussnahme auf die Berichterstattung zu bewerten", sagte Konken. Ob sich das Staatsoberhaupt durch anfangs ungeklärte private Kreditgeschäfte möglicherweise in Abhängigkeit begeben habe, sei für die Öffentlichkeit durchaus von Belang gewesen.

Selbstkritisch hätten sich die Medien bereits mit gelegentlich festzustellenden Übertreibungen auseinandergesetzt: "In einigen Punkten sind einige Kollegen über das Ziel hinaus geschossen", sagte Konken. Das ändere aber nichts an der Notwendigkeit, über die sogenannte Affäre Wulff zu berichten. Mit seiner Salami-Taktik, Informationen nur scheibchenweise heraus zu geben, habe der damalige Bundespräsident Medienrecherchen provoziert.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.