"Closer"-Chefredakteur Tom Junkersdorf: "Ich finde, dass alle immer ängstlicher werden"

12.06.2014
 

"Closer"-Chefredakteur Tom Junkersdorf, 45, sieht die Boulevard-Presse bedroht. Weltweit sei der Boulevard nach dem Ende der britischen Zeitung "News of the World" "ein bisschen zerstört", so Junkersdorf im dpa-Interview. "Ich sehe den [Boulevard] kaum noch. Ich finde, dass alle immer ängstlicher werden, alle immer zurückhaltender werden, es nicht mehr die großen Schlagzeilen gibt. Man ist immer braver."

"Closer"-Chefredakteur Tom Junkersdorf, 45, sieht die Boulevard-Presse bedroht. Weltweit sei der Boulevard nach dem Ende der britischen Sonntagszeitung "News of the World" "ein bisschen zerstört", so Junkersdorf im dpa-Interview. "Ich sehe den [Boulevard] kaum noch. Ich finde, dass alle immer ängstlicher werden, alle immer zurückhaltender werden, es nicht mehr die großen Schlagzeilen gibt. Man ist immer braver, immer mehr in der Mitte angekommen. Und das macht für den Boulevard natürlich die Türen enger."

Hintergrund: Der Verleger Rupert Murdoch machte "News of the World" 2011 nach einer Abhör-Affäre dicht. Damals ging es u.a. um das Abhören von Handy-Mailboxen von Prominenten und Verbrechensopfern. 

Junkersdorf distanziert sich im dpa-Gespräch deutlich von illegaler Informationsbeschaffung. Zugleich findet er es bitter, dass der Abhör-Skandal und die öffentliche Untersuchung so einen großen Einfluss auf Redaktionen und Chefredakteure in London habe. Alle hätten zwei Gänge zurückgeschaltet und würden sich viele Sachen gar nicht mehr trauen.

Der Chefredakteur von Bauers "Closer" wirft zudem vielen Prominenten Inkonsequenz vor: "Für Stars ist dies ein Multi-Millionen-Geschäft. Sie verdienen ihr Geld mit Film, mit Büchern, mit Plattenverkauf und sie verdienen ihr Geld, indem sie uns Medien dazu benutzen, Promo zu machen für ihre Filme, für ihre Platten. Und dann wenn die Promo gemacht ist, möchten sie dann wieder in ihre Privatsphäre entlassen werden." Das sei "ein sehr einseitiges Geschäftsmodell, das unserer Meinung nach infrage gestellt werden muss", findet Junkersorf.

Die deutsche Promizeitschrift "Closer" kam 2012 auf den Markt - im ersten Quartal 2014 kam sie auf eine verkaufte Auflage von rund 200.000 Exemplaren (Quelle: IVW). 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.