"Im Sommer Stehsatz mit zeitlosen Geschichten aufbauen": Wie es mit "Krautreporter" weitergeht

17.06.2014
 

Am frühen Freitagnachmittag stand fest: Das journalistische Projekt "Krautreporter" hat es geschafft. Das Ziel von 15.000 Unterstützern wurde erreicht, 900.000 Euro kamen zusammen. Der Herausgeber des Onlinemagazins, Sebastian Esser, 37, äußert sich nun im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe)

Am frühen Freitagnachmittag stand fest: Das journalistische Projekt "Krautreporter" hat es geschafft. Das Ziel von 15.000 Unterstützern wurde erreicht, 900.000 Euro kamen zusammen (kress.de berichtete). Der Herausgeber des Onlinemagazins, Sebastian Esser, 37, äußert sich nun im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe) über die kommenden Schritte.

"Zunächst müssen wir das Geld einziehen. Die größte Herausforderung ist dann, ob wir es schaffen, bis zum Start im September die Software zu entwickeln, eine Web-App, damit die Seite in jedem Browser und Betriebssystem gleich gut funktioniert", so Esser. Also, der Konstruktionsplan sei fertig, aber das Haus müsse noch gebaut werden - mit Hilfe der Mitglieder.

Redaktionell müsse geklärt werden, wie viele Texte die "Krautreporter"-Autoren schreiben wollten. Daraus ergebe sich der Honorartopf für Freie, erklärt Esser. "Wir haben jetzt schon mehr als 100 Anfragen. Und wir wollen den Sommer über einen Stehsatz mit zeitlosen Geschichten aufbauen."

Besonderes Augenmerk: "Fact Checking"

Die kleine Redaktion um Chefredakteur Alexander von Streit soll sich vor allem um "Koordination und Qualitätssicherung" kümmern. Esser betont, dass man im Interesse der Glaubwürdigkeit auf Fact Checking besonderen Wert legen werde - "hauptsächlich vor Erscheinen, aber auch indem unsere Abonnenten die Möglichkeit haben werden, im fast fertigen Text Anmerkungen zu hinterlassen". Ausdrücklich nicht gewünscht ist ein einheitlicher Stil. "Gerade die bunte Mischung von Themen und Zugängen soll 'Krautreporter' ausmachen", so Esser, der im "SZ"-Interview auch noch mal auf die Kritik an dem Projekt eingeht.

"Die Kritik hat dem Projekt geschadet"

Es sei belastend gewesen, vier Wochen lang die Fresse poliert zu bekommen, aber vor allem habe es dem Projekt geschadet. Esser: Das vorschnelle Urteil hätte zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden können. Menschen sind sehr träge und kramen ihre Kreditkarte nicht raus, wenn sie das Gefühl haben, es funktioniert eh nicht." 

Hintergrund: "Krautreporter" soll allein von Lesern finanziert werden und ohne Werbung auskommen. Es ist das erste Mal in Deutschland, dass ein journalistisches Projekt dieser Größe so finanziert wird. Esser war zuvor Chefredakteur des Medienmagazins "V.i.S.d.P." und Politikredakteur der deutschen "Vanity Fair".

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