ProQuote zieht "Halbzeit-Bilanz": "Wir haben den deutschen Journalismus nachhaltig verändert"

 

Die Journalistinnen-Initiative ProQuote zieht zur Halbzeit ihres Bestehens eine positive Bilanz: Mindestens 87 Medienfrauen sind seit März 2012 aufgestiegen, 43 von ihnen bis in die Chefredaktionen bzw. Programmleitungen. "Wir haben den deutschen Journalismus nachhaltig verändert", sagt ProQuote-Vorsitzende Annette Bruhns.

Die Journalistinnen-Initiative ProQuote zieht zur Halbzeit ihres Bestehens eine positive Bilanz: Mindestens 87 Medienfrauen sind seit März 2012 aufgestiegen, 43 von ihnen bis in die Chefredaktionen bzw. Programmleitungen.

"Wir haben den deutschen Journalismus nachhaltig verändert", sagt ProQuote-Vorsitzende Annette Bruhns. Am 28. Februar 2012 hatten 350 Journalistinnen mindestens 30% Medien-Chefinnen gefordert – bis 2017. Mit Marion Horn leitet inzwischen eine Frau sogar eine der auflagenstärksten Zeitungen: die "Bild am Sonntag" (kress.de berichtete). Und die künftige Chefredakteurin der "Wirtschaftswoche", Miriam Meckel, ist ProQuote-Frau der ersten Stunde.

"Die Zeit" erfüllt bereits Minimalforderung von 36%

Bei fünf von acht Leitmedien stieg der Frauenführungsanteil sprunghaft an: bei "Zeit", "Spiegel", "Süddeutsche", "stern" und "Bild". ProQuote vergleicht dabei den Frauenmachtanteil: Führungsköpfe werden  nach Hierarchieebenen gewichtet ("Kleine Kais"). "Die 'Zeit' erfüllt mit 36% Frauenmachtanteil bereits unsere Minimalforderung", lobt Bruhns. "Andere Medien sollten dringend nachziehen: Der positive Zusammenhang zwischen mehr Entscheiderinnen und mehr Leserinnen liegt auf der Hand."

Konkret beträgt der Machtanteil der Journalistinnen beim "stern" 24, bei "Bild" 23, beim "Spiegel" 19, bei "Focus", "FAZ" und "SZ" je 15%. Die "Rote Laterne" geht an die "Welt" mit 11 %.

 "Weise Eule" für Reim, "Ungeküsster Frosch" für Kister

An diesem Wochenende überreicht ProQuote beim "Bergfest" in Berlin neue "Preise mit Gefühl". Die wichtigste Trophäe, die "Weise Eule", geht an die Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg. "Dagmar Reim hat ProQuote von Beginn an Gewicht und Namen verliehen", so Bruhns, "und sie hat gehandelt. Der Frauenführungsanteil liegt beim RBB heute bei 42,3% – und damit ist der RBB Vorreiter unter allen ARD-Sendern in Sachen Gleichstellung."

"Ob Programmdirektorin oder Personalchefin, Leitung der Hauptabteilung Gebäudemanagement, der Abteilung Bild oder der erfolgreichsten Sendung im rbb Fernsehen, der 'Abendschau' - beim Rundfunk Berlin-Brandenburg sind viele wichtige Spitzenpositionen mit Frauen besetzt", so Reim. "Frauenförderung in unserem Hause ist auch Männersache. Im Alleingang geht das nicht, es funktioniert dank vieler entschlossener Kolleginnen und Kollegen."

Kurt Kister, Chefredakteur der "Süddeutschen", darf den "Ungeküssten Frosch" abholen – "damit er nicht mehr über Frauenpower nur berichten lässt, sondern sie auch selbst in Anspruch nimmt", begründet die Journalistinnen-Initiative die Entscheidung. "Dass ausgerechnet bei der liberalen 'SZ' gerade mal jede sechste Führungskraft eine Frau ist, macht fassungslos", so Bruhns.

Einen Sonderpreis erhält "Handelsblatt"-Herausgeber Gabor Steingart. Die Figur heißt "Betender Gartenzwerg" und war die Antwort des Künstlers Otmar Hörl auf "Wir-sind-Papst". Steingart kündigte die Quote beim "Handelsblatt" bereits 2011 an und redet den Arbeitgebern in seinen "Morning Briefings" regelmäßig in diesem Sinne ins Gewissen, so die Initiative. In den Chefredaktionen des "Handelsblatts" – Print, Online, App – sind indes bis heute acht Männer unter sich, darunter seit neustem Quotenfeind Thomas Tuma, kritisiert ProQuote. "Trotzdem haben wir den Zwerg in Grün bestellt: Steingart hat mit Miriam Meckel die erste Chefredakteurin für die 'Wirtschaftswoche' gewonnen", so Bruhns.

95% aller Zeitungschefs noch immer männlich

Fazit der Vorsitzenden: "ProQuote hat viel erreicht. Aber ohne feste Quoten stehen diese Etappenerfolge auf Treibsand. Auf alle heute mit Frauen besetzten Spitzenposten lauern schon potenzielle männliche Nachfolger." Die Anwärter können in der Regel von Mann zu Mann netzwerken: 95% aller Zeitungschefs sind noch immer männlich – genau wie zehn der zwölf Senderintendanten.

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