Preisregen bei den Grimme Online Awards: BR/SWR, WDR und "netzpolitik.org" geehrt

28.06.2014
 

Acht "publizistisch herausragende Webangebote" sind am Freitag in Köln mit dem Grimme Online Award prämiert worden. Das Webspecial "Zwischen Hoffnung und Verzweiflung - der neue Nahe Osten" von BR und SWR bekam die Auszeichnung in der Kategorie Information.

Acht "publizistisch herausragende Webangebote" sind am Freitag in Köln mit dem Grimme Online Award prämiert worden. Das Webspecial "Zwischen Hoffnung und Verzweiflung - der neue Nahe Osten" von BR und SWR bekam die Auszeichnung in der Kategorie "Information". 

Das Blog bietet zur gleichnamigen TV-Dokumentation von ARD-Korrespondent Richard C. Schneider, Israel und Jörg Armbruster, ehemaliger ARD-Korrespondent für den arabischen Raum vertiefende Textbeiträge zur Region, wie die Geschichte des Nahost-Konflikts, die bedeutendsten Politiker der neueren Geschichte, Israels Siedlungspolitik, der Arabische Frühling oder die Strippenzieher im Hintergrund. User-Beteiligungen werden per Video-Kommentarfunktion eingespeist. Besonderer Service: Per Kommentarfunktion können User ihre Meinung punktgenau zu bestimmten Videosequenzen abgeben. Dabei entscheiden die User selbst, wie tief sie ins Thema einsteigen wollen.

Mit der Auszeichnung würdigte die Jury "ein außergewöhnlich umfang- und lehrreiches Dossier, das trotz seiner Fülle gut zu erschließen ist und inmitten aller Kreativität an vielen Stellen mit solidem Handwerk überzeugt." Zudem lobte die Jury das Storytelling, dass die technischen und optischen Werkzeuge des Netzes nicht nur wie bisher für Reportagen, sondern auch für großartige Dossiers und spannende politische Analysen nutze. 

Der gesamtverantwortliche BR-Redakteur Christian Daubner, erklärte: "Wir freuen uns, dass die Jury unser Angebot zum Nahen Osten aus über 1.300 Einreichungen ausgewählt hat. Diese Anerkennung motiviert uns für neue Projekte im multimedialen Storytelling. Das Netz bietet noch viele Möglichkeiten."

Tilo Jung punktet mit "unverblümten, eben naiven Fragen"

Auch der Journalist Tilo Jung bekam in der Kategorie Information eine Trophäe überreicht. Seine Interviewreihe "Jung & Naiv" lebe, so die Jury, "von unverblümten, eben 'naiven' Fragen und den damit entlockten, teils entlarvenden Antworten von hochrangigen Politikern, Experten und Bürgern." Selten habe sich ein neues journalistisches Angebot so erfrischend für die Vermittlung politischer Inhalte gezeigt wie dieses Bewegtbildangebot, dessen zentrale Dreh- und Angelplattform YouTube ist und das von dort aus eine große Medien-Klaviatur bespiele.

Überraschungssieger: "Pop auf'm Dorf"

Jubeln konnte am Freitag auch der WDR: Die multimediale Reportage "Pop auf'm Dorf" (reportage.wdr.de/haldern-pop) gewann den Grimme Online Award in der Kategorie "Spezial". In Videos, Audios, Bildern und in Zeitraffertechnik lassen die Autoren das Haldern Pop-Festival am Niederrhein am Bildschirm lebendig werden. Die Auszeichnung in der Kategorie "Spezial" war insofern überraschend, als "Pop auf'm Dorf" ursprünglich in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" nominiert war. In diesem Fall nutzte die Jury ihre Möglichkeit, ein Angebot zur Preisauszeichnung in eine andere Kategorie zu verschieben. 

Die WDR-Reportage überzeugte die Juroren neben der "gelungenen inhaltlich-emotionalen Ansprache der Nutzer vor allem durch ihre technische Performance." Stefan Moll, Leiter des WDR-Programmbereichs Internet, erklärte: "Mit Pop auf'm Dorf haben wir ein attraktives Projekt mit unserem neuen Reportagetool 'Pageflow' vorgelegt. Herausgekommen ist eine grandiose Multimedia-Reportage, die auf allen Ausspielwegen bestens funktioniert. Ich gratuliere dem Autorenteam, das mit viel Phantasie und Kreativität dem Haldern Pop-Festival ein kleines Denkmal gesetzt hat."

"netzpolitik.org" ist "gewichtigste deutsche Stimme eines unabhängigen Internet"

In der Kategorie "Spezial" räumte auch das das Blog "netzpolitik.org" einen Preis ab, das nach Meinung der Jury seit Jahren als die gewichtigste deutsche Stimme eines unabhängigen Internet und seiner Nutzer bezeichnet werden könne: "Den Machern ist es gelungen, ein Sammelbecken für jene Opposition zu sein, die nicht hinnehmen will, dass das freie Netz zerstört oder zumindest eingeschränkt wird. Zusammen mit einer stetig wachsenden Community schafft es das mittlerweile auf 30 Autoren angewachsene Team, digitale Themenfelder zu besetzen, um so auch eine Anlaufstelle für die klassischen Medien zu werden."

Grimme-Direktorin hebt "gesellschaftliche Relevanz" der Angebote hervor

Die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, sagte bei der Preisverleihung, die nominierten Netzangebote zeichneten sich diesmal in besonderer Weise durch gesellschaftliche Relevanz aus. Es gehe um Themen wie Asyl, Alzheimer und Sterbehilfe. Der Grimme Online Award wird seit 2001 verliehen.

Alle Preisträger der Grimme Online Awards 2014

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