Gutjahr und Schraven streiten über Medienfinanzierung: "Dann geht halt wat in die Binsen"

04.07.2014
 
 

In einem Punkt waren sie sich einig: Verlage und Journalisten müssen unzählige Experimente starten, um Journalismus finanzieren zu können. Ansonsten motzten sich Blogger Richard Gutjahr und Investigativreporter David Schraven beim Hamburger Jahrestreffen des Netzwerk Recherche an, in der ewigen Glaubensfrage, wie Medien langfristig überleben können.

In einem Punkt waren sie sich einig: Verlage und Journalisten müssen unzählige Experimente starten, um Journalismus finanzieren zu können. Ansonsten motzten sich Blogger Richard Gutjahr und Investigativreporter David Schraven beim Hamburger Jahrestreffen des Netzwerk Recherche an, in der ewigen Glaubensfrage, wie Medien langfristig überleben können.

Mit Gutjahr saß einer der bekanntesten Netz-Publizisten des Landes auf dem Podium, der glaubt, seine Leistungen in vielen kleinen Häppchen an einzelne Leser verkaufen will. Schraven baut gerade mit Correct!v ein Team von Rechercheuren auf - zum Start abhängig von einer Geldspritze der Brost-Stiftung. Beide sitzen im Grunde im selben Boot, gehören aber doch unterschiedlichen Strömungen an.

Gutjahr äußerte sich skeptisch, ob mit Journalismus allein genug Geld generiert werden könne. "Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass Journalismus aus sich heraus je getragen hätte", sagte Gutjahr, der derzeit das Später-Bezahlsystem Laterpay testet. Diese Haltung erzürnte Schraven, der auch monetär an eine gute Zukunft glaubt. "Da erzählst du Quatsch", giftete der frühere Recherchechef der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Die ersten Zeitungen seien richtig teuer gewesen und Leute hätten dafür bezahlt. "Du kannst nicht sagen, dass es nie funktioniert hätte. Dann kennst du dich nicht aus."

Schraven äußerte hingegen die Hoffnung, dass in den kommenden Jahren auch lokal Recherchebüros entstehen, die von einzelnen Gönnern statt durch viele Leser getragen werden. Er prophezeite schon in naher Zukunft Projekte, von denen heute noch niemand etwas ahne. "Es gibt viele Wege, wir beschreiten einen davon", stellte er klar. Das Stiftungsmodell sei nicht die Lösung der gesamten Finanzierungskrise. "Es gibt für unheimlich viele Modelle Platz." Dafür müsse sich auch in Deutschland endlich die Meinung durchsetzen, dass Scheitern nichts Schlimmes ist: "Dann geht halt wat in die Binsen. Dann machste halt dat Nächste", sagte Schraven geradeheraus im Ruhrpott-Slang.

Gutjahr hingegen predigte wie schon seit langer Zeit, dass Lesern ermöglicht werden müsse, Kleinstbeträge für einzelne Texte zu zahlen. Über seinen Vorstoß des Einsatzes von Micropayment über Laterpay sagte der Journalist, dass kein Leser darauf negativ reagiert habe. Viele würden sich freuen, endlich ganz einfach für Online-Journalismus bezahlen zu können. Und viele Kollegen gingen in eine ähnliche experimentelle Richtung, Unternehmergeist mache sich unter Journalisten breit: "Da erkenne ich unsere Branche seit zwei Jahren nicht mehr wieder."

Autor: Jens Twiehaus

 

Ihre Kommentare
Kopf

Robert Niedermeier

04.07.2014
!

Ruhrpott-Dialekt heißt das korrekt, "Slang" ist dann doch etwas anderes. Danke.


bartman31

07.07.2014
!

Ne, nicht korrekt. Es heißt Ruhrpott-Soziolekt.


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