Beschwerde gegen den "Playboy": Wie der Presserat seine Missbilligung begründet

 

Der Deutsche Presserat hat Anfang Juni eine Missbilligung gegen das Magazin "Playboy" ausgesprochen. Zu dieser Entscheidung gibt es mittlerweile auch eine schriftliche Begründung, die kress vorliegt: Mit einem Interview, erschienen in Ausgabe 8/2013, hat das Magazin demnach gegen das Gebot der Trennung zwischen Redaktion und Werbung sowie die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen

Der Deutsche Presserat hat Anfang Juni eine Missbilligung gegen das Magazin "Playboy" ausgesprochen. Zu dieser Entscheidung gibt es mittlerweile auch eine schriftliche Begründung, die kress vorliegt: Mit einem Interview, erschienen in Ausgabe 8/2013, hat das Magazin demnach gegen das Gebot der Trennung zwischen Redaktion und Werbung sowie die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen.

Der Fall ist bemerkenswert, weil sich der zuständige Beschwerdeausschuss zunächst von "Playboy"-Chefredakteur Florian Boitin beschwichtigen ließ und die Beschwerde als unbegründet zurückwies. Erst nach einem Einspruch des Beschwerdeführeres Hans-Joachim Maes von der W+D Beratungs- und Entwicklungs GmbH in Berlin nahm sich der Presserat doch noch der Sache an. kress berichtete im April darüber (kress.de vom 16. April 2014).

Der Fall der Reihe nach: In dem umstrittenen "Playboy"-Interview  hatte der Hautarzt Marcus Maurer von der Berliner Charité im vergangenen Jahr die Vorzüge der "kühlenden Trockenrasur" gerühmt und einen einschlägigen Rasierer empfohlen, den neuen "Cool Tec" der Firma Braun. Der Experte Maurer ist allerdings mit der Firma verbandelt, was der "Playboy" seinen Lesern vorenthielt. In der Missbilligungs-Begründung des Presserats heißt es nun, "dass es notwendig gewesen wäre, dass die Redaktion in dem veröffentlichten Beitrag ihre Leser darüber informiert, dass der interviewte Experte Prof. Maurer auch für die Firma Braun auftritt und in die Vermarktung des Rasierers eingebunden ist". Der Leser hätte dadurch "die Aussagen von Prof. Maurer entsprechend bewerten und einordnen können".

"Experte ist kein Handlanger des Unternehmens"

"Playboy"-Chef Boitin verteidigte in einer Stellungnahme das Vorgehen seiner Redaktion - er hält die Beschwerde weiterhin für unbegründet: Maurer sei Oberarzt an der Berliner Charité und dort Leiter des Allergiezentrums, also beruflich völlig unabhängig von der Firma Braun. Seine Redaktion habe ihm zudem versichert, den Experten ausschließlich wegen seiner Fachkenntnis ausgewählt und daraufhin eigenständig kontaktiert zu haben. Der Chefredakteur bezweifelt, dass der Experte, der in seinem Fach äußerst aktiv und offenbar auch anerkannt sei, seine Glaubwürdigkeit für Gefälligkeits-PR aufs Spiel setze. Nur weil der Hersteller möglicherweise nicht unglücklich über die Feststellung des Experten sei, mache dies den Professor noch lange nicht zum Handlanger des Unternehmens.

"Playboy" druckt Missbilligung nicht ab

Eine Missbilligung spricht der Presserat bei schweren Verstößen gegen den Pressekodex aus, anders als seine schärfste Sanktion, die öffentliche Rüge, muss sie vom betroffenen Medium nicht veröffentlicht werden. Der Presserat empfiehlt das jedoch und hat auch dem "Playboy" den Abdruck ans Herz gelegt. Das Magazin wird dem nicht nachkommen. Der Verlag erkenne den Pressekodex an, aber weder dort noch in der Beschwerdeordnung des Presserats finde sich eine "Empfehlung" zur Behandlung von Missbilligungen, schreibt ein Verlagssprecher auf Anfrage von kress.

Beschwerdeführer Maes will unterdessen die Angelegenheit auch nach dem Erfolg beim Presserat nicht auf sich beruhen lassen: Er werde versuchen, ein Berufsordnungsverfahren gegen den Hautarzt Maurer in Gang zu setzen, weil der u.a. gegen die Musterberufsordnung für Ärzte verstoßen habe.

Ihre Kommentare
Kopf

Matthias

08.07.2014
!

Wen wundert das? In den meisten Redaktionsbesprechungen sitzen mittlerweile auch Vertriebsmitarbeiter (Abzeigenverkäufer). Da werden Berichte von Nichtanzeigenkunden einfach mal nicht gebracht. Oder klare Ansage, wenn Sie eine Anzeige buchen, geben wir Redaktion dazu.


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