Christian Ulmen im kress-Gespräch: "Wir haben irgendwann Facebook verpennt"

 

Als eine Art Ritterschlag möchte Christian Ulmen seine Produktion "Mann/Frau", die der BR Anfang September online zeigt, nicht bezeichnen. Allerdings ist es der erste Kurzserien-Auftrag für Ulmen TV. "Der BR hat uns gefragt, ob wir ein Format für eine Web-First-Verwertung entwickeln können", sagte er im kress-Interview. "In der Vergangenheit haben wir Formate eigeninitiativ hergestellt und die Free-TV-Lizenzen verkauft."

Als eine Art Ritterschlag möchte Christian Ulmen seine Produktion "Mann/Frau", die der BR Anfang September online zeigt, nicht bezeichnen. Allerdings ist es der erste Kurzserien-Auftrag für Ulmen TV. "Der BR hat uns gefragt, ob wir ein Format für eine Web-First-Verwertung entwickeln können", sagte er im kress-Interview. "In der Vergangenheit haben wir Formate eigeninitiativ hergestellt und die Free-TV-Lizenzen verkauft."

Für den öffentlich-rechtlichen Auftrag konnte Christian Ulmen in 20 Folgen die Geschichte zweier Großstadtsingles ins Spiel bringen, die in jeweils dreiminütigen, schnell geschnittenen und durchaus pfiffigen Kurzepisoden ihre Alltags- und Liebesnöte aus ihrer jeweiligen Mann- bzw. Frau-Perspektive schildern. Das Drehbuch dafür stammt von dem Geschwisterpaar Jana und Johann Buchholz, die beide auch Regie führen. 

Ulmen tritt selbst vor die Kamera - zusammen mit seiner Frau

Ulmen zog sich auf eine zurückhaltende Rolle zurück. "Als Produzent stehst du eher im Hintergrund. Wir haben den Geschwistern Buchholz soweit vertraut, dass sie ihr Konzept inhaltlich kongenial umsetzen können", sagt er. Trotzdem tritt Ulmen - soviel ist er seinen treuen Fans schuldig - auch vor die Kamera.

"Ich spiele einen Mann, der am Tresen einer Bar steht und sich die hormon- und alkoholgebadeten Verwicklungen der Hauptfigur anhört." Seine Frau konnte er ebenfalls für die Mitarbeit gewinnen: "Collien Ulmen-Fernandez spielt die Freundin der Hauptdarstellerin, die für praktische Lebenshilfe in jedem Ausmaß beansprucht wird."

BR interessiert sich für junge Web-Erzähltechniken

Offensichtlich machte die Erfahrung des "Die Snobs - Sie können auch ohne Dich"-Produzenten, der auf seinem Portal Ulmen.tv immer wieder neue "Uwe Wöllner"-Filme zeigt, attraktiv für die Münchner ARD-Anstalt. "Der BR möchte den Gebührenzahlern an allen Fronten Programm bieten", sagt Ulmen. "Klar ist, dass sich das Nutzungsverhalten vor allem der jüngeren Zuschauer verändert. Für Online-Nutzer haben wir eigene Erzählweisen entwickelt, die sich bewährt haben." 

"Wir sind zu spät in die sozialen Netzwerke gegangen"

Rückblickend auf die Entwicklung der eigenen Web-TV-Geschäftsaktivitäten gibt sich Christian Ulmen im kress-Gespräch unerwartet selbstkritisch. "Wir haben irgendwann Facebook verpennt", sagt er. "Wir sind zu spät in die sozialen Netzwerke eingestiegen." Ohne etwa YouTube-Kanäle ist es schwer, auf eigenen Seiten oder Portalen Fans zu halten. "Die Zuschauer, die eben noch 1,5 Mio Klicks bringen, sind dann ziemlich rasch wieder weg, wenn sie kein neues Futter finden", so Ulmen.

Ulmen will "Stuckrad Late Night" auf den "Beckmann"-Platz hieven

Auf Eis liegt derzeit der letzte größere Free-TV-Produktionsauftrag - für den "Stuckrad Late Night"-Talk. "Für Tele 5 arbeiten wir zurzeit nicht", sagt Ulmen. Dennoch hat er große Hoffnungen auf ein Stuckrad-Barre-Comeback: Ihm schwebt dafür ein sehr prominenter ARD-Sendeplatz vor. "Ich bin überzeugt, dass Stuckrad-Barre den 'Beckmann'-Sendeplatz jederzeit übernehmen könnte - und sollte." Eine klare Ansage!

Alle Freiheiten beim "Tatort" aus Weimar

Bei der ARD ist Christian Ulmen ohnehin als unkonventioneller "Tatort"-Kommissar bestens gelitten. Die Dreharbeiten für den zweiten Fall aus Weimar laufen gerade - begleitet von viel Presse-Wirbel. Die Dreharbeiten einmal im Jahr geben Christian Ulmen genug Freiheiten für seine vielen Produzenten- und Web-Pionier-Tätigkeiten. "Das Schöne an unserem 'Tatort' ist, dass er uns die Gelegenheit gibt, rundherum unter der Zeit auch noch 1000 Sachen machen zu können", sagt er. 

Deswegen möchte er sich auch noch nicht festlegen, ob er für einen möglichen dritten Weimar-"Tatort" zur Verfügung steht. "Die Freiheit, ob wir weitermachen wollen, nehmen wir uns jedes Mal aufs Neue", so Christian Ulmen.

Ihre Kommentare
Kopf

Schulze

15.08.2014
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Stuckrad-Barre statt Beckmann in der ARD-Late Night? Gefällt mir!!! Sollte sich der Sender mal ernsthaft überlegen.


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