Alle Sender auf einer Plattform: "Radioplayer.de" ist bis Jahresende startklar

08.09.2014
 
 

Die deutschen Radiosender wollen sich die digitalen Kanäle mit vereinten Kräften zurückerobern. In diesen Tagen starten die technischen Vorbereitungen für einen bundesweiten Radio-Onlineplayer. 140 private Sender sind an "radioplayer.de" beteiligt. "Die Flächendeckung in Deutschland ist gegeben", sagt Initiator Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer und Programmdirektor von FFH, dem kressreport.

Die deutschen Radiosender wollen sich die digitalen Kanäle mit vereinten Kräften zurückerobern. In diesen Tagen starten die technischen Vorbereitungen für einen bundesweiten Radio-Onlineplayer. 140 private Sender sind an "radioplayer.de" beteiligt. "Die Flächendeckung in Deutschland ist gegeben", sagt Initiator Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer und Programmdirektor von FFH, dem kressreport.

Konzeptionell und technisch baut der deutsche Radioplayer auf www.radioplayer.co.uk auf. Am 1. September unterzeichneten deutsche und britische Branchenvertreter entsprechende Verträge: Sie erlauben der im August gegründeten Radioplayer Deutschland GmbH die Nutzung bestimmter Markenrechte. Auch auf Software-Entwicklungen und die Apps der Briten soll das Nonprofit-Projekt zugreifen können. Der britische Radioplayer bietet Apps für iOS-Geräte und Android, Windows Phones und das Amazon-Tablet Kindle Fire.

Der Player wird auch Podcasts bieten

Hillmoth verspricht Nutzern, den Radioempfang auf mobilen Geräten so einfach wie möglich zu gestalten. Nach seinen Vorstellungen werden Nutzer aber nicht nur aus Liveprogrammen wählen können. Einzelne Beiträge sollen zeitversetzt als Podcast abrufbar bleiben, der Hörer könnte sich also seinen eigenen Stream komponieren. Für ein umfassendes Angebot fehlt Hillmoth aber noch die Zusage der ARD. Die Öffentlich-Rechtlichen bieten bundesweit rund 80 Haupt- und Sonderprogramme an – ohne sie wäre "radioplayer.de" nur halb so interessant.

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Zu den Gründungsgesellschaftern gehören neben Hillmoths Radio/Tele FFH GmbH unter anderen Antenne Bayern, bigFM und RTL Radio, in diesem Monat kommen Radio NRJ, Regiocast und die privaten Lokalradios aus NRW hinzu. "Nicht immer ziehen die Radios so überzeugend an einem Seil", sagt Hillmoth – wobei das vorerst nur auf den privaten Teil der Branche zutrifft. Mit der Hörfunk-Kommission der ARD gab es von Anfang an gute Kontakte, wie Hillmoth versichert. WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber und ihr hr-Kollege Heinz-Dieter Sommer verhandeln in dieser Sache federführend.

Plattformen und Konzerne buhlen um Hörer

Mit radioplayer.de versucht die Branche die Hoheit über die digitale Verbreitung ihrer Inhalte zurück zu gewinnen. Auf dem Streaming-Markt haben sich längst Anbieter wie radio.de, TuneIn oder Phonostar breit gemacht. Sie profitieren von der Vermarktung fremder Inhalte – und könnten einzelne Sender einfach aus ihrem Angebot schmeißen. Je stärker der Fremdanbieter wird, desto größer wäre dann der Reichweitenverlust.

Neben diesen längst bekannten Plattformen sowie Musik-Diensten wie Spotify und Deezer droht Anbietern noch eine weitere Gruppe mächtiger Konkurrenten: Musikkonzerne. Im kressreport 16.14 spricht Stephan Steigleder von Deutsche Grammophon über DG Discovery, die erste Streaming-App speziell für klassische Musik. Außerdem: Was der Bayerische Rundfunk mit seinem Klassikprogramm online dagegen hält, warum das Deutschlandradio keine eigene Streaming-App plant – und welche Potenziale Florian Ruckert vom Audiovermarkter RMS im Audio-Streaming sieht. Dies lesen Abonnenten im kressreport 16.14, der hier als Probeabo bezogen werden kann.

Autor: Jens Twiehaus

 

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