Presserat missbilligt Abbildung von MH17-Opfern: "Spiegel" wird für "Stoppt Putin jetzt!"-Titel gemaßregelt

10.09.2014
 

Der Deutsche Presserat hat die Porträts von Absturzopfern aus dem Flug MH17 in mehreren Medien missbilligt. Das Gremium stellte klar, dass identifizierende Abbildungen von Opfern in der Regel nicht mit dem Opferschutz nach Ziffer 8, Richtlinie 8.2 vereinbar sind. Offiziell missbilligt wurden Darstellungen bei "Bild.de" und "Spiegel".

Der Deutsche Presserat hat die Porträts von Absturzopfern aus dem Flug MH17 in mehreren Medien missbilligt. Das Gremium stellte klar, dass identifizierende Abbildungen von Opfern in der Regel nicht mit dem Opferschutz nach Ziffer 8, Richtlinie 8.2 vereinbar sind. Ursula Ernst, Vorsitzende des Beschwerdeausschusses, erklärte: "Die Argumentation einiger Medien, den Opfern ein Gesicht zu geben, ist nachvollziehbar, dennoch: Nur weil jemand zufällig Opfer eines schrecklichen Ereignisses wird, darf er nicht automatisch mit Foto in der Presse gezeigt werden".

Offiziell missbilligt wurden Darstellungen bei "Bild.de" und "Spiegel". Das Nachrichtenmagazin war am 27. Juli mit der Titelseite "Stoppt Putin jetzt!" erschienen. Aus Sicht des Ausschusses seien die Opferfotos auf der Titelseite für eine politische Aussage instrumentalisiert worden. Damit sei auch hier der Opferschutz verletzt wordenn. 18 Leser hatten sich über die Veröffentlichung beschwert. "Bild.de" erhielt eine Missbilligung für die Berichterstattung "Ruhet in Frieden!", erschienen am 23. Juli 2014. Darin wurden Opfer gezeigt, deren Fotos mit zahlreichen Details aus ihrem Privatleben angereichert wurden. Ein öffentliches Interesse am Abdruck dieser Bilder bestand nicht, so der Beschwerdeausschuss.

Einen sogenannten Hinweis - die niedrigste Sanktionsstufe - erteilte der Presserat in der Sache an "Bunte Online" und "stern".

Abbildung von Leichenteilen im Trümmerfeld nicht unangemessen

In weiteren Beschwerden ging es um die Abbildung von Leichenteilen im Trümmerfeld. Diese Fotos seien nicht unangemessen sensationell, urteilte der Ausschuss. Ursula Ernst: "Die Fotos dokumentieren eindringlich die schreckliche Dimension und die Folgen des Ereignisses. Sie sind noch akzeptabel, da kein Opfer erkennbar ist und die abgebildeten Situationen nicht unangemessen in der Darstellung hervorgehoben werden."

Hintergrund: Insgesamt hatten den Presserat 30 Beschwerden zu den Fotos erreicht. Die malaysische Maschine war am 17. Juli mit fast 300 Passagieren über der Ostukraine abgestürzt.

Ihre Kommentare
Kopf

Michael den Hoet

10.09.2014
!

Die Reaktion des Presserates ist richtig: "Spiegel" missbrauchte die Gesichter der Toten für eine politische Aussage. Darum hätte ich es lieber gesehen, wenn kress.de das reklamierte Titelbild gepixelt hätte - wie es andere (z.B. Bildblog) getan haben. Anmerken darf man, dass es in den Niederlanden in den Tagen nach dem Absturz Konsens war, den Verstorbenen "ihr Gesicht wiederzugeben". Die Fotos in der niederländischen Presse hatten die Billigung der Angehörigen - aber für einen anderen Zweck.


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