Innovations-Runde auf der dmexco: Kleine Schritte statt großer Revolution

 

Wie steht es um die Innovationskraft im deutschen Journalismus? Unter dieser Fragestellung war am Donnerstagabend eine Chefredakteursrunde bestehend aus Stefan Plöchinger ("süddeutsche.de"), Mathias Müller von Blumencron ("Faz.net"), Jochen Wegner ("Zeit Online") und Oliver Stock ("Handelsblatt.com") auf ein Podium der dmexco geladen.

Wie steht es um die Innovationskraft im deutschen Journalismus? Unter dieser Fragestellung war am Donnerstagabend eine Chefredakteursrunde bestehend aus Stefan Plöchinger ("süddeutsche.de"), Mathias Müller von Blumencron ("Faz.net"), Jochen Wegner ("Zeit Online") und Oliver Stock ("Handelsblatt.com") auf ein Podium der dmexco geladen. "Meedia"-Mann Christian Meier führte durch die Diskussion. Fazit: Die Etablierung neuer Erzählformen bei den Lesern sei weniger schwierig als deren Vermarktung.

Doch ist es der Job der Online-Chefs, sich über die Monetarisierung Gedanken zu machen? Nein, meinte Oliver Stock. Er plädierte dafür, dass Verlage mehr experimentieren (dürfen) sollten, ohne gleich den großen finanziellen Output damit zu generieren. "Denn wenn wir nicht selbst versuchen, das Geschäftsmodell der Verlage zu untergraben, dann macht es jemand anderes."

"Zeit Online"-Relaunch mit den Nutzern

Jochen Wegner schärfte hingegen das Bewusstsein für die kleineren Dinge. Die Branche entwickle sich zwar langsam, jedoch freue er sich jede Woche über neue Ideen oder Ansätze. Die Nachrichtenseiten hätten sich in den letzten Jahren stärker voneinander differenziert und seien besser zu unterscheiden - auch in den Social Networks. Der Nutzer sei stärker ins Blickfeld geraten. Das geht bei "Zeit Online" sogar so weit, dass die Nutzer schon vor dem für die nächsten Monate angekündigten Relaunch in den Prozess eingebunden werden.

Neue Apps von der "FAZ"

Soweit würde Mathias Müller von Blumencron nicht gehen: "Wenn wir uns nur an dem Interesse der Leser orientieren, wäre das unser Aus." Eine gute Zeitung fordere den Leser inhaltlich heraus. Einzig bei der digitalen Distribution sieht er einen Nutzwert bei der Einbindung. Medienhäuser hätten nicht mehr die Zeit, etwas in Ruhe zu entwickeln - Innovationen und damit verbundene Investitionen würden von allen Seiten aus gefordert. Er gab zu bedenken: "Wir können uns nicht allein durch Paid Content finanzieren. Wir brauchen die Werbung, und die Werbung braucht den Journalismus", so Müller von Blumencron. Das Problem sei, dass sich viele Mittelständler nicht genau so schnell im Digital Business weiterentwickelten, wie es die Medienhäuser tun, und Werbeerlöse im Online- oder Mobile-Bereich schwierig zu generieren seien. Native Advertising halte er für einen gangbaren Weg, sofern es sauber gekennzeichnet sei. Als Innovationen aus dem eigenen Haus kündigte er neue Apps an, außerdem werde an einer neuen Darstellung der Zeitung in digitale Form gearbeitet.

Entwicklungsredaktion für "süddeutsche.de"

Stefan Plöchinger sieht den größten Innovationsschub durch Start-ups, die im Gegensatz zu  Verlagen mit dem "Spielgeld" ihrer Investoren herumprobieren dürfen. Um trotz schmalen Budgets die Lust an neuen Ideen nicht zu verlieren, müssten Redakteure heutzutage letztlich wie Programmierer arbeiten können. Plöchinger kündigte für November den Start einer Entwicklungsredaktion an, die sich intensiv mit den strukturellen Änderungen des Online-Geschäfts beschäftigen werde. Derzeit werde erforscht, wer Nutzer der Nachrichtenseite ist - auch im Hinblick darauf, so Plöchinger, auf diesen Erkenntnissen "wahrscheinlich ein Bezahlmodell zu etablieren". Einen Zeitpunkt dafür nannte er nicht.

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