DJV warnt DW-Intendanten Limbourg: "Kein Kotau vor den Mächtigen in Peking"

12.09.2014
 

Der Deutsche Journalisten-Verband hat den Intendanten der Deutschen Welle Peter Limbourg aufgefordert, China-kritische Stimmen im deutschen Auslandssender zu unterstützen und nicht zu behindern. Die von Limbourg angekündigten Kooperationen mit chinesischen Staatssendern und die Beendigung der Tätigkeit einer China-kritischen Autorin durch die Deutsche Welle würden dem deutschen Auslandssender mehr schaden als nützen, so der DJV-Vorsitzende Konken: 

Der Deutsche Journalisten-Verband hat den Intendanten der Deutschen Welle Peter Limbourg aufgefordert, China-kritische Stimmen im deutschen Auslandssender zu unterstützen und nicht zu behindern. Auch unter der neuen Redaktionsleitung müsse die innere Redaktionsfreiheit gewahrt werden, forderte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken: "Politische Themen, zu denen selbstverständlich auch die Kritik an Menschenrechtsverletzungen gehört, müssen weiterhin einen angemessenen Anteil am Programmauftritt der Deutschen Welle haben."

Eine "weichgespülte" China-Berichterstattung mit dem Ziel, Zugang in einen zensierten Markt zu erhalten, könne für den deutschen Auslandsrundfunk keine vernünftige Option darstellen. Von Intendant Limbourg erwartet der DJV, dass er auch künftig den Markenkern der Deutschen Welle als einem staats-unabhängigen, öffentlich-rechtlichen Sender bewahrt, der kritisch-distanziert über autoritäre Regime jeglicher Art berichtet.

Die von Limbourg angekündigten Kooperationen mit chinesischen Staatssendern und die Beendigung der Tätigkeit einer China-kritischen Autorin durch die Deutsche Welle würden dem deutschen Auslandssender mehr schaden als nützen, so der DJV-Vorsitzende Konken: "Ein Kotau vor den Mächtigen in Peking vertrüge sich nicht mit dem Ansehen des Senders als Stimme der Freiheit." 

Zum Begriff "Kotau" heißt es im Duden: "(In China früher im Kultus oder vor Respektpersonen übliche) in kniender Haltung ausgeführte tiefe Verbeugung, bei der der Kopf den Boden berührte."

Hintergrund: Limbourg, der ehemalige Nachrichtenchef von ProSiebenSat.1, hatte zuletzt vor dem Rundfunkrat zu seinem geplanten China-Engagement und seinen jüngsten Besuchen in Peking Stellung genommen (kress.de berichtete). Limbourg argumentierte damit, dass es Aufgabe der Deutschen Welle sei, möglichst viel Programm aus Deutschland in der Welt zu verbreiten. Sein Besuch in Peking habe "dem gegenseitigen Kennenlernen" gedient.

Konkret wurden mit dem staatlichen Sender CCTV Gespräche über Projekte vereinbart worden, die - so der Rundfunkrat - "die kulturelle Brücken zwischen beiden Ländern schlagen". Angedacht sei etwa eine Koproduktion im Bereich klassische Musik. Über einen konkreten Beschluss für eine solche Koproduktion möchte sich das Aufsichtsgremium aber erst noch beraten. Der Rundunkrat gab weiter Limbourg mit den Worten wieder, dass es aufgrund unterschiedlicher Wertevorstellungen und Auffassungen "nur kleine Schnittmengen" mit chinesischen Medien gäbe. Diese sollten aber genutzt werden, um in einen Dialog einzutreten. Diesen Kurs stützen die Deutsche-Welle-Aufseher: Der Rundfunkrat sprach sich mit breiter Mehrheit dafür aus, die Gespräche mit chinesischen Sendern weiterzuführen.

Ihre Kommentare
Kopf

Klaus Landfried

12.09.2014
!

Da die DW (und die anderen öffentlich-rechtlichen Sender) längst ihren täglichen Kotau vor dem USA-Imperium und seinen anderen westlichen HiWis machen, stelt sich die Frage nach der "Freiheit" leider ganz anders. Und quer zu den Denk-Gewohnheiten der DJV Zünftler.


KFR

12.09.2014
!

solange Journalisten weiter in vollstem Koatau flach vor den Thronen die CIA und NSA Residenten der Redaktionen und öffentlich rechtlichen Medien anhimmeln und bewundern ... ist doch alles in bester Ordnung oder ??


Michael Krzeminski

12.09.2014
!

Die Fahne der Freiheit hoch zu loben, fällt immer leicht! Sie auch unter widrigen Umständen vom Boden aufzuheben, erfordert Mut und Kraft. In diesem Sinne Glück auf, Deutsche Welle!


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