"Das hat der ganzen Branche geschadet": Giovanni di Lorenzo über kopflose Medienmanager

15.09.2014
 

Giovanni di Lorenzo hat sich auf einer Veranstaltung in Berlin zu den Entlassungen der Chefredakteure bei der Konkurrenz geäußert. Der "Zeit"-Chefredakteur  findet, dass die Medienbranche derzeit keinen soliden Eindruck abgibt: "Das beschädigt uns alle", so di Lorenzo auf der Medienkonferenz Mekolab laut einem "Newsroom.de"-Bericht.

Giovanni di Lorenzo hat sich auf einer Veranstaltung in Berlin zu den Entlassungen der Chefredakteure bei der Konkurrenz geäußert. Der "Zeit"-Chefredakteur findet, dass die Medienbranche derzeit keinen soliden Eindruck abgibt: "Das beschädigt uns alle", so di Lorenzo auf der Medienkonferenz Mekolab laut einem "Newsroom.de"-Bericht.

Die scheinbar kopflosen Entscheidungen mancher Medienmanager würden bei ihm keinen Angstschweiß auslösen, versicherte Giovanni di Lorenzo demnach SWR-Chefreporter Thomas Leif, "aber in dem einen Fall nacktes Entsetzen. Ich glaube wenn man auf den unglaublichen Strukturwandel, den es im Moment gibt, und auch auf die völlige Ratlosigkeit einiger Verlagsmanager nur darauf reagiert, dass man den armen Teufel, der irgendwie 15 Monate im Amt ist, auswechselt, dann finde ich Gute Nacht", zitiert "Newsroom.de" den "Zeit"-Chefredakteur.

Für Giovanni di Lorenzo steht mit Blick auf die Veränderungen bei den Mitbewerbern fest: "Ich befürchte, dass man aus Angst vor dem Tod auch Selbstmord begehen kann." Es gebe aber auch Medienhäuser, "die Chefs haben, die Besitzer haben, die auf Dinge Wert legen, die altmodisch sind, zum Beispiel dass man Menschen anständig behandelt".

Hintergrund: Am 1. Oktober löst Ulrich Reitz Jörg Quoos als Chefredakteur beim "Focus" ab. Beim "stern" ist der Wechsel bereits vollzogen: Christian Krug folgte auf Dominik Wichmann, der rund 15 Monate Chefredakteur war. Di Lorenzo führt "Die Zeit" seit 2004. 

Update! Di Lorenzo: "Mir geht es nicht um den einen Fall"

Die "Zeit" hat auf den "newsroom.de"-Bericht reagiert und folgendes klar gestellt:

Giovanni di Lorenzo wurde am Ende einer Podiumsdiskussion über die Rolle von Journalisten mit Migrationshintergrund am 3. September zu den aktuellen Geschehnissen in verschiedenen Verlagshäusern befragt. Seine Äußerungen bezogen sich auf das generelle Erscheinungsbild der Branche, auch im Zusammenhang mit den Entlassungen und Querelen um Chefredakteure, und waren nicht auf einen Fall allein gemünzt. Giovanni di Lorenzo sagt dazu: "Mir geht es nicht um den einen Fall, sondern um den generellen Eindruck. Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen haben der ganzen Branche geschadet."

Ein Video zur Podiumsdiskussion findet sich hier.

Ihre Kommentare
Kopf
Boris A. Glatthaar

Boris A. Glatthaar

angestellt und selbstständig
Chefredakteur und Journalist

16.09.2014
!

Herr di Lorenzo hat Recht - ich hätte es mir nur gewünscht, dass er diese klaren Worte nicht erst jetzt gefunden hätte, wenn es an Chefredakteursstühle geht. Viel mehr arme Teufel sind doch die zahlreichen Blattmacher und Redakteure ohne Chefposten bei den lokalen und regionalen Blättern, die gerade aus Spargründen haufenweise rausgeschmissen oder denen der Laden vor der Nase zugemacht wird. Diese Leute kriegen schwierig wieder einen Job.


Hartmut Urban

18.09.2014
!

Die gesamte Branche ist im Wandel. Das ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Redakteure und Chefredakteure hätten nach meinem Verständnis die ersten sein müssen, die dies rechtzeitig und umfassend (für sich wie generell) analysieren und sich darauf einstellen.
Von gestandenen Journalisten erwarte ich auch in eigener Sache eine fundierte Recherche, sowie mehr noch als bei anderen Berufen die Fähigkeit, sich auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen zu können. "Arme Teufel" sehen m.E. anders aus.


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