Transparenz-Offensive nach Ranking-Skandal: Das ZDF lässt sich bald in die Karten schauen

19.09.2014
 
 

Die Manipulation der Rankingshow "Deutschlands Beste" macht dem ZDF Beine in Sachen Transparenz: Mehr Informationen als bisher sollen online veröffentlicht werden, kündigte Intendant Thomas Bellut an. Der Fernsehrat beschloss bei seiner Sitzung in Berlin, ab 2015 öffentlich zu tagen. Eine neue Transparenz-Arbeitsgruppe wird dem Rat vorschlagen, wie der Sender noch gläserner werden kann.

Die Manipulation der Rankingshow "Deutschlands Beste" macht dem ZDF Beine in Sachen Transparenz: Mehr Informationen als bisher sollen online veröffentlicht werden, kündigte Intendant Thomas Bellut an. Der Fernsehrat beschloss bei seiner Sitzung in Berlin, ab 2015 öffentlich zu tagen. Eine neue Transparenz-Arbeitsgruppe wird dem Rat vorschlagen, wie der Sender noch gläserner werden kann.

Die abenteuerliche Verschiebung von Umfrage-Ergebnissen bei "Deutschlands Beste" kostete schon Köpfe: Showchef Oliver Fuchs dankte ab, eine Teamleiterin wurde ihre Führungsfunktion los.

Nun wird es weitere Auflagen für die Redaktionen geben: Sie müssen in den Sendungen noch deutlicher erläutern, nach welchen Regeln abgestimmt wird oder wie eine Jury zusammengesetzt ist. Alle Regeln müssen online nachlesbar sein. Dies kündigte Bellut dem Fernsehrat am Freitag an.

Auf seiner ersten ordentlichen Sitzung nach dem Skandal griff der Rat zu einer harten öffentlichen Rüge: Er missbilligte - wie vom Programmausschuss empfohlen - die "Deutschlands Beste"-Sendungen vom 2. Und 3. Juli dieses Jahres. Eine Missbilligung ist höchst ungewöhnlich. Erst einmal soll das Gremium diese Maßnahme ergriffen haben, sagte ZDF-Kommunikationsdirektor Alexander Stock: in den frühen 1990er Jahren. Geknickt sagte Bellut: "Ich werde alles daran setzen, dass sich das nicht wiederholt". Die Redaktion hatte eine Abstimmung gezielt gefälscht und einzelne Personen in Rankings nach oben oder unten geschoben.

"Zur Transparenz verpflichtet, nicht zur Dummheit"

Dass der Sender handeln muss, um Vertrauen zu gewinnen, haben alle Ebenen verstanden. Ab dem kommenden Jahr wird der Fernsehrat grundsätzlich öffentlich tagen, ein nichtöffentlicher Teil aber bleibt und auch die Ausschüsse verhandeln hinter verschlossenen Türen. Dies kündigte Fernsehrat-Vorsitzender Ruprecht Polenz an. Eine neue Transparenz-Arbeitsgruppe wird sechs Köpfe umfassen: die SPD-Vertreter Christine Bergmann und Martin Stadelmaier, der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes Michael Konken, der Ländervertreter Jürgen Gnauck sowie Marlene Thieme (evangelische Kirche) und Gerd Landsberg vom Städte- und Gemeindebund.

Doch auch die Transparenz muss ihre Grenzen haben, mahnte Intendant Bellut. Etwa bei dem heiklen Thema Sportrechte: "Wir sind zur Transparenz verpflichtet, aber nicht zur Dummheit", sagte Bellut und verwies auf den notwendigen Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Mit anderen Worten: Die private Konkurrenz soll nicht immer im Detail erfahren, was das ZDF für die Rechte bezahlt. Für das Vorgehen hat der Fernsehrat Verständnis. "Wer Pokern kennt, versteht, was Herr Bellut gesagt hat", meinte Polenz. Niemand lasse sich gerne komplett in die Karten schauen.

Polenz lästert über RTL

Er verteidigte die häufig kritisierten Multimillionen-Ausgaben für Sportrechte. Auch die öffentlich-rechtlichen Sender müssten Sportereignisse übertragen und dürften sie nicht komplett der Konkurrenz von Privatfernsehen und Pay-TV überlassen. Mit einem Seitenhieb bedachte Polenz RTL: Bei deren erster Übertragung des Nationalelf-Spiels sei "selbst das Kaffeetrinken mit dem Bundestrainer durch Werbung unterbrochen worden".

Trotzdem muss das ZDF einen hammerharten Sparkurs fahren. Satte 75 Millionen Euro Einsparungen verlangt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) bekanntlich in der laufenden Gebührenperiode. Intendant Bellut bezifferte nun die konkreten Auswirkungen für die Mitarbeiter: 560 Stellen muss der Sender bis 2020 einsparen, 350 wurden schon während des laufenden Sparprogramms abgebaut.

Bellut will 30 Stellen für Jugendkanal retten

Bellut stemmte sich zugleich vehement dagegen und will mindestens 30 Stellen retten. Er setzte der KEF die Pistole auf die Brust: "Ich muss das in aller Deutlichkeit sagen – auch aus Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber."  Hintergrund ist der geplante Jugendkanal von ARD und ZDF. Mindestens 30 Stellen erfordere dieser auf Seiten des ZDF, sagte Bellut. "Ein Jugendkanal, mit einem gewissen Ehrgeiz produziert, muss auch von eigenen Redaktionen betreut werden."

Am 16. Oktober werden die Ministerpräsidenten über das Jugendangebot entscheiden. Bellut betonte, das ZDF wolle dem Projekt Jugendkanal "nicht den Todesstoß versetzen". Doch er knüpfte eine Beteiligung an geringere Sparauflagen.

Autor: Jens Twiehaus

 

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