Helmut Thoma über die deutsche TV-Landschaft: Schlimmer als bei Berlusconi

24.09.2014
 

Helmut Thoma zeichnet ein düsteres Bild von der deutschen TV-Landschaft: "Auf dem privaten deutschen Fernsehmarkt gibt es keine Konkurrenz mehr. Die zwei großen Gruppen Bertelsmann und P7S1 sind so dominant, dass sie sich nicht mehr weh tun müssen." Deswegen bemühten sich die großen privaten Sender auch gar nicht mehr, den Zuschauern ein abwechslungsreiches Programm zu bieten, so der einstige RTL-Boss gegenüber "Fernsehkritik-TV".

Der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma zeichnet ein düsteres Bild von der deutschen TV-Landschaft: "Auf dem privaten deutschen Fernsehmarkt gibt es keine Konkurrenz mehr. Die zwei großen Gruppen Bertelsmann und ProSiebenSat.1 sind so dominant, dass sie sich nicht mehr weh tun müssen." Deswegen bemühten sich die großen privaten Sender auch gar nicht mehr, den Zuschauern ein abwechslungsreiches Programm zu bieten, so Thoma, der zu Gast in der 142. Ausgabe des Online-Magazins "Fernsehkritik-TV" war, die auf http://massengeschmack.tv erschienen ist. 

Was auf dem privaten deutschen Fernsehmarkt ablaufe, sei grundgesetzwidrig: "In Italien hat Berlusconi 40%, hier haben die beiden Blöcke 85%. Das gibt es in keinem anderen europäischen Land", so Thoma.

In dem gut zweistündigen Gespräch nimmt der Fernsehmacher auch zu anderen Themen Stellung.

Über die Öffentlich-Rechtlichen: "In anderen Ländern gäbe es längst einen Aufstand gegen diesen Beitrag, aber in Deutschland ist das eben so. Die Leute sind hier froh, wenn sie was zahlen können ... Von den 8,3 Mrd Rundfunkbeitrag gehen etwa 20% ins Programm. Der Rest ist für das Funktionieren der Maschine, also Angestellte, Pensionen usw. Daher bin ich dafür, kulturelle Projekte auszuschreiben und diese dann zu subventionieren. Wir brauchen die Öffentlich-Rechtlichen nicht. ... Dieser Skandal mit den Besten-Listen oder dieser Unfall bei 'Wetten dass' – wenn das bei den Privaten passiert wäre, die Öffentlich-rechtlichen hätten sich kaum eingekriegt. Aber so ging man schnell drüber hinweg."

Über Dokusoaps und andere Billig-Programme: "Der deutsche Messie ist inzwischen zum anerkannten Fernsehberuf geworden. Vermülle deine Wohnung und die Kamera muss kommen. Frauentausch und solche Formate sind alles Sendungen nach dem Motto: Wie mache ich Fernsehen, das nichts kostet? Die Leute schauen gern Leuten zu, denen es schlechter geht. Das funktioniert wie bei Wilhelm Buschs frommer Helene: 'Ach, wie bin ich froh. Ich bin nicht so'."

Über Netflix: "Ich bewundere Netflix zutiefst wegen der PR-Leistung. Da ist überhaupt nichts dahinter. Im Prinzip hat das das klassische Cassetten leihen abgelöst. Mehr ist das nicht. Spielfilme und Serien werden doch viel zu sehr geklaut und kostenlos heruntergeladen. Watchever steht ja auch schon zum Verkauf, Maxdome geht bereits mit den Preisen runter."

Über YouTube: "Es gibt im Moment diesen Hype um YouTube. In Wahrheit gucken die Leute ein paar Minuten am Tag YouTube. Das ist doch kein Ersatz für Fernsehen. Fernsehen wird das dominante Medium bleiben."

Thoma äußert sich außerdem über seine Pläne mit dem Sender NRW.TV, über Thomas Gottschalk und über Anke Schäferkordt.

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